Die Matrosen waren gegen Mittag in ihrem Boote abgefahren, um, wie sie vorgaben, ihre zurückgelassenen Kleidungsstücke abzuholen.

Voll vom Gedanken an Reichthum und Ehre, lief ich, wiewohl es beinahe Hochwasser war, und ich stellenweise bis um den Hals in demselben gehen musste, nach dem ersten Indianerdorf, um noch denselben Abend so viel als möglich von dem Schiff abholen zu können. Es war aber gerade Tanzunterhaltung im Dorfe und ein ganzes Boot stand voll Tapana zum Labsal der Tanzenden in der grossen Hütte. Desswegen war es für heute nicht möglich, weder durch Belohnung noch Drohung Corjaalen zu bekommen, weil sie sich in ihrer Freude nicht stören lassen wollten. Doch versprach mir der Kapitän des Dorfes, am andern Morgen mit wohlbemannten kleinen und grossen Corjaalen zu kommen.

Schon glaubte ich, meinen Plan, noch diesen Tag an Bord zu gehen, aufgeben zu müssen, als sich ein fremder Indianer anbot, mich in seinem kleinen Corjaal, das kaum zwei Menschen fassen konnte, auf das Schiff, das wohl eine Stunde seewärts vom Posten lag, zu bringen.

Glücklicherweise war es stilles Wetter und bei der Ebbe, die unterdessen eingetreten war, gelangten wir schnell an Bord.

Es bemerkte mich kein Mensch; denn alle Matrosen waren unterm Verdecke, wo Kisten und Ballen aufgeschlagen und aufgeschnitten wurden, um so viel als möglich plündern zu können. Das war eine Haushaltung zum Entzücken! Hier ward eine Kiste mit Leinwand, dort eine Porzellankiste erbrochen und was den rohen Kerls nicht anstand, wurde in Scherben zerschlagen. Fässchen Butter, die ihnen im Wege standen, wurden nicht auf die Seite gesetzt, sondern muthwillig zertrümmert, so dass die schöne Butter, welche sonst für die Soldaten meist nur ein Schauessen blieb, in allen Ecken herumspritzte. Lampenballons, von welchen das Stück 4-5 fl. kostete, hatten, wie so manches andere Werthvolle, dasselbe Schicksal.

Kaum hatte man mich erblickt, so wurde ich mit einem Hurrah empfangen und vom Bootsmann mit einer diesen Leuten eigenen Höflichkeit zum Essen eingeladen. Das Aufgetischte war freilich nichts Warmes, bestand aber doch in Sachen, die nie auf dem Küchenzettel eines Korporals figuriren. Man hatte nämlich eine Kiste voll blecherner, luftdicht verschlossener Büchsen gefunden, welche gebratene Feldhühner, Gänse, Fleischspeisen, Salm und andere Leckereien enthielten und man las mir, während ich mit einem alten Messer eine Büchse Feldhühner öffnete, all' das Köstliche vor, wovon ich Gebrauch machen könne, verbunden mit der Aufforderung, zu essen, bis mir der Bauch berste. Zugleich holte der Küchenjunge weissen Zwieback und der Steuermann öffnete eine Kiste mit feinem Rheinwein, wozu der dienstfertige Bootsmann noch als Dessert eine grosse Flasche Confect beifügte, von welchem man gerade eine Kiste gefunden hatte.

Nachdem sie sich davon überzeugt hatten, dass ich mit allem zu einem guten Diner Nöthigen versehen war, gingen sie an ihre fernere Untersuchung, während welcher ich bei schrecklichem Appetit, da ich seit dem Morgen nichts mehr gegessen hatte, eine treffliche Mahlzeit hielt, obgleich Löffel und Gabel mir dabei fehlten.

Wein trank ich wenig; denn ich hatte mir fest vorgenommen, mir in diesem Wirrwarr meine fünf vollen Sinne zu erhalten.

Kaum war ich fertig, so gab man mir durch ein Freudengeschrei aus dem untern Raum zu erkennen, dass man einen angenehmen Fund gethan habe. Dieser bestand in einer Kiste seidener Tücher und Westenzeuge, wovon man mir mit einem halben Dutzend Foulards ein Geschenk machte. Leider wurde mir dieses, wie noch so manches Andere von Matrosen oder Soldaten aus meiner Kiste gestohlen, und es blieb mir von allen diesen Kleinigkeiten am Ende beinahe nichts übrig. Endlich hatten die Matrosen ihre Kisten vollgepfropft, an Lebensmitteln und Getränken so viel mitgenommen, als man laden konnte und segelten damit nach dem Posten, während meine ganze Ladung nur in drei Fässchen Butter bestand, weil ich nicht mehr mitnehmen konnte.

Zu Hause traf ich schon Alle betrunken an, und Nachts sah ich Bacchanalien, worüber ich erstaunte, obgleich ich doch schon manche solche Partie mit angesehen hatte. Kapitän, Passagiere und Steuermänner logirten in meiner Wohnung; die Matrosen aber, deren es etwa acht waren, bei den Soldaten in einer Kammer von 16' Länge und 9' Breite, aus der die Kaserne bestand, in welcher nun zwölf Personen campiren sollten. Ans Schlafen wurde natürlich bei dem Ueberfluss an Genever nicht gedacht; denn jeder wollte diese Gelegenheit benützen, um sich einmal wieder etwas zu gut zu thun. Alles lagerte sich im Kreise um ein Licht, das alle Augenblicke auslöschte, weil der Wind von allen Seiten durch die Wände blies. Endlich stellte man es in eine leere Geneverkiste, wodurch die Hälfte der Gesellschaft sich immer im Dunkeln befand. Zwei offene Kisten Genever und Branntwein, nebst acht grossen Gläsern Confect, von deren einem ich schon auf dem Schiff gegessen hatte, standen zur Verfügung der ehrbaren Gesellschaft.