Eine Hauptsache aber darf bei einer Seereise nicht fehlen, das ist Sacura, eine Art Mus, das aus gekautem Cassavebrod, gekochtem Yams und dergleichen besteht. Man mengt hievon eine Hand voll unter eine Kalabas Wasser, das der Indianer beinahe nie ohne Beimischung trinkt, und bereitet auf diese Weise eine Art Suppe, welche zu kosten ich nie über's Herz bringen konnte.
Ist nun endlich die ganze Haushaltung: Menschen, Affen, Hunde, Papagayen, Hühner und Schildkröten im Boote, so setzt sich der Eigenthümer desselben gravitätisch an's Steuer, und die Männer blasen auf ihren Pfeifen, dass man Ohrenweh bekommt; alsdann fährt man ab.
Da man die Zeit sehr wenig schätzt, so gehen solche Reisen manchmal sehr langsam von statten. Ist es stilles Wetter, so schiessen die Männer auf jeden auftauchenden Fisch, und an der ersten besten, günstigen Stelle wird angehalten und gekocht. Da die Küste sehr nieder ist und mit jeder Fluth überschwemmt wird, so sind sie häufig genöthigt, ihre Mahlzeiten im Boot zu bereiten. Man holt dann grosse Stücke schlammigen Lehms aus dem Wasser, breitet dieselbe in der Corjaal aus, und macht hierauf das Feuer an.
Manchmal werden auch in den niedrigen Zweigen der Parcagesträuche Holz und Lehm so hoch aufgethürmt, dass sie das Wasser nicht erreichen kann; kommt nun die Fluth, so geschieht es nicht selten, dass eine Welle Feuer und Topf fortspült, und man mit hungrigem Magen weiter ziehen muss. Daraus macht sich aber der Indianer nichts, und man muss sich darüber wundern, dass Hunger und Durst ihn wenig aus seiner guten Laune bringen. Ich bin manchmal mit Indianern gereist, die 12 Stunden hintereinander kräftig pagaiten, während dieser Zeit nichts genossen, und doch immer lustig und aufgeräumt waren. Bei den stärksten Drohungen würde ein Neger diess nicht thun, und man findet selten Neger, welche eine Fluth (6 Stunden) rudern, ohne etwas genossen zu haben.
Hat man nun die Pflanzungen erreicht, so wird beinahe Alles für Branntwein vertauscht, und selten bringen sie nützliche Dinge, als: Zeuge, Beile, Messer u. s. w. in ihre Heimath zurück. In Paramaribo verweilen sie bloss einige Tage, begaffen das ihnen Ungewohnte ohne besondere Theilnahme und laufen meist betrunken in der Stadt herum.
Mit Dram, Melassin und etwas Salz betreten sie den Rückweg, der, weil ihnen nun Wind und Strömung entgegen sind, viel schwieriger ist, als die Herreise. Hier hilft nun kein Segel, man muss pagaien und fährt desshalb auch meist nach Mitternacht, wenn der Wind sich gelegt hat und die See stiller ist. Den Tag über liegt man an einer ruhigen Stelle vor Anker, d. h. an einem in den Boden befestigten Stock. Das Ankertau ist gedreht aus dem Baste des zum Geschlecht der Hibiscus gehörigen Strauches Maho, der am sandigen Ufer wächst; es entspricht seinem Zweck auf kürzere Zeit vollkommen.
Ist man des Pagaiens müde, so laufen die Männer wohl halbe Tage lang im Wasser und ziehen die Corjaal fort. Hat man das sandige Ufer der Mündung erreicht, so wird bei Ebbe das Fahrzeug an einem langen Tau durch zwei oder drei Männer gezogen, während einer am Steuer sitzt und dafür Sorge trägt, dass das Fahrzeug sich nicht zu sehr dem Lande nähert.
Bei der Ankunft im Dorfe wird natürlich bestialisch getrunken; doch finden sich noch immer einige im Dorfe, die abwechselnd nüchtern sind.
Man sieht dann allenthalben tolle Lustbarkeiten und Schlägereien, und es ist für einen Nüchternen allerdings interessant, den Einfluss des Drams auf die verschiedenen Gemüther zu beobachten. Man sieht häufig in derselben Hütte die Weiber sich an den Haaren herumzerren und mit Feuerbränden das Fell vergerben, Männer mit Hauern sich oft gefährliche Wunden schlagen, total Betrunkene auf dem Boden liegen, und Halbbetrunkene in ihren Hängematten ein Lied auf der Flöte herheulen.
Zu dieser Musik kommt noch das Geschrei der Betrunkenen (denn so stille und geräuschlos der Indianer im nüchternen Zustand ist, so lärmend und polternd macht ihn die Betrunkenheit), das Zetergeschrei der Kinder, das Gekreisch der Papagayen, das Gekläff der Hunde, die aus einem Winkel in den andern flüchten, und das Gewinsel der Affen. Da jedes männliche Individuum, das die Reise mitmachte, seine Waaren selbst vertauscht und nichts gemeinschaftlich hat, so traktirt nun auch jeder seine Freunde insbesondere, so dass der Vorrath von Dram, sey er auch noch so gross, in wenigen Tagen getrunken ist.