An den Seiten der Hütte sind lange, plump aus Cedernholz geschnitzte Bänke angebracht, deren Ende Krokodil- oder Tigerköpfe vorstellen. Auf diesen Bänken nehmen nun die Familienhäupter Platz, und die Weiber kredenzen den köstlichen Trank in Kalabassen oder irdenen Schüsseln. Mehrere Weiber und Mädchen umfassen sich mit den Armen und bilden einen Halbkreis um den, welchem sie den Trank bringen. Nach einem jämmerlichen Gesang biegen sie taktmässig die Kniee und den Oberleib, ohne übrigens von der Stelle zu kommen, und singen nun in einem wehklagenden Ton einige Dutzend Male denselben Vers. Hat der damit Beehrte getrunken, so kommt die Reihe an einen andern. Grosse Trommeln, mit Hirsch- oder Pakirfellen überzogen, hängen an langen Schnüren von der Decke herab, und werden von jungen Männern nach dem Takte ihrer Lieder, welche ganz dieselbe Melodie, wie die der Weiber haben, geschlagen. Auch sie bewegen sich auf dieselbe Weise, ohne vom Platze zu kommen.
Es ist unglaublich, welche Menge dieses Trankes bei einer solchen Tanzparthie getrunken wird. Sowohl das damit angefüllte Boot, als auch die Töpfe sind des Abends gewöhnlich ausgetrunken. Sind bei einem solchen Gelage hundert Personen, die Kinder mitgerechnet, anwesend, so bin ich überzeugt, dass mehr als zehn Fässer, je 320 Flaschen enthaltend, verbraucht werden.
Hat der Indianer so viel getrunken, dass er die von den Weibern dargebotene Schüssel nicht mehr leeren kann, so erbricht er sich, um aufs Neue trinken zu können. Dieses Vomiren geschieht nicht heimlich; es gehört gewissermasen zum Feste selbst; denn er erhebt sich nicht einmal von seinem Sitze. Der Boden des Tanzhauses gleicht alsdann einer Pfütze, in welcher man bis um die Knöchel im Tapana herumwatet.
Ausser den angeführten Tänzen sah ich bei dieser Gelegenheit einen andern, welchen zwei Männer ausführen. Jeder hat ein aus Thon gemachtes, rothbemaltes Blasinstrument, das zwei aufeinandergesetzten Trichtern gleicht und auf beiden Seiten eine kleine Oeffnung hat, in welche hineingeblasen wird. Unter den sonderbarsten Wendungen und Verdrehungen des Körpers, indem sie sich bald entfernen, bald nähern, auf den Bauch legen, oder auf allen Vieren herumlaufen, endigt sich diese Scene nach etwa einer Viertelstunde unter dem Gelächter der Uebrigen.
Des Nachts ist zwar das Fest beendigt, aber am andern Morgen thut man sich mit dem Ueberrest gütlich, wenn ein solcher noch vorhanden ist.
Einen andern Tanz sah ich mehrere Jahre nachher.
Der Piaiman Thomas war auf einer Reise nach den Pflanzungen plötzlich gestorben, und seine Wittwe gab zur Erinnerung ein Jahr nach seinem Tode eine Tanzparthie.
Ich sah wohl im Hause derselben Cassave backen, Tapana und Casiri zubereiten, aber weitere Vorbereitungen fanden nicht statt. Der Tag wurde wie gewöhnlich beschlossen; einer nach dem andern legte sich in die Hängematte, und man sah nirgends das mindeste Zeichen einer Festlichkeit.
In der grössten Hütte des Dorfes hingen die Hängematten der ledigen Personen in die Kreuz und Quere, und nur beim Schein des Feuers, das unter jeder brannte, konnte man sich zurechtfinden.
Auf einmal hörte ich aus einer Ecke der Hütte ein jämmerliches Geheul und Wehklagen. Ich lief dahin und fand die Wittwe, welche wie eine Schildwache unbeweglich stand und in der Hand Bogen und Pfeile, sowie einen alten Strohhut ihres verstorbenen Mannes hatte. Mit einem Feuerbrand beleuchtete ich sie auf allen Seiten, was sie aber keineswegs irre machte; denn sie heulte ihren wehklagenden Gesang unter beständigem Schluchzen und einer Fluth von Thränen.