Die Haushälterin empfing mich und meine Riechfläschchen sehr artig und ich fand bei ihr einen kleinen Laden eingerichtet, in dem gar manche Gegenstände zur Schau stunden, die man mir oder den Soldaten auf dem Posten abgeschwatzt hatte.
Von allen Soldaten, die übrigens an jedem Kommandanten, und wäre es unser Herrgott selbst, etwas auszusetzen haben, hörte ich klagen über den hier herrschenden Handelsgeist; die den Soldaten unnöthigsten Dinge und Leckereien, die allemal noch vom Strandsegen übrig waren, wurden auf Krämerweise angepriesen. So wurden getrocknete Zwetschgen und Aepfel für den Fall einer Krankheit für 2 fl. die Flasche den Soldaten angeschwatzt, die natürlich der Käufer in einer halben Stunde mit dem besten Appetit aufass. Ja man verkaufte selbst Nachtgeschirre, ein Luxusartikel, den mancher erst bei dieser Gelegenheit gebrauchen lernte.
Man muss sich freilich wundern über den Leichtsinn der Soldaten, die für solche unnöthige Bagatellen ihren Sold ausgeben, den der Kommandant jeden Monat für seine gelieferten Waaren einstrich, während mancher im Besitze eines Nachttopfes war, oder seinen Sold für holländische Leckereien oder kölnisches Wasser, das einige nur desswegen kauften, um es als Schnaps zu trinken, missen musste, und dabei beinahe keine Hosen hatte, um auf die Wache zu ziehen.
Das ganze Detachement stand freilich auf einer sehr niederen moralischen Bildungsstufe, und die Behandlungsweise des Kommandanten war nicht geeignet, dieselbe zu heben.
Arbeit, auf welche der frühere Kommandant, das Gegentheil vom jetzigen, so sehr gesehen hatte, wobei der Soldat Feldfrüchte aller Art im Ueberfluss baute, seinen Sold sparen und seine Kiste mit Kleider füllen konnte, war ganz aus der Mode gekommen; denn man konnte ja Alles bei dem Kommandanten oder der Haushälterin kaufen. War nun ein leichtsinniger Kerl dem Kommandanten seinen Sold von drei und vier Monaten voraus schuldig, so wollte man natürlich nicht mehr borgen. Gleichwohl befürchtete man unangenehme Raisonnements und schickte desswegen solche zur Gesundheit nach meinem Posten, wo sie zerlumpt ankamen und bei ihrer kärglichen Ration Noth gelitten haben würden, wenn ich ihnen nicht hätte Gelegenheit bieten können, sie für Rechnung von Mana (davon später) etwas verdienen zu lassen.
Wegen der grossen Menge Vampyrs war man genöthigt, die ganze Nacht Licht in der Kaserne brennen zu lassen. Die Kerzen hiezu, welche das Gouvernement zum Dienste der Wachen liefert, verkaufte man dem Detachement, das gemeinschaftlich diese Auslage bestritt, um von dem Ungeziefer nicht gebissen zu werden. Daher war es kein Wunder, dass ein kleiner Aufruhr ausbrach, der den Kommandanten nöthigte, vier der ärgsten zu Lande nach dem Posten Gouverneurslust abzuschicken, wo sie vom Flügelkommandanten bestraft wurden. Ich besuchte, da sich das Wetter etwas aufheiterte, den grossen Mamabum und fuhr des andern Tages um 9 Uhr mit einigen Boschen Bananen von Armina ab.
Mit reissender Schnelligkeit ging die Fahrt stromabwärts. Da das Wetter hell war, so sah ich im Süden die Gebirge, welche am Tapanahoni liegen und wie ein blauer Dunst über die Wälder hervorragten.
Nachts 9 Uhr kam ich, ganz durchnässt von heftigen Regengüssen, wieder auf meinem Posten an.
Den 6. Mai kam der Schooner mit den erwünschten Lebensmitteln und der Kommandant reiste, nachdem er diese in Empfang genommen hatte, wieder nach Armina zurück.
Die vier Eigenthümer des Wracks luden alles Eisen, Kupfer, Tauwerk u. s. w., was noch von einigem Werthe für sie war, auf den Schooner und fuhren mit demselben nach Paramaribo ab. Mir boten sie das entmastete Wrack zum Kaufe an und gleichsam zum Spass wurden wir um 8 fl. handelseinig.