Ausserdem mussten die Lebensmittel, welche alle drei Monate auf einem Schooner von Paramaribo aus hieher geschickt wurden, so lange verwahrt werden, bis sie nach und nach vom Hauptposten Armina abgeholt wurden. Dieser lag etwa achtzehn Stunden weiter landeinwärts, diente zur Vertheidigung gegen die Buschneger und war mit 1 Offizier, 1 Sergeanten, 13 weissen und 6 schwarzen Soldaten besetzt. Ueberdiess waren noch etwa 8 Neger zum Unterhalt des Postens und zum Transport der Lebensmittel bestimmt. Ein Doctor und ein Krankenwärter besorgten das Hospital.
So wenig wir nun auch auf unserem Posten zu thun hatten, so ärmlich wäre unser Leben gewesen, wenn uns nicht bei jeder Gelegenheit von Armina her Bananen geschickt worden wären; denn der Posten selbst war auf einer Sandritze und der unfruchtbare Boden brachte nur wenige Awarapalmen hervor, die ein undurchdringliches Gesträuch bildeten.
Hinter dem Posten waren Sümpfe, die nur in den grossen Trockenzeiten zugänglich waren und längs des aus Sand bestehenden Seestrandes, auf welchem man zur Zeit der Ebbe fünf Stunden westlich gehen konnte, zog sich ein Saum von Hochwald hin, worin Cokus-, Haiawa- und andere Bäume des Hochlandes gefunden wurden, hinter welchem Süsswassersümpfe, bewachsen mit Schilf und Gras, parallel mit der Küste liefen. Längs des Strandes fand man stellenweise ganze Gruppen von Cactuspflanzen (Cactus sexagonus), die manchmal 25' hoch und über und über mit Stacheln bedeckt waren. Eine rothe, faustgrosse Feige wuchs in Menge an ihr, diese war zwar süss von Geschmack, aber zäh und selbst von den Indianern wenig beachtet.
Meine erste Arbeit nach der Ausbesserung meines Hauses war die Reparation meines Bettes.
Es befand sich nämlich in meiner Kammer eine aus alten Brettern zusammengenagelte Bettstelle, deren vier verlängerte Pfosten da waren, um mit Gardinen behangen zu werden. Diese waren aus alten Hosen und Hemden meiner Vorgänger zusammengeflickt und hatten so viel Löcher und Risse, als Tage im Jahr sind, daher die Mosquittos freien Eingang hatten. Nach zwei Tagen, welche ich mit Schneiden und Nähen zubrachte, war die Bettlade im besten Zustand und es fehlte nichts mehr, als eine Art Strohsack, wenn ich nicht auf den harten Brettern liegen wollte. Doch zu einem solchen fehlte es an Zeug und ich musste mich bequemen, auf getrocknetem Gras und Laub meine Nächte zu durchträumen.
Vom Lieutenant hatte ich auf Credit mehrere Ziegen gekauft, die sein Vorgänger ihm zurückgelassen hatte, und so konnte ich nun meinen Caffee mit Milch trinken; überdiess hatte ich noch einige Hühner. Auch meine fünf Mann liessen sich, wenn kein Dram zu bekommen war, zu Manchem gebrauchen, und so war ich in meiner neuen Lage sehr wohl zufrieden.
Der ganze, bedeutende Strom war ausser den beiden Militärposten bloss von Indianern und weiter landeinwärts vom Hauptstamme der Buschneger, den Aukanern, bewohnt. Ein ziemlich bedeutendes Caraibendorf lag bloss eine Viertelstunde vom Posten entfernt, und die Bewohner desselben besuchten mich beinahe täglich. Die Lebensweise, Sitten und Gebräuche dieser Menschen werde ich später weitläufig beschreiben, um jetzt an ein Ereigniss zu kommen, das eine bedeutende Rolle während meines Aufenthaltes auf dem Posten Prinz Willem Frederik spielte, und aus dem ich einen bedeutenden Vortheil hätte ziehen können. Wenn ich auch hier, wo durch Zufall das Glück mir lächelte, nur so schüchtern zugriff und nicht nach dem Beispiel meines Kommandanten, der mehr Routine hatte, mich richtete, so war diess gerade nicht Folge einer übertriebenen Ehrlichkeit, sondern ich fürchtete mich theils vor der Strafe, theils regte sich der Wunsch in mir, mich in dieser Sache vortheilhaft auszuzeichnen.
Ich war nämlich seit der Abreise des Offiziers kaum acht Tage frei und ohne Zwang auf meinem Posten, als wir am frühen Morgen des 7. Septembers das Boot eines grossen Schiffes, das seit zwei Tagen in der Mündung des Stromes vor Anker zu liegen schien, auf unsern Posten zukommen sahen. In diesem befand sich der Kapitän desselben mit der ganzen Equipage, nebst zwei Passagieren. Sie hatten ihr reichbeladenes, nach Paramaribo bestimmtes Schiff, ein grosses holländisches Backschiff, Catharina Jakoba, das auf einer Bank des Stromes gestrandet war, verlassen. Sie hatten vorher die Rettung des Schiffes vergeblich versucht und dabei beide Anker verloren. Kapitän und Passagiere, die über den Verlust ihrer hoch versicherten Ladung getröstet schienen, sahen bald ein, dass wir in Ermangelung eines Fahrzeuges nichts zur Rettung des Schiffes beitragen konnten. Doch gab mir Ersterer die Erlaubniss, an Bord gehen zu dürfen und auf Rechnung der Assecuranz, welche doch den ganzen Plunder, der zu 45,000 fl. versichert war, bezahlen musste, abzuholen, was ich für gut fände.
Es war diess das erstemal, dass ich in einen solchen Fall kam, der mich um so mehr in Verlegenheit brachte, als in meinen Instruktionen, in denen es keineswegs an kleinlichen Clauseln fehlte, kein Wort über einen solchen Fall vorgemerkt war. Ich fragte desshalb den Kapitän um Rath, dieser übergab mir das Handelsgesetzbuch und überliess es mir, die betreffenden Stellen herauszufinden. Bald war ich darüber im Reinen und ich erklärte dem Kapitän, dass ich mit Hülfe der Indianer so viel als möglich von der Ladung ans Land schaffen, davon ein Inventarium aufsetzen und diess dem Gouverneur übersenden wolle; überdiess werde ich den Vorfall dem Kommandanten auf Armina per Expressen anzeigen und innerhalb zwei Tagen einen Extrarapport durch Indianer über See dem Gouverneur zuschicken. Hierauf wurde ich vom Kapitän mit dem Inhalt der Ladung bekannt gemacht, welche, ausser einer Menge feiner und ordinärer Lebensmittel, in Manufakturwaaren und über 1200 Kisten Genever bestand. Wegen der Menge der verschiedensten Weine und geistiger Getränke konnte ich auf den Beistand der Soldaten, welche Erztrunkenbolde waren, nicht rechnen: denn die Gegenstände, welche ich von Bord abzuholen gedachte, mussten wegen Mangels an Raum unter freiem Himmel aufbewahrt werden und waren somit jedem Angriff blossgestellt.
Ich sprach jedoch mit meinen fünf Mann, bat sie aufs Dringendste, sich nicht zu betrinken, mir in Allem getreulich beizustehen, setzte ihnen auch auseinander, welchen Vortheil wir aus diesem unglücklichen Zufall ziehen könnten, und gebrauchte dabei alle Ueberredungskunst, die mir zu Gebot stand. Hierauf erhielt ich von ihrer Seite das heiligste Versprechen, dass sie sich lieber die Zunge abbeissen, als einen Schnaps trinken wollen, um diese Vortheile doch ja nicht entschlüpfen zu lassen.