Ausser der schwarzen Bevölkerung befanden sich hier mehrere weisse Handwerker, ein Doctor, einige Intendanten, zwei Priester und etwa eilf Nonnen. Letztere mussten verschiedene Geschäfte verrichten; einige waren in der Kirche, andere im Hospital angestellt. Einige gaben den Kindern Unterricht, während andere im Garten, in der Bäckerei oder Zuckermühle die Aufsicht führten.

Das Kloster selbst hat bedeutende Aecker, die mit Zucker, Caffee, Bananen u. s. w. bepflanzt sind und von den Negern unter Aufsicht der Damen bearbeitet werden. Ein grosses Magazin, das mit Allem, was die Bevölkerung betraf, reichlich versehen ist, zieht so zu sagen Alles an sich, was die Neger verdienen und scheint der Congregation mehr abzuwerfen, als das ganze Etablissement dem französischen Ministerium. Die Nonnen sind meist bejahrte Damen und geborne Französinnen. Wiewohl sie in einer kirchlichen Uniform stecken, denken sie doch tolerant und ich zweifle, ob man etwaige Sünderinnen einmauern würde.

Ein Militär-Posten lag früher auf Mana, wurde aber eingezogen, weil Nonnen und Soldaten nicht gut harmoniren konnten.

Das Etablissement liegt am linken Ufer des Flusses auf einer sandigen Fläche, die bis an die Marowyne sich ausdehnt und grosse Sümpfe enthält, die selbst in den grossen Trockenzeiten schwer zu passiren sind. Die Häuser sind von Holz, und die Zwischenräume der Balken werden mit einem in Latten gespaltenen und sehr biegsamen Holze (bois golette) verflochten, sodann mit Lehm beworfen, auf welchen Kalk aufgetragen wird. Die Dächer sind wie in Surinam mit Schindeln bedeckt. So zweckmässig diese Bauart auch ist, so stehen doch die Häuser auf Mana den unsrigen an Zierlichkeit und Bequemlichkeit bei weitem nach. Ein grosser Hauptfehler, den man einem so gebildeten Volke gar nicht verzeihen kann, ist der Mangel an Abtritten. Man geht ganz ungenirt ins Freie, legt ab, was man nicht mehr tragen will, ob Leute in der Nähe sind oder nicht. Man denke sich nun die Verlegenheit eines Fremden, der in einer so ungraziösen Sitzung von einer Klosterfrau überrascht wird und doch aus Höflichkeit »bon jour ma soeur« sagen und mit der Hand die Mütze ziehen muss! Selbst in Cayenne herrscht dieser Mangel; doch hat man da eigene Kübel in der Küche, dem passendsten Orte, den man in einem so heissen Klima hiezu auswählen kann! Auch das Innere der Häuser ist sehr einfach und lässt sich mit dem der unsrigen nicht vergleichen. Die Küche ist überall excellent und da man isst, was der liebe Gott für die Flinte schickt und die lächerlichen Vorurtheile Surinams nicht kennt, so fehlt es beinahe nie an frischem Fleisch. Affenfricassées und Faulthiercarminaden werden von Jedem gegessen und sind wirklich excellente Speisen. Die Mahlzeiten werden um 10 und 4 Uhr gehalten; Wein und Brod darf dabei nicht fehlen.

So wie die gesammte Bevölkerung Surinams beinahe ausschliesslich von Bananen lebt und diese jeder andern Kost vorzieht, so ist hier das Mehl des Maniok, Qouak oder Tapioca genannt, das Hauptnahrungsmittel. Die Bereitung dieser nährenden und sehr zweckmässigen Speise, die viele Aehnlichkeit mit Sago hat, ist sehr einfach. Die Wurzel wird zerrieben und ausgepresst, die noch etwas feuchte Masse zerbröckelt und durch ein Menari oder Sieb auf eine kesselartig eingemauerte, heisse eiserne Platte gestreut, unter welcher Feuer unterhalten wird. Dieses Mehl wird nun einige Male umgerührt, um nicht festzubacken, und weggenommen, wenn es sich bräunt; dann wird anderes an seine Stelle gethan. Um den Qouak zu essen, wird er mit Fischbrühe oder andern Saucen befeuchtet, wodurch er wie das Cassavebrod anquillt.

Ein Schooner, der ebenfalls den Schwestern gehört, bringt die Erzeugnisse Manas monatlich nach Cayenne und holt dort alle anderen Lebensmittel und Bedürfnisse ins Magazin.

Die von mir mitgebrachten Sachen hatte ich gegen Hemde und Hosen, die wir alle sehr nöthig hatten, vertauscht.

Ein paar Backsteine und Ziegel, deren das Wrack noch 70,000 inne hatte, zeigte ich zur Probe der Aebtissin, in der Hoffnung sie werde mir das Wrack abkaufen. Hiezu schien sie auch nicht abgeneigt zu seyn; denn sie versprach mir, einen Sachkundigen zu schicken, der untersuchen solle, ob sich die Ziegel ausladen und transportiren liessen.

Abends 5 Uhr fuhr ich wieder ab. Das Wetter war trübe und kein Lüftchen kräuselte die Oberfläche des Flusses, dessen Mündung wir schon mit dem Dunkel erreichten. Der junge Indianer, den ich bei mir hatte, war eingeschlafen und sein Vater steuerte. Es war so finster, dass wir das Land nicht sahen, besonders auch, weil wir wegen der Bank weit von demselben entfernt bleiben mussten. Erst am Sandgrund, über den wir fuhren, erkannten wir, dass wir nahe an der Marowyne wären. Die Soldaten, welche mich zurückerwarteten, hatten als Leuchte für mich ein grosses Feuer unterhalten, das wie ein Stern über den breiten Strom schimmerte und uns die Richtung zeigte. Wir konnten desshalb nicht irren und langten wohlbehalten zu Hause an.

Gleich den andern Tag setzten wir unsere Arbeit am Wrack fort und glücklicherweise gelang es uns, die Poort (eine Art Thüre von 3' Breite und Höhe, wodurch man Holz und andere lange Stücke einladet und die, wenn das Schiff geladen ist, sorgfältig verschlossen und verstopft wird) zu öffnen und so mit der Corjaal ins Schiff selbst hineinfahren zu können.