Die Merkwürdigkeiten des Platzes waren bald besehen, und bestanden, die schöne Lage ausgenommen, in nichts Besonderem, wodurch er sich vor andern Indianerdörfern ausgezeichnet hätte. Es war Alles mit dem Reiben von Cassave und Ananas, sowie mit der Bereitung eines Trankes, den man Casiri nennt, beschäftigt; denn in ein paar Tagen sollte ein grosser Tanz stattfinden, und die Corjaal, nebst den Trögen, worin die Leckerei bereitet wurde, standen bereits in der grössten Hütte. Die Sitzbänke sind aus Cederblöcken geschnitzt und sehr massiv. Ihre Enden stellten Kaimans- und Käferköpfe vor, und waren blau und roth bemalt. Es wurde mir hier ein Trank gereicht, der aus den reifen Früchten der Awarra bereitet war und sehr angenehm schmeckte[ [11]. Die reifen Früchte der Awarra werden einige Tage in die Erde eingegraben, wodurch ihr Fleisch mürbe und weich wird, so dass es sich in einem grossen Troge leicht von den Steinen abstampfen lässt. Es wird dieses sodann in einen Kurikuri, einen Korb, der aus dem Baste einer rohrartigen Pflanze, Warimbo genannt, gemacht ist, und der vorher dicht mit Heliconienblättern belegt wird, eingedrückt, und sodann im kalten Wasser der Kreek, das nicht durch die Blätter dringen kann, einige Tage ausgesetzt, wodurch die ölige Substanz, die in dem faserigen Fleische sitzt, mehr flüssig gemacht wird.
Eine Handvoll dieser Masse in eine Kalabas voll Wasser ausgedrückt, färbt dieses mennigroth, macht es fett und angenehm säuerlich süss. Mit Zucker vermischt, ist es wirklich ein köstlicher Trank, und ich ziehe ihn dann selbst dem Cumu vor.
Das Völkchen schien im Ueberfluss zu leben; denn Cassavebrod war in Menge vorhanden, und die Felder befanden sich im besten Zustand. Nur Schade, dass dieses Wohlleben nur temporär ist und gar häufig Zeiten eintreten, in welchen Awarra, Maripa und andere Waldfrüchte den hungrigen Magen stopfen müssen, und zwar nur desshalb, weil die Leute zum Pflanzen zu faul waren. Die Waraus besonders sind als Faullenzer bekannt; doch sind solche Hungerzeiten bei den Caraiben ebenfalls nicht selten.
Ich habe hier eine merkwürdige Art von Begrüssung wahrgenommen, die ich, wenn ich auch den Sinn der Worte nicht begriff, wenigstens doch sehr zeitraubend fand. Der Neuangekommene wird gewöhnlich mit Essen oder einem Tranke traktirt, und bedankt sich dann zuerst bei dem Oberhaupt der Hütte in höchst weinerlichem Tone, worauf derselbe nichts anders als »Wan« erwidert. Hierauf bedankt er sich bei jedem andern männlichen Bewohner besonders, und bekommt ebenfalls nichts als »Wan« zur Antwort. Ist nun Niemand mehr zu becomplimentiren, so bedankt man sich ganz auf dieselbe Weise bei dem Fremden für seinen Besuch, der dann auch die bekannte Formel gegen jeden gebraucht.
Die Caraiben sind bei weitem nicht so ceremoniös, und bedanken sich blos im Allgemeinen und beim Empfang der Speisen mit Jo.
Im Hause meines Wirthes sah ich ein paar Frauen, die wohl hundert Jahre alt seyn mochten. Sie spannen Baumwolle und sassen in ihren Hängematten, die sie nie verliessen. Sie waren beinahe blind; desswegen musste das Feuerchen, das unter ihren Hängematten brannte, von Kindern unterhalten werden. Ihre Haare waren trotz ihres hohen Alters kohlschwarz und dicht.
Beinahe in jeder Hütte fand man Hunde, die bei unserer Ankunft immer ein schreckliches Gebell erhoben, in welches Affen, Papageyen und andere gezähmte Thiere miteinstimmten. Am auffallendsten sind die Hühner, die beinahe noch einmal so gross als die gewöhnlichen, in Menge vorhanden, und desshalb wohlfeil zu bekommen waren. Auf den Plantagen leben sie nicht lange, geben auch keine ihnen gleiche Zucht.
Mit einem Affen, Hühnern und Ananassen reichlich versehen, trat ich die Rückreise an, und war am achten Tag wieder auf meinem Posten.
Mein Kommandant hatte mir bei seiner Abreise das Versprechen gegeben, mich so bald als möglich nach Paramaribo kommen zu lassen, weil er wusste, dass ich auf Nickerie wenig Vergnügen hatte; denn der Umgang mit meinen Kameraden hatte für mich wenig Angenehmes, und das Herumschwärmen nach Insekten im Busch und Wald war hier unmöglich. Mit grosser Ungeduld sah ich der Zeit meiner Abberufung entgegen. Ein Ereigniss aber, das ich kurz hier anführe, um zu beweisen, wie listig manche Neger sind, und wie schwer es hält, sie vor Desertion zu hüten, wenn sie sich dieselbe in den Kopf gesetzt haben, verzögerte meine Abreise.
Mehrere Monate vorher, ehe ich den Posten verliess, kam ein Gouvernementsbrief an den Landdrost, welcher die Nachricht enthielt, dass ein berüchtigter Wegläufer sich in den Wäldern zwischen dem Ober- und Niederdistrikt aufhalten müsse. Dieser war nämlich schon vor längerer Zeit von einer Pflanzung an der Hoerhelena-Kreek in einem Corjaal entwischt und hatte sich zur Nachtzeit nach Paramaribo begeben. Dort liess er sein Fahrzeug wegtreiben und stahl in den Aeckern im Umkreise der Stadt seinen Lebensunterhalt. Da er aber hier der Gefahr sich aussetzte, gefangen zu werden, beschloss er, sich nach dem Niederdistrikt zu begeben, weil er dort früher gearbeitet hatte und desshalb bekannt war. Zu diesem Zweck stahl er in der Saramakka, wohin er sich zu Fuss begab, aufs Neue eine Corjaal, fuhr blos bei dunkler Nacht diesen Strom abwärts, passirte so ungesehen die Militärposten und das Wachtschiff und kam glücklich in die See. Während er aber nahe am Oberdistrikt den Tag über seine Corjaal in einer kleinen Kreek verbergen wollte, wurde er von Fischernegern einer nahegelegenen Pflanzung entdeckt, gefangen genommen und nach dem Posten Coroni gebracht. Dort wusste er sich unter den Augen einer Schildwache seiner Ketten zu entledigen, und es gelang ihm, zu entkommen, ohne dass man ihn sogleich vermisste. Ein altes Hemd und ein gesalzener Fisch wurden von ihm noch aus der Küche der Soldaten mitgenommen.