Das Oberhaupt war eine alte Frau, Saantje, welche mich, nachdem ich ihr eine Flasche Genever, den sie sehr liebte, gegeben hatte, mit Cosiri, Cassave und Ananassen beschenkte.
Auf der andern Seite des Stromes lag ein Caraibendorf, dessen Oberhaupt ebenfalls eine Frau war, welche Anna hiess.
Der Fluss, welcher oberhalb der ersten Insel sich auf die Hälfte seiner früheren Breite vermindert und bloss noch eine halbe Stunde breit ist, bildet beinahe ohne jede Krümmung eine acht Stunden lange Bucht, in welcher eine Menge Inseln liegen und deren südliches Ende sich wieder ganz in Wasser zu verlieren scheint.
Ein hoher Hügelzug ist aus der Ferne sichtbar; die beiderseitigen Ufer sind mit den schönsten Bäumen geziert, deren verschiedene Blüthen gegen das dunkle Grün der mannigfaltig geformten Blätter wunderschön abstechen. Besonders fällt die herrliche Caracalla, caraibische Knopojorogorli (Naranthea guianensis) mit ihren scharlachrothen, 1-2' langen, ährenförmigen Blüthen ins Auge. In gleicher Farbe glänzen die Blüthentrosse des Manibaumes (Symphonia coccinea), aus welchem die Indianer ein pechartiges Harz zu gewinnen wissen.
Auf beiden Seiten sieht man mehrere Indianerdörfer; der Boden, auf dem sie gebaut sind, ist meistens eine rothe, eisenhaltige Erde.
Wir übernachteten in einem dieser Dörfer, dessen Oberhaupt, Jan, sich längere Zeit in Cayenne aufgehalten hatte und desswegen gebildeter als die andern war.
Das immerwährende Klaffen der Hunde, denen ich fremd war und der Schall der Trommeln, durch welchen der böse Geist Jorka sollte verscheucht werden, liessen mich beinahe zu keinem Schlaf kommen. Man behauptet irgendwo, die südamerikanischen Hunde bellen nicht. Ich habe davon zur Genüge das Gegentheil erfahren; denn auf Buschneger- und Indianerdörfern sind die Hunde bei der Ankunft eines Fremden nicht zum Schweigen zu bringen. In der Frühe verliessen wir unser Nachtquartier und fuhren bis nach Kibido-County, einem Karaibendorfe, das auf der Südspitze einer langen Insel liegt. Hier kochten wir während eines heftigen Regens unser Mittagessen. Da die Fluth auf dem durch häufige Regengüsse angeschwollenen Strome nicht mehr wirkte, so miethete ich noch einen jungen Indianer.
Eine kleine Stunde weiter aufwärts liegt das letzte Caraibendorf. Hier trafen wir eine Menge Buschneger, die von Armina gekommen waren und nach Paramaribo gingen, und da ich ärgerliche Scenen befürchtete, so wollte ich ungeachtet der Bitten meiner Neger und Indianer hier nicht übernachten, wiewohl sie mich versicherten, dass in der Nähe kein Kamp mehr wäre und wir desshalb im freien Walde übernachten müssten. Da ich dergleichen Ausreden und Ausflüchte zu schätzen wusste, so liess ich mich nicht beschwatzen und sie fuhren mit Widerwillen weiter.
Das Ufer beider Seiten erhebt sich steil und bildet kleine Berge, welche sich ununterbrochen bis Armina hinziehen.
Der Abend brach an und das Geschrei der Papageyen, die meistens auf den Strominseln schlafen und, wenn es zuvor geregnet hat, ein wahrhaft höllisches Concert aufführen, war verstummt. Grosse Fledermäuse und Nachtschwalben umflatterten uns, und in der Dämmerung konnte man nur noch schwach die Umrisse einer kleinen Insel unterscheiden, auf welcher Hütten stehen sollten und der wir nun voll Hoffnung zusteuerten.