Die grosse Regenzeit war angebrochen und obgleich an der See die Regengüsse bedeutend schwächer sind, als im Innern des Landes, so war sie doch für uns desswegen höchst unangenehm, weil in den gewöhnlich stillen Nächten die Mosquittos in ungeheurer Menge alle lebenden Geschöpfe plagten. Wir schleppten den Tag über grosse Stücke Holz, welche die See anspülte, zusammen, und machten des Abends davon ein grosses Feuer, zu dem manchmal mehrere Klafter verbraucht wurden. Um dieses lagerten wir uns so, dass der Rauch uns bestrich, und meine Ziegen, welche sehr wohl merkten, was gegen die Mosquittosstiche schütze, drängten sich so dicht als möglich an uns an. Man unterhielt sich bei diesem Wachtfeuer mit Soldatengeschichten, die wohl überall über denselben Leist geschlagen sind. Wenn das Feuer erlosch und man zu schlafen versuchte, so ging's ans Fluchen und Lamentiren. Jedes Mittel wurde versucht; ja einige gruben sich förmlich in den Sand ein und liessen nur eine kleine Oeffnung zum Athemholen, bloss um einige Stunden Ruhe zu geniessen.

War das Wetter hell, so liefen wir stundenweit längs des Seestrandes hin und trieben unsere Spässe mit den Seeschildkröten. Manchmal sassen wir zu dreien auf eine, welche dennoch mit uns in die See lief. Fanden wir eine in der Nähe des Postens, so schlachteten wir sie zuweilen; mit weiter entfernten aber gaben wir uns keine weitere Mühe.

Eines Abends sass ich in meiner Kammer; auf einmal hörte ich ein starkes Klopfen an meiner Schwelle. Da auf meinen Ruf Niemand antwortete, so öffnete ich die Thüre und fand eine grosse Seeschildkröte, welche damit beschäftigt war, unter die Schwelle ein Nest zu graben. Ich wälzte sie auf den Rücken und wir schlachteten sie am andern Morgen.

Kamen wir von unsern nächtlichen Promenaden nach Hause, so war man so matt und müde, als hätten wir drei Tage lang nicht geschlafen. Der ganze Körper war auf einem solchen Marsche in fortwährender Bewegung, und man war gleichsam in einer Atmosphäre von Mosquittos, wo man immerwährend zu klopfen und zu wehren hatte. An Ruhen oder Sitzen war nicht zu denken, und wenn wir einen Augenblick ruhen wollten, so liefen wir gewöhnlich in die See und streckten bloss den Kopf aus dem Wasser. Kam nun der Morgen, so beeilte sich jeder, nach dem Frühstück die entbehrte Nachtruhe in der Hängematte nachzuholen. Wir konnten aber weder bei Nacht noch bei Tag ruhig schlafen; denn sobald es warm wurde, fand sich eine ganz besondere Art dreieckiger Fliegen oder Bremsen ein, die in den übrigen Kolonien nicht zu finden waren, und durch ihre Stiche die Schlafenden auf eine solche unbarmherzige Weise weckten, dass diese oft den Posten und sich vor Zorn in den Abgrund der Hölle wünschten.

Gegen das Ende des April kam unser Kommandant abermals, um die Lebensmittel fürs zweite Quartal, welche alle Tage erwartet wurden, in Empfang zu nehmen.

Fast zu gleicher Zeit kam aus Paramaribo ein Fischerboot mit vier Weissen, welche bei der Auction, wobei die vom Schiffe abgeholten Güter verkauft wurden, das Wrack um 100 fl. erstanden hatten. Sie kamen in Begleitung von vier Negern, mit deren Hülfe sie Alles abbrechen und nach der Stadt zum Verkauf bringen wollten. Sie hofften am Schiffsinventarium noch eine gute Beute zu machen, fanden sich aber in ihren Erwartungen getäuscht.

Vierzehn Tage waren sie unterwegs gewesen, hatten durch Sturm und Regen viel gelitten und kamen, von Allem entblösst, bei uns an.

Sie gingen nun mit Eifer ans Werk, untersuchten das Wrack und arbeiteten in den Zeiten der Ebbe, um Alles, was an Kupfer, Blei u. s. w. noch von einigem Werth war, auf den Posten zu bringen. Ihr Eifer erkaltete aber schon nach einigen Tagen; denn ausserdem, dass der Regen sie an ihrer Arbeit hinderte, sah man sie beinahe alle Tage betrunken und unter sich in Streit und Schlägereien gerathen.

Des Nachts liessen ihnen die Mosquittos keine Ruhe, ihre Neger waren abwechslungsweise krank; Bananen und Reis, was sie vom Kommandanten erhalten hatten, war bald genug aufgezehrt und unsere kargen Rationen mit diesen acht Menschen noch zu theilen, war nicht möglich. Der Lieutenant beschloss desshalb, von Armina, wohin das Boot zurückgekehrt war, noch einige Dutzend Boschen Bananen kommen zu lassen. Weil ich nun wünschte, den Strom, welchen ich noch nie befahren hatte, zu sehen, so ging ich mit meiner Corjaal, zwei Negern und einem Indianer, welchen ich auf eigene Kosten mitnahm, dahin ab. Vorher aber rieth mir der Kommandant, seiner Liebsten einige Dutzend Fläschchen Pomade und Riechwasser, welche er mit seinen Luchsaugen in meiner Kiste entdeckt hatte, als Geschenk mitzunehmen, obgleich sie weit über die Jahre hinaus war, in welchen diese Toilettmittel mit Erfolg angewendet werden.

Mit einem Segel auf meiner leichten Corjaal, fuhr ich am zweiten Mai mit gutem Winde ab und bald hatten wir die erste Inselgruppe, welche aus fünf mit Hochwald und niedrigem Gesträuch bewachsenen Inseln besteht, erreicht, und landeten am ersten Arowackendorf auf holländischer Seite, das Woman Contry (Weiberdorf) genannt wurde.