Während er nun seine Geschäfte besorgte und die Aebtissin in der Frühmesse war, ging ich ausserhalb des Dorfes in den Ländereien des Klosters umher. Man hatte hier früher Rockou oder Orlean (bixa orelana) bereitet und eine vierfache Allee dieser Bäume zog sich längs der Kartoffelfelder hin. Sie standen eben in voller Pracht da, mit Blüthen und Früchten bedeckt. Etwa 10' hoch, gleichen sie vollkommen den Aprikosenbäumen. Ihre purpurrothen, mit weichen Stacheln bedeckten Früchte und ihre grossen, weissen Blumen nehmen sich wunderschön aus.

Im französischen Guyana bestehen noch viele Rockou-Pflanzungen und da die Bereitung dieser Farbe einfach ist und wenige Maschinen und Manipulationen dabei nöthig sind, so wäre es auch für unsere Colonie ein Culturzweig, wobei kleinere Effecte besonders gut stehen würden.

Zucker und Caffee wird hier ebenfalls gepflanzt. Ersteres Produkt wird auf einer kleinen, durch Maulesel getriebenen Mühle gemahlen und aus dem Schaume Tafia (Zuckerbranntwein) destillirt.

Für die Caffeebäume scheint hier das rechte Land zu seyn, denn obwohl sie ganz ohne Schatten waren und bei weitem nicht so gut angepflanzt schienen, wie bei uns, brachen sie beinahe unter der Last ihrer Früchte. Der Reis ist, wiewohl nicht so schön weiss, wie der unsrige, viel billiger und von nahrhafterer Sorte.

Der Vormittag ging unter Besuchen und Einkäufen schnell vorbei und wir verliessen gegen Mittag Mana wieder.

Von M. hatte ich einen hübschen Affen zum Geschenke erhalten und die Aebtissin gab mir etwa zwanzig Ananas mit. Ueberdiess war die Corjaal mit allerlei Waaren, als Hemden, Wein, Seife u. s. w. beladen. Da wir auf Wind hofften, hatte ich meine Hängematte an einen kleinen Mast befestigt und so gerüstet fuhren wir ab. Es blieb aber die Luft zu unserem Leidwesen todtstille und die See war spiegelglatt. Durch Pagaien kamen wir jedoch bald an die Mündung der Marowyne. Das Wetter war trübe und schwarze Wolken hingen drohend im Osten. M. meinte, es wäre besser, mit der Ueberfahrt so lange zu warten, bis das Ungewitter vorüber sey; aber da diess lange zu dauern schien, so bestand ich auf alsbaldiger Abfahrt. Ein leichtes Windchen schien uns sehr zu Statten zu kommen; die Hängematte wurde desswegen gut befestigt und wir fuhren ab.

Rasch ging es vorwärts, während das Windchen bald zu einem Sturm anwuchs. Grosse Wellen erhoben sich und pfeilschnell flog die Corjaal über den Strom hin. Leider war aber der Mast zu schwach, um die Gewalt des Sturmes auszuhalten. Er brach und im Nu überschütteten uns die Wellen, so dass das leichte Fahrzeug sich umkehrte und wir mit allem Schwereren sanken.

Da ich nicht schwimmen konnte, so hatte ich den gewissen Tod vor Augen; denn an Rettung vom Posten aus war bei diesem stürmischen Wetter nicht zu denken. Statt aber, wie es sich in diesem kritischen Augenblick geziemt hätte, auf mein geistiges Wohl bedacht zu seyn, erinnerte ich mich meines zu Hause gelassenen Geldes, das etwa 200 fl. betragen mochte und ärgerte mich darüber, welche Freude meine Soldaten bezeugen würden, wenn sie meinen Tod vernähmen und sich in das Geld theilten. Solche Gedanken, in der Todesgefahr gehegt, waren ein Beweis dafür, dass ich noch nicht für den Himmel reif sey und glücklicherweise warf mich auch eine Welle wieder an die Corjaal, die, ihres Inhalts entledigt, wegen ihrer grossen Leichtigkeit nicht gesunken war. Ich klammerte mich daran fest und fand die Andern, welche sich bereits beim Sinken an ihr festgehalten hatten.

Wir wurden von den Wellen schrecklich hin- und hergeworfen; doch glückte es uns, die Corjaal umzukehren und über die Wölbung derselben hinüber zu liegen. Jetzt hatten wir das Aergste überstanden und ich dachte nun auch wieder an meine, von Mana mitgebrachten Waaren, von welchen der grösste Theil um uns herumschwamm. In dieser Inspektion wurde ich durch einen Schreckensruf M's. unterbrochen, der uns auf einen grossen Hai aufmerksam machte, welcher in einiger Entfernung die Ananas auffrass. Er hätte sehr leicht auch an uns kommen können, wurde aber zum Glück durch die immerwährende Bewegung unserer Füsse verscheucht. Auch M's. kleinem Hunde, der gleich uns herumschwamm und gerade einen Bissen für ihn ausgemacht hätte, widerfuhr kein Leid.

Wir hatten etwa eine halbe Stunde in dieser Lage zugebracht und waren durch die immerwährende Anstrengung, uns flott zu erhalten, todtmüde geworden, als wir das grosse Boot von Mana auf uns zukommen sahen. Es war eine Stunde nach uns von Mana abgefahren und gerade an der andern Seite angekommen, als der Wind unser leichtes Fahrzeug umgekehrt hatte. In Folge des schnellen Verschwindens unseres Segels ahnten die Neger unser Unglück. Bald sassen wir gerettet im Boote und auch der grösste Theil der noch herumschwimmenden Gegenstände wurde aufgefischt. Der erlittene Schaden war nicht sehr bedeutend und nur der Affe, welcher an die Corjaal angebunden war, ertrank.