Wir erreichten bei Dunkel die Mündung der Siparawini, welche von Osten her in die Marowyne sich ergiesst und es kostete die angestrengtesten Kräfte von uns Allen, die reissende Strömung dieser Kreek zu überwinden und ihr südliches Ufer zu erreichen. Gerade vor dieser Mündung lag die kleine Insel, auf welcher wir zu schlafen gedachten; aber zu unserem grössten Verdruss fanden wir Alles unter Wasser stehend und bloss die Dächer ragten daraus hervor.

Jetzt war guter Rath theuer und ich bereute nun, nicht im letzten Dorfe geblieben zu seyn; denn eine Nacht, und wäre es auch die schönste, so enggepresst in einer kleinen Corjaal sitzen zu müssen, die bei der geringsten Bewegung rechts und links umzuschlagen droht, ist höchst mühsam und beschwerlich. Die Nacht war wirklich herrlich, der Himmel voll funkelnder Sterne und kein Lüftchen bewegte die Oberfläche des Wassers.

In dem dunkeln Wald sah man die grossen Leuchtkäfer, die sich im Innern des Landes aufhalten und in ihrem rothen und grünen Lichte wie Irrlichter herumschwärmen. Man hörte bloss das Gepfeife der Cicaden und zuweilen den melancholischen, einer Tonleiter ähnlichen Gesang einer Nachtschwalbe.

Die Neger sangen aus Verdruss, und der ältere Indianer, welcher in dieser Gegend nicht bekannt war und bei den Buschnegern unterwegs zu viel getrunken hatte, fluchte in allen Sprachen. Der jüngere war total betrunken und schlief.

Wegen der vielen Klippen, welche sich am Ufer des Stromes befinden, waren wir genöthigt, in der Mitte desselben zu fahren; auch hatten wir alle Hoffnung, noch unter Dach zu kommen, aufgegeben. Endlich hatte der Kleine seinen Rausch ausgeschlafen; er betrachtete die Ufer, zu deren Erkennung ein Paar Eulenaugen nöthig waren, und versicherte uns, dass nicht weit von hier auf der holländischen Seite ein paar Hütten oder Kampen sich befänden. Wir pagaiten munter darauf los und sahen bald durchs Gesträuch den Schein von Feuer blinken. Der Kleine blies, worauf wir sogleich durch geblasene Antwort erfuhren, dass zufälligerweise Indianer, welche nach Armina wollten, ihr Nachtquartier hier aufgeschlagen haben.

Bald erreichten wir die Hütten, nachdem wir vorher wohl hundert Schritte hatten durch den überschwemmten Wald fahren müssen. Ich war jetzt von Herzen froh, traktirte reichlich mit Schnaps, wofür der beste Platz einer Hängematte mir eingeräumt wurde.

So schliefen wir herrlich; mehrere aber wurden von Fledermäusen gebissen.

Des Morgens fuhren wir nun in Gesellschaft zusammen, immer das holländische Ufer entlang, und hatten wegen der reissenden Strömung eine langsame und beschwerliche Fahrt. Das Wetter war trübe. Gegen 10 Uhr erreichten wir die Ecke, welche der Strom dadurch bildet, dass sein südwestlicher Lauf plötzlich ein nordwestlicher wird.

Die grosse Bucht, an welcher der Posten liegt, lag vor uns. Die zahllosen Klippen, Bänke und Inseln, welche dieselbe ausfüllen, waren alle überschwemmt und während die vielen Cascaden und Fälle in der Trockenzeit ein betäubendes Getöse verursachen, hörte man nun nichts, als das sachte Murmeln des mit reissender Schnelligkeit dahinströmenden Wassers.

Etwas unterhalb ist der Landungsplatz der für den Posten bestimmten Güter und ein breiter Weg führt in einer halben Stunde nach Armina. In der Trockenzeit, wenn die Klippen bloss liegen und Cascaden und Wasserfälle die Fahrt nach Armina hemmen, wird Alles hier ausgeladen und dann weiter gerollt oder getragen. Jetzt war selbst der Weg überschwemmt und wir fuhren bis zum Posten, den wir gegen Mittag erreichten.