Abends 5 Uhr betraten wir mit unsern Habseligkeiten das Land, wo wir den Kommandanten und den Doctor von Armina trafen. Sogleich traf man Anstalten, um den Schooner auszuladen und wir waren beinahe die ganze Nacht damit beschäftigt, Fleisch-, Mehl- und Salzfässer nach dem Posten zu rollen. An Schlaf war bei der Unzahl von Mosquittos gar nicht zu denken.

Der Posten selbst war wirklich noch tausend Mal schlechter, als er, vom Strande aus gesehen, schien; denn er bestand nur aus drei Hütten, von welchen die erste, am Strome stehende, grossartig Kommandanten-Wohnung genannt wurde. Eine andere hiess Kaserne, diese lehnte sich unter einem Winkel von beinahe 40° an die Bäckerei an, welche eine entgegengesetzte Richtung angenommen hatte. Alle drei waren aus Pallisaden gebaut, mit Pinablättern gedeckt und so gut gegen Regen und Mosquittos verwahrt, dass, wenn Thüren und Fenster geschlossen waren, die Ziegen durch die Lücken der fehlenden Palissaden ins Haus kommen konnten. Beim Regen blieb kaum ein Plätzchen übrig, um die Gewehre trocken zu halten, und bei heftigem Winde flüchtete man aus guten Gründen ins Freie.

Ein weites Feld für einen wirksamen Geist, dachte ich, als der kommandirende Korporal, den ich ablösen musste, mir einige Tage später nebst dem Inventarium den Posten übergab und mit wichtiger Miene, als gäbe er Juwelen weg, die alten Schaufeln, Rechen u. s. w. zustellte. Die Geräthschaften waren überhaupt so alt und abgenutzt, dass man in der Amsterdamer Judenbrenstrasse keine schlechteren finden wird.

Die Soldaten, welche zur Ablösung des Postens Armina bestimmt waren, wurden gleich am Tage nach unserer Ankunft im grossen Boote des Postens dahin abgeschickt, und wir mussten dem Kapitän des Beschermers bei der Reparation seines unglücklichen Fahrzeuges helfen. Da der als trefflicher Segler bekannte Schooner ungemein spitz und tief gebaut war, der Leck aber unten am Kiel sich befand, so kostete es keine geringe Mühe, das Fahrzeug so hoch ans Land zu schaffen, dass man dem Schaden abhelfen konnte. Endlich war er wieder so weit in Stand gesetzt, dass man die kleine Reise nach Paramaribo mit ihm wagen konnte.

In den letzten Tagen des Januar schiffte sich der abgehende Offizier mit seinen Untergebenen ein, und ich dankte Gott für die Erlösung von einer Truppe, für welche es bei den schlechten Lokalitäten noch an Platz fehlte.

Zum Unglück stiess der Beschermer in der Mündung des Stromes abermals auf eine Bank, verlor das Ruder und bekam einen solchen Leck, dass es nur unter anhaltendem Pumpen möglich war, die Stadt zu erreichen, wo seine Ausbesserung über 2000 fl. kostete.

Einen Tag nach der Abreise des Detachements machten sich auch der Lieutenant und der Doctor auf den Weg nach dem Hauptposten. Ersterer lud so viel als möglich in seine zwei Boote und segelte unter meinem herzlichen Glückwunsch einer glücklichen Reise davon.

Ich bezog nun die Kommandanten-Wohnung, welche ebenfalls aus Pallisaden bestund, doch in einem etwas besseren Zustand, als die Kaserne sich befand.

Zum Glück war eine hinreichende Menge von Nägeln und neuen Pallisaden vorräthig, so dass ich mit Hülfe meiner 5 Soldaten mein Haus nothdürftig ausbessern und wenigstens so weit herrichten konnte, dass die Ziegen nicht mehr herein konnten.

Mein Geschäft auf dem Posten war ein sehr einfaches und geringes und die Besatzung, welche aus einem Korporal und 5 Soldaten bestand, unter welchen ein Bäcker war, hatte nichts zu thun, als für ihren Unterhalt zu sorgen. Sah man auf der See ein Schiff in der Richtung nach Westen, so zog man die holländische Flagge auf, und nahm sie wieder weg, wenn dasselbe passirt war.