Die Schildwache, unter deren Aufsicht er stand, wurde in Folge seiner Flucht in Paramaribo zu fünf Jahren Festungsarbeit verurtheilt.

Fruchtlos wurden von uns Patrouillen nach ihm ausgesandt. Endlich entdeckte man ihn hinter den Kostäckern der Pflanzung Nursery, wo er sich verproviantirte. Er hatte im Walde ein kleines Hüttchen gebaut, das er so lange zu bewohnen gedachte, bis sich eine günstige Gelegenheit zum Entkommen nach der englischen Colonie zeigen würde. Mit Stricken und Ketten gefesselt wurde er nach dem Posten gebracht, wo ihm die besten Eisen angelegt wurden. Den Tag über wurde ihm eine Schildwache beigegeben, unter deren Aufsicht er den Platz vom Grase säubern musste, und des Nachts schloss man ihn in die Arrestkammer. Man wartete nun auf eine günstige Gelegenheit, um ihn nach Paramaribo zu bringen.

Inzwischen wurde der Kerl krank und so schwach, dass man ihm die Ketten abnehmen musste. Er stöhnte und jammerte so erbärmlich, dass man ihn seinem Ende nahe glaubte, und bat daher den wachhabenden Corporal um Gotteswillen, ihn doch aus der Arrestkammer, wo ohne Feuer die Mosquittos freies Spiel hatten, zu nehmen und in der Wachtstube in den Block zu schliessen, was der gutmüthige Corporal auch that. Scheinbar halb todt brachte man ihn aus dem Arrest und schloss seine Füsse in den Block.

Kaum war es dunkel, so brach er mit einem alten Stück Eisen, das er in seinem Kamis (Binde um den Leib) versteckt hatte, das Charnier des Blockes auf und lief ganz still weg. Man schlug nun Allarm, und der ganze Posten machte sich auf die Beine, um dem Entlaufenen, dessen Krankheit blos eine geheuchelte war, nachzusetzen, aber ohne Erfolg.

Zwei Tage hernach kam meine Ablösung aus Paramaribo. Diese trat aber an die Stelle des Corporals, dem der Neger entschlüpft war, und der nun nach Paramaribo vor den Kriegsrath geschickt wurde. So musste ich denn zu meinem grossen Aerger noch bleiben. Hiezu kam noch der angenehme Auftrag, auf den Plantagen die abermalige Flucht des gefährlichen Kerls anzuzeigen, bei welcher Gelegenheit ich gar manches bittere Wort über die Wachsamkeit von 60 Mann hören musste.

Sechs Wochen später wurde der Entlaufene beinahe auf demselben Flecke, wo er zuerst gefangen ward, wieder arretirt und unter grossem Jubel nach dem Posten gebracht. Dass man jetzt alle Vorsicht gebrauchte, lässt sich denken. Geschlossen musste er unter der Gallerie des Wachthauses sitzen, wo ihn die Schildwache beständig zu beobachten hatte.

Aber auch hier wäre er beinahe wieder entwischt; denn er benützte den Augenblick, wo die Schildwache um das gegenüberliegende Hospital ging, um in die Wachtstube zu kriechen, wo er aus der unverschlossenen Schublade den Schlüssel seiner Fesseln holte.

Als die Schildwache von ihrer, kaum eine Minute dauernden Wanderung zurückgekommen war, sass er wieder ruhig an seinem Platze. Kaum drehte ihm diese von Neuem den Rücken, so schloss er behend seine Fesseln auf, legte diese zum Spott auf den Tisch und lief weg. Glücklicherweise sah diess aber die Schildwache, und er wurde bald wieder eingeholt, weil er einige Tage krumm geschlossen gesessen hatte und in Folge davon nicht so schnell laufen konnte.

Dass es nun neue Hiebe regnete, und die ganze Wachmannschaft ihre Wuth an ihm ausliess, versteht sich von selbst. Der Landdrost aber, der des gefährlichen Kerls sich gerne entledigt hätte, hatte im Sinn, ihn unter meiner Aufsicht mit dem Tentboot auf der Nickerie und Saramacca nach der Stadt zu schicken. Glücklicherweise kam aber zwei Tage später ein Schooner, auf welchem ich mit zwei Soldaten und dem Gefangenen, nebst 26 Kühen, welche der Kapitän des Schooners mitnahm, Nickerie verliess.

Wir kamen nach einer siebentägigen, stürmischen Fahrt, während welcher fünf unserer vierfüssigen Reisegefährten starben, den 5. September 1839 in Paramaribo an.