Die Indianer erklärten mir den Inhalt ihrer Worte so: Es ist nicht gut, dass du uns verlassen hast, dein Knabe ist noch zu jung, um für mich zu jagen und Fische zu fangen u. s. w.[ [3].
Nachdem dieses Geheul beinahe eine halbe Stunde ohne Unterbrechung gedauert hatte, trat eine kleine Pause ein, und in einer andern, ebenso dunkeln Ecke erschien ein anderes altes Weib, das ein so jammervolles Geheul anhub, als wäre der Verstorbene ihr Mann oder nächster Anverwandter gewesen. Nachdem dieses Geheul ebenso lang, wie das der noch unbeweglich in ihrem Winkel stehenden Wittwe gedauert hatte, heulten beide miteinander wie Schlosshunde, so dass ich es beinahe nicht mehr in der Hütte aushalten konnte. Da übrigens jedes Ding sein Ende hat, so war endlich auch der Thränenquell beider Weiber gänzlich versiegt, und man schritt zu einem neuen ganz besondern Tanze, zu welchem sich nach und nach mehrere Weiber und Kinder eingefunden hatten. Alle bildeten einen Kreis, wobei sie sich um den Hals schlangen; ein Lied wurde wieder auf ihre eigenthümliche Weise angestimmt, die Kniee und der Oberleib hin- und hergebogen, und endlich rasch hintereinander der Kreis umlaufen. Es herrschte hiebei eine tolle Fröhlichkeit, und auch die Worte schienen nichts Trauriges zu enthalten, obgleich ich den Sinn derselben nicht verstand.
Meiner selbst wurde in diesem Gesange mehrere Male gedacht; auch schloss ich mich dem Kreise an und tanzte zur allgemeinen Belustigung mit. Während des Tanzes, welcher beinahe bis zum Morgen währte, machte man Gebrauch von den bereiteten Getränken.
In den Lebensmitteln vegetabilischer und animalischer Art, welche Gewässer und Wälder liefern, sind die Caraiben nicht sehr wählerisch, indem sie beinahe Alles, nur wenige Thiere ausgenommen, essen. Schlangen und grosse Seeschildkröten sind zwar von ihrer Tafel verbannt; dagegen werden aber wieder Pipa-Kröten, Laubfrösche, Wespenlarven, Ameisenweibchen, die Larven verschiedener Rüsselkäfer, sowie die Käfer, welche die Blumen der Wasserlilie zerfressen, und alle Arten Eier mit grossem Appetit verspeist.
Feinschmecker sind die Indianer eben nicht, und wenn sie auch gewisse Gerichte vorziehen, so ist es ihnen ziemlich gleichgültig, ob z. B. das Fleisch halb oder ganz gar, versalzen oder ohne Salz gekocht ist. Wenn es nur den Magen füllt und mit den Zähnen zerrissen werden kann. Zu ihren vorzüglichen Delicatessen gehört besonders der Leguan. Ich habe mich oft darüber gewundert, wie sie dieses Thier auf den dichtbelaubtesten Bäumen entdeckten und mich häufig geärgert, wenn sie meiner Bitten und Drohungen ungeachtet Jagd auf dieses harmlose Thier machten, und dadurch die Reise verzögerten, ungeachtet Fleisch und Fisch in Ueberfluss im Boote war.
Eine andere Leckerei sind Haifische, die an seichten Stellen der See geschossen werden, und kleine Kaimans, welche entweder am Ufer der Flüsse und Kreeken liegen, oder die Schnauze aus dem Wasser strecken. Die Indianer bedienen sich beim Fischfang nie der Netze, sondern immer der Angeln; auch schiessen sie die Fische, oder betäuben dieselbe mit dem Stinkholz, Nekko.
Kleine Fische werden auf gewöhnliche Weise mit Angelruthen gefangen; grosse Fische aber mit Wurfleinen, etwa 100' langen, aus Bromelienflachs geflochtenen, starken Schnüren, an deren Ende ein Stück Blei ist, und nahe bei demselben drei bis vier kürzere Schnüre sind, an welchen die Angeln sitzen.
Das Tau wird vom Boote oder Lande ausgeworfen, und das andere Ende so lange in der Hand behalten, bis man merkt, dass ein Fisch angebissen hat. Eine andere Art von Angeln sind die Springangeln, bei welchen ein starker, elastischer Stock im Wasser befestigt wird, an welchem ein langes Tau mit der Angel hängt. Dieser Stock wird nach unten gespannt und durch ein klammerförmiges Hölzchen, das in der Mitte des Taues sitzt, in dieser Spannung erhalten. Schnappt der Fisch nach der Angel, so springt die Klammer los und der Stock schnellt in seine natürliche Lage zurück; zugleich zieht er den Fisch halb aus dem Wasser. Oft findet daher der Fischer blos die Köpfe, weil auf das Gezappel des Fisches die Kaimans und besonders die gefrässigen Pirais herbeikommen, und so viel abbeissen, als sie bekommen können. Die Art und Weise, wie der Fischfang mit Maschoas betrieben wird, habe ich schon früher beschrieben, den mit Stinkholz aber sah ich zuerst an der Marowyne. Die Indianer gebrauchen dreierlei mir bekannte Pflanzen, durch deren Saft die Fische betäubt werden.
Die erste und gewöhnliche ist eine, im Hochwald wachsende, manchmal schenkeldicke Liane, welche zum Geschlechte der Papilionaceen (Lonchocarpus) gehört. Die zweite ist eine Syanthere, der Conamistrauch, der um die Häuser gepflanzt wird, und dessen Blätter und Blüthen zu einem Brei gestampft werden. Die dritte ist das Bäumchen Gunapalu, eine Euphorbiacee mit herzförmig zugespitzten Blättern, die wahrscheinlich mit den Jatrophas verwandt ist. Auch diese wird um die Häuser gepflanzt, und ich bin nicht gewiss, ob sie hier einheimisch ist. Die sehr milchigen Blätter und Zweige werden ebenfalls zerstampft, und wie die der Conami mit dem Wasser vermischt.
Zur Zeit der Fluth, die sich in der untern Marowyne 8-10' erhebt, ziehen die Flussfische in die Buchten und Kreeken, wo sie, bis die Ebbe eintritt, ihrer Nahrung nachgehen, die theils in Baumfrüchten, welche ins Wasser gefallen sind, theils in Würmern und andern Fischen besteht.