Vier Tage später kam der Kommandant von Armina an, um seine Liebste abzuholen. Diese hatte unter Anderem ein ungeheures Fass ordinären Blättertabaks, von dem das Pfund 16-20 Cents kostet, mitgebracht, und das Detachement konnte es für Geld in Rauch verwandeln. Leider hatte sie auch Verschiedenes in Paramaribo gekauft, das durch den reichlichen Strandsegen entbehrlich geworden war und desswegen dem Kommandanten manchen Seufzer auspresste.
Das Fass Tabak, so erzählte die Haushälterin, wäge über 700 Pfd. und wenn sie das Pfund zu 1 fl. 50 kr. verkaufe, so geschehe diess mehr den Soldaten zu lieb, als des Nutzens wegen.
Kommandant, Doctor und Haushälterin segelten mit gutem Winde nach Armina und ich hatte gottlob wieder längere Zeit vor derlei Besuchen Ruhe.
Der Schooner hatte den Rest der geretteten Güter eingeladen und es blieb also nichts mehr übrig, als das Wrack, das sich bei der Fluth mit Wasser füllte und in dem Haie, Lumpen und andere Raubfische die verfaulten Kartoffel-, Zwiebel- und Käsereste durchschnoberten.
Jetzt war die Legezeit der grossen Seeschildkröten, die Nachts längs des sandigen Seestrandes ihre schwerfälligen Promenaden ausführten und an dem erhöhten Ufer, das über dem höchsten Wasserspiegel der Fluth lag, ihre Eier verscharrten.
Meist beim Mondlicht und in der Zeit des ersten und letzten Viertels kriechen diese schwerfälligen Thiere herauf, wühlen im Sand einen Platz von manchmal 200□' um, graben dabei die dicksten Wurzeln und Gesträuche aus, bis sie eine günstige Stelle gefunden haben.
Mit den Hinterfüssen wird sodann ein beinahe 2' tiefes und 8" weites Loch gegraben, und in dieses etwa 100-200 runde, mit einer pergamentartigen Haut überzogene Eier von der Grösse einer kleinen Billardkugel gelegt. Das Loch wird mit Sand ausgefüllt und das Thier geht in die See zurück. Die Spur der Füsse und des Schwanzes, welche durch das Auf- und Abkriechen entsteht, ist tief im Sande eingegraben und wellenförmig.
Ueberrascht man eine Schildkröte beim Legen, so schnaubt und bläst sie, setzt aber ihr Geschäft ruhig fort, es sey denn, dass man versucht, sie auf den Rücken zu legen, in welchem Falle sie dann wüthend um sich schlägt. Ein kräftiger Mann kann bei einiger Erfahrung leicht eine auf den Rücken werfen, obschon sie manchmal gegen 500 Pfund schwer sind. Umgedreht schlagen sie mit allen Vieren auf den Brustschild und wären wohl im Stande, den Unvorsichtigen schwer zu verletzen. Man bindet ihnen sodann die Vorderfüsse fest und ladet sie in die Corjaal.
Sie haben ein sehr zähes Leben und die Indianer, welche sie häufig zum Verkauf nach den Pflanzungen bringen, lassen sie manchmal 14 Tage auf dem Rücken liegen; es darf aber alsdann keine Sonne auf sie scheinen. Wenn schon Herz und Eingeweide herausgenommen sind, so zappeln sie noch stundenlang und das Schlachten derselben ist ein blutiges Gemetzel.
Gewöhnlich haben sie ausser den gelegten Eiern noch ganze Kübel voll Dotter bei sich und viele sind so fett, dass man aus einer 2-3 Gallons Oel ausschmelzen kann. Das Fett ist bekanntlich grün und das Fleisch liefert die berühmten Schildkrötensuppen, die man in London und andern Seeplätzen so theuer bezahlt. In Surinam ist es nicht geachtet und ich finde ebenfalls nichts Leckeres daran; denn es ist grob und faserig und das Fett hat einen eigenthümlichen, thranigen Geruch. Nur die Eier sind gut zu gebrauchen und sie waren während der Legezeit eine Hauptspeise auf unserem Küchenzettel. Das Weisse dieser Eier, das nie hart wird, wirft man weg.