Der Mond bildete nur eine schmale Sichel, und auf allen Seiten umgab uns der dichteste Hochwald; desswegen war es hier stockfinster. Hier sah ich Sträucher leuchtender Pflanzen an dem etwas hohen Ufer. Diese waren 2-2½' hoch, an Gestalt so ziemlich der Asclepias carrasaviva ähnlich, und hatten lange, spitzige Blätter. Ihr Glanz war bei weitem nicht so stark, wie der der Feuerfliegen, und hatte etwas bläulich Phosphorartiges; doch konnte man alle Umrisse deutlich unterscheiden. Weil ich ganz der botanischen Kenntnisse entbehrte, habe ich vergessen, ein Exemplar dieser so merkwürdigen Pflanze mitzunehmen.
Mit anbrechendem Tag kamen wir wieder in die Maratacca. Das Land erhöhte sich allmählig, und der schönste Hochwald säumte die Ufer der Kreek, die in den wunderlichsten Krümmungen sich südwestlich zog.
Regenschauer durchnässten uns auch heute, wie überhaupt in dieser Beziehung der Monat Mai der schlimmste des Jahres ist.
Wir fanden gegen Mittag eine kleine Hütte, die von einer Arowackenfamilie bewohnt war. Das Mittagessen wurde hier gekocht, und ich überdiess mit Cumu tractirt, den man in Ermanglung von Zucker mit dem süssen Mehl der Lokus-Bohne gewürzt hatte[ [10]. Die halbe Nacht brachten wir wieder in einigen leerstehenden Hütten zu, und vor Tagesanbruch kamen wir an den Landungsplatz der Savannendörfer.
Wir hatten vom Nachtlager Feuer mitgebracht, und es loderte desshalb bald eine kräftige Flamme auf, um die wir im Kreise herumsassen und den Tag erwarteten. Unsere Indianer gaben mit ihren Pfeifen ein Concert, um ihre Ankunft ihren Freunden mitzutheilen.
Die Maratacca mochte hier etwa 60' breit seyn. Ihre Ufer waren hügelig und mit Hochwald bewachsen, hinter dem unabsehbare Savannen, wahrscheinlich bis zur Correntin, sich erstreckten. Das Durchwaten der Kreek ist in der Trockenzeit leicht. Nach der Aussage der Indianer soll sie mit der Correntin in Verbindung stehen; wenn diess der Fall ist, so bin ich davon überzeugt, dass der Zusammenfluss nicht weit entfernt von hier stattfindet. Jedenfalls wird die Entfernung der Savannendörfer vom rechten Ufer des Correntins nicht über zehn Stunden betragen, was in sofern von Wichtigkeit ist, als viele Plantagenneger an der Maratacca arbeiten, und durch diese Kreek, oder die Savannen derselben einen leichten, gefahrlosen Weg nach der englischen Colonie hätten.
Mit anbrechendem Tage fanden sich mehrere Indianer ein, welche unserem Dram fleissig zusprachen und uns dann nach ihren Dörfern begleiteten. Am Wege dahin waren grosse Cassavefelder, die sich bis an die Savannen erstreckten. Nachdem wir etwa zehn Minuten gegangen waren, öffnete sich der Wald, und eine grosse Savanne lag vor uns, die stellenweise sich sanft erhob und stundenweit nach Westen auszudehnen schien.
Wie in den Savannen der Casawinika und Saramacca die Mauritzenpalmen vorherrschen, weil der mehr ebene Boden die Feuchtigkeit, welche diese so sehr lieben, besser bewahrt, so waren hier die Awarrenpalmen ungemein zahlreich. Man fand sie hier von einer Höhe, die sie anderswo nie erreichten, sowohl am Rande der Wälder zerstreut, als in kleinen malerischen Gruppen beieinanderstehend.
Aus dem Hochwald, der diese Flächen umzog, blickten die brennenden Blumen des Grünhart hervor, und tausenderlei Blüthen schmückten das grüne Laubwerk, das in Folge der häufigen Regen eine herrliche Frische zeigte. Selbst Gras und Blumen, welche den sandigen, sonst unfruchtbaren Boden schmückten, prangten in voller Blüthe, während in den Trockenzeiten, welche Alles dürr und verwelken machen, dem Auge ein unfreundliches Bild sich darbietet. Unter Bananen-, Papayas- und Awarrabäumen fanden wir die Dörfer der Indianer versteckt. Zwei derselben waren von Waraus, und das dritte, weiter entfernte von Arowacken bewohnt; und sie zählten zusammen etwa 200 Bewohner.
Wir wurden vom Oberhaupt dieser Dörfer, der als Zeichen seiner Würde einen Stock mit grossem, silbernem Knopf erhielt, aufs Beste empfangen, und mit Cassave und Ananas (mehr hatte er nicht) bewirthet, wogegen ich den Rest meines Drames mit ihm theilte.