Alles, was uns im Wege lag, wurde auf diesem Wege hinausgeschafft. Die Rudera von unzähligen Kisten und Erdäpfelkörben, nebst leeren Fässern bedeckten bald die umliegenden Sandbänke und wurden mit der Fluth in die Nähe unseres Postens gespült, wo sie uns zur Unterhaltung von Wachtfeuern dienten.

Wenige Tage nach meiner Zurückkunft von Mana kamen zwei Franzosen mit vier Negern an, um im Auftrag der Aebtissin das Wrack zu besehen. Wir fuhren zusammen dahin. Es war gerade sehr niedere Ebbe, daher die Zeit geschickt, den Schlamm im Schiff zu durchsuchen. Einer der Soldaten, der ein geschickter Taucher war, hatte ein schweres Fässchen entdeckt, das wir mit Mühe aus dem Schlamm hervorholten. Es war ein werthvoller Fund; denn es enthielt Nägel, die besonders auf Mana sehr gesucht waren. Unter dem ersten lag ein zweites, und nach und nach brachten wir deren 17 ans Tageslicht, von denen jedes 50 Pfund wog. Da wir nur einen kleinen Theil der gefundenen Fässchen mitnehmen konnten, so legten wir die übrigen auf den höchsten Theil des Wracks, die Cajütskappe, welche selbst bei einer Springfluth nicht ganz unter Wasser gesetzt wurde.

Mittags reisten die Franzosen wieder nach Mana zurück, nachdem sie mich versichert hatten, dass die Aebtissin mir das Wrack abkaufen werde. Diess war in der That auch für sie höchst vortheilhaft; denn bei eifriger Arbeit konnte man noch viele Bretter und Balken abbrechen und Steine und Kalk waren bei niederer Ebbe ganz leicht zu bekommen. Weil nun überdiess um diese Jahreszeit wenig Wind wehte, so war auch Alles leicht nach Mana zu transportiren. Alles dieses sah die Aebtissin eben so gut ein, als ich, und es währte desshalb auch keine zwei Tage, bis das Boot von Mana wieder zurückkam. Mit diesem kamen der Neffe der Aebtissin und der Intendant des Etablissements, um den Kauf mit mir abzuschliessen. Wir kamen dahin überein, dass ich um die Summe von 500 Frcs. das Wrack an die Congregation überliess, dass aber Alles, was ich bis jetzt abgeholt hatte, nicht im Kaufe eingeschlossen sey, sondern noch besonders bezahlt werden müsse. Einer der Herren, welche früher das Wrack untersucht hatten, blieb nun bei mir, um die Arbeiten der Neger und den Transport zu beaufsichtigen.

Ich hatte nun wieder mit einem verständigen Manne zu thun, der mir um so angenehmer war, als ich mich im Französischen tüchtig üben konnte. Hr. M., so hiess mein Gast, war ein Mann von 40 Jahren, sehr lebhaften Temperaments und kein Weinverächter. Er war verheirathet, seine Familie blieb aber auf Mana zurück. Es fand jetzt eine ununterbrochene Verbindung mit diesem Platze statt.

Einige Neger waren beständig damit beschäftigt, bei der Ebbe die Backsteine und Kalkfässer aus dem untern Raume aufs Verdeck zu bringen, während grössere Boote sie nach Mana brachten. Alles, was von Metall am Wrack war, wurde abgebrochen und sammt den noch brauchbaren Balken und Brettern mitgenommen.

Da man bloss periodisch arbeiten konnte, so hatten die Leute viel freie Zeit und ich fand an Hrn. M. einen angenehmen Gesellschafter. Leider aber wurde ihm seine Arbeit durch viele unangenehme Nachrichten aus Mana entleidet. Die Aebtissin, welcher die Arbeiten zu lange dauern mochten, machte ihm Vorwürfe darüber, und Zeichen von Misstrauen, die sie verschiedene Male gegeben hatte, erregten seinen Unwillen aufs Höchste. Er beschloss desshalb, selbst nach Mana zu gehen, um sich persönlich zu vertheidigen. Da ich weder Lieutenant noch Schooner zu erwarten hatte, so entschloss ich mich, ihn dahin zu begleiten, und wir fuhren den 20. Juni, an einem Sonntag, dahin ab.

Im Canot sass ausser ihm und mir noch ein Soldat meines Postens und ein Neger.

Ermüdet und von der Sonne verbrannt, kamen wir Abends nach 6 Uhr auf Mana an.

Die Aebtissin spazierte mit zwei Nonnen am Flusse auf und ab, und kam, als sie unser Boot bemerkte, an den Landungsplatz, um uns zu bewillkommen. Kaum aber hatte Hr. M. sie erblickt, als er, ohne ihren freundlichen Gruss zu erwidern, seinen Pagaal aus dem Canot nahm und ihr denselben vor die Füsse warf mit den Worten: Sehen sie nun selbst, ob etwas von dem Wracke Gestohlenes darin ist. Die Dame, dadurch höchst indignirt, fasste sich augenblicklich über diesen unerwarteten und brutalen Gegengruss und sagte: Wenn Sie, Hr. M., auch meinen Rang nicht achten, so wären Sie doch meinem Alter mehr Höflichkeit schuldig. So sprechend, grüsste sie mich freundlich, und setzte dann ihren Spaziergang fort.

Es that mir leid, Zeuge dieser Scene gewesen zu seyn, da ich eine traurige Figur dabei spielte. Später erfuhr ich, dass dergleichen Complimente auf Mana gar nichts Seltenes wären. M., der im Dienste der Aebtissin stand, verständigte sich am andern Morgen wieder mit ihr.