Will man nun mit Stinkholz, oder den zwei andern betäubenden Pflanzen fischen, so wird, sobald die Fluth ihre grösste Höhe erreicht hat, eine geschickte Kreek abgeschlossen, so dass den Fischen der Rückweg in den Strom abgeschnitten ist. Diess geschieht mit einem sogenannten Paarl, der aus etwa 8' hohen Stäben aus Palmblattstielen besteht, welche mit Lianen so an einander befestigt sind, dass zwischen jedem Stab eine Oeffnung von etwa 1" Breite gebildet wird und eine Art spanischer Wand entsteht, durch welche das Wasser ungehindert ablaufen kann.
Ist nun das Wasser bedeutend gefallen, so begeben sich einige Männer mit grossen Stücken Stinkholz, das man zuvor durch Schlagen mit harten Stücken Holz zerfetzt und locker gemacht hat, an das obere Ende der Kreek, wo man durch beständiges Reiben und Schlagen im Wasser alle giftigen Theile der Pflanze demselben mittheilt.
Nach wenigen Minuten bemerkt man bereits die Wirkungen an den Wasserbewohnern. Kleine Fischchen schwimmen auf dem Bauche herum, Krabben und Krebse suchen ans Land zu flüchten und wackeln wie besoffen hin und her und es schnellt bald da, bald dort ein Fisch aus dem Wasser oder streckt die Schnauze hervor.
Die ganze Mannschaft ist längs der Kreek vertheilt und schiesst mit Pfeilen auf die auftauchenden. Weiber und Kinder waten im Schlamm umher, um die berauschten Fische herauszuziehen. Alles, was Leben hat, stirbt in dem vergifteten Wasser und wird eine Beute der Indianer. Diese sagen, dass in einer solchen Kreek lange nicht mehr gefischt werden könne, weil sich der giftige Geruch den im Wasser liegenden Baumstämmen und selbst dem Schlamme mittheile, auch nur langsam wieder verliere.
Beim Fischen mit Conami und Gunapalu wird der Brei mit dem Wasser vermischt und hat ganz denselben Erfolg. Das Fischen auf diese Weise heisst man Ponsen; es ist jedenfalls sehr schädlich, weil auch eine Menge Laich und Brut dadurch zu Grunde geht.
Beim Beginn der Regenzeit, wenn die Buschfische aus den Strömen und grösseren Kreeken in kleinere Bäche und Sümpfe ziehen, dämmt man diese gewöhnlich mit Paarls und Pinablättern ab.
Die dadurch in ihrem Lauf aufgehaltenen Fische suchen über das Hinderniss wegzuspringen und fallen dabei in eine, zu diesem Zweck dahinter gelegte Corjaal. Wenn die Fische recht im Zug sind, kann man des Morgens Hunderte derselben in der Corjaal finden.
Ist der Fischfang so ergiebig, dass man auf mehrere Tage Vorrath hat, so werden die Fische gebarbakot (geräuchert). Man nimmt dabei bloss die Eingeweide heraus und legt sie ungesalzen auf eine Art Rost, der aus Stöcken gemacht ist. Unter demselben unterhält man so lange Feuer, bis die Fische gebraten und getrocknet sind. Ebendesswegen halten sie sich auch bloss einige Tage und wimmeln häufig von Würmern, die aber dem Indianer seinen Appetit nicht benehmen. In der Regenzeit (Mai, Juni) legen die rothen Ibise, hier fälschlich Flamingos genannt, sowie andere reiherartige Vögel ihre Eier in die Gebüsche am niederen Seestrande und brüten.
Eier und junge Vögel werden von den Indianern besonders geschätzt, und sie scheuen daher die Reise nach den Legeplätzen nicht.
Zwei grosse Corjaalen meiner Nachbarn kamen eines Tages an den Posten, um auf eine solche Eierexpedition auszugehen. Man gelobte mir, nachdem ich die Mannschaft mit Branntwein erquickt hatte, auch einen Korb voll Eier mitzubringen.