Im Rausche vorgekommene Injurien und Schlägereien werden, wenn sie auch von noch so arger Art waren, nachher nicht mehr beachtet und bleiben vergessen auf die einfache Entschuldigung hin: Ich war betrunken; damit ist allem Processiren ein Ende gemacht.
Ein anderes Vergnügen eigenthümlicher Art sind ihre Tänze, bei welchen man sie recht in ihrer Nationalität, unvermischt mit andern Sitten, beobachten kann. Diese Tanz- oder vielmehr Trinkbelustigungen werden theils von einzelnen Familien, die einen ziemlichen Vorrath an Cassave haben, oder vom ganzen Dorfe, wobei dann jede Familie das Ihrige beiträgt, veranstaltet. Ist der Tag, an welchem ein Tapanafest begangen werden soll, bestimmt, so wird durch die Weiber eine hinlängliche Menge Maniokwurzeln vom Acker geholt. Diese werden nun auf Brettchen, welche Simari heissen, und in welche spitzige, harte Steinchen dicht nebeneinander eingeschlagen sind, so dass sie die Stelle der Reibeisen vertreten, zerrieben[ [1].
Der hierdurch entstandene Brei wird in einem Madappi ausgepresst, und das nun von seinem giftigen Safte befreite Mehl etwa zollhoch auf grossen, runden, eisernen Platten, unter welchen ein Feuer brennt, ausgebreitet[ [2]. Das noch etwas feuchte Mehl klebt durch die Hitze zusammen und es entsteht ein Kuchen, welcher umgedreht wird, wenn er auf der einen Seite gebacken ist. Zum gewöhnlichen Gebrauch werden diese Kuchen bei mässigem Feuer gebacken, um das Anbrennen zu verhüten; zum Tapanatranke aber werden sie absichtlich der Hitze so lange ausgesetzt, bis sie auf beiden Seiten verbrannt sind.
Der Saft der Maniokwurzel, der, wie ich schon früher bemerkte, giftig ist, wird etwa auf die Hälfte eingekocht und dadurch unschädlich gemacht. Man vermischt diese Brühe mit den schwarzgebrannten Broden und lässt das Ganze ein bis zwei Tage lang gähren. Inzwischen haben nun die Männer in die beste und grösste Hütte des Dorfes eine sauber gewaschene Corjaal gebracht, und sie mit Wasser angefüllt, damit in ihr das köstliche Getränk gebraut werden kann.
Es wird nun eine Menge Cassavebrod an Gross und Klein im Dorfe vertheilt, und Alt und Jung ist damit beschäftigt, dasselbe zu kauen und in Kalabassen auszuspucken, welche sie zu diesem Zweck bei sich haben. Sind diese voll, so wird das appetitliche Mus in die Corjaal geleert, und von Neuem mit dem Kauen fortgefahren, bis die ausgegebene Quantität zweimal die Kinnladen des Volkes in Bewegung gesetzt hat, um als Trank noch zweimal dieselben zu passiren.
Ist Alles fertig, so wird die Corjaal mit Palmblättern dicht verschlossen, um so schnell als möglich die Gährung zu bewirken.
So eckelhaft auch diese Zubereitung ist, so angenehm und erfrischend schmeckt der fertige Trank, der beinahe den Geschmack von saurer Rührmilch hat, sich aber nicht lange hält, und in grosser Menge genossen ebenso trunken macht, wie das Bier.
Am Morgen des Trinktages sind die Männer meistens mit der Ausbesserung der Wege, welche zu ihrem Dorfe führen, oder mit der Verrichtung sonstiger gemeinnütziger Arbeiten beschäftigt. Gegen Mittag beginnt das Fest.
Jedes hat sich hiezu nach seinem Geschmack und Vermögen herausgeputzt. Die Männer sind, wie ich oben bemerkte, mit Rocou und Tapuriba bemalt und haben ihre längsten und besten Camisen umhängen. Bogen und Pfeile, sowie eine viereckige Keule aus hartem Holze, Abadou genannt, dürfen dabei nicht fehlen. Hiezu kommen noch Colliers von Pakir-, Affen- oder Kaimanszähnen, Federkronen in allen möglichen Farben und eine Unzahl Glasperlen.
Die Weiber und besonders die jungen Mädchen haben sich prächtig herausgeputzt. Ihre Lippen stecken voll Nadeln, die kohlschwarzen Haare sind sorgfältig gekämmt und anstatt der Pommade mit Capatöl beschmiert. Rothe Flecken und Streifen geben den Gesichtern etwas tigerähnliches, und der durch Tapouriba schwarzgefärbte Leib sticht grell gegen die feuerfarbenen, mit Rocu gewichsten Waden ab. Dabei sind sie mit Glaskorallen von allen Grössen und Farben behangen, und nicht selten zieren sie ihren Hals mit Ketten, worin sich alle Arten Silbergeld eingefädelt finden. Ich habe an einer solchen über 100 Franken gezählt.