Während unserer Ueberfahrt hatte mein Aufwärter einen enormen Pfannenkuchen von Schildkröteneiern auf das Feuer gethan, um uns bei unserer Ankunft sogleich regaliren zu können. Da man aber unsern Schiffbruch bemerkte, vergass man, die Pfanne vom Feuer zu nehmen und dieses Meisterstück verbrannte zu Kohlen.

Alle halfen mir nun beim Trocknen und da unser Schaden sonst nicht bedeutend war, so waren am Abend durch Wein und Genever wieder alle Gemüther in eine fröhliche Stimmung versetzt.

Kleine Streitigkeiten, welche Hr. M. theils wegen der Arbeiten am Wrack, theils wegen Familiensachen mit der Aebtissin hatte, wurden zwar stets wieder beigelegt, machten ihn aber gleichgültig gegen das ihm aufgetragene Geschäft.

Wenige Tage nach unserer gefährlichen Zurückreise von Mana hätte ich beinahe durch eigene Schuld mein Leben verlieren können. Es erstreckten sich nämlich vom Posten aus grosse, hohe Sandbänke tief in die See hinein. Diese sind vom Posten selbst durch ein etwa 150 Schritte breites, bei niederer Ebbe leicht zu durchwatendes Fahrwasser geschieden. Auf diesen Bänken fand man bei niederem Wasser in Menge eine essbare Muschel, die unterm Sand steckt und deren Daseyn man an zwei kleinen Löchern im Sande bemerkt. Auf diese Sandbänke ging ich eines Morgens bei sehr niederem Wasserstande, um Muscheln zu suchen. Ich fand deren eine solche Menge, dass ich, um sie mitnehmen zu können, meine Hosen auszog, diese unten zuband und dann damit anfüllte. Ganz in mein vortheilhaftes Geschäft vertieft, war ich beinahe eine Viertelstunde vom Posten entfernt, als ich die Fluth bemerkte, die in der Springzeit sehr schnell heraufkommt. Eilig lief ich nun mit meinen Muscheln dem Posten zu, aber das Wasser war schon zu angewachsen, um es durchwaten zu können. So befand ich mich denn in einer verzweifelten Lage auf der Bank, denn auf dem Posten war kein Boot und ich konnte nicht schwimmen. Das Wasser stieg immer höher und es ging mir auf der Bank bereits um die Hüften, als ein Indianer, der in der Nähe des Postens angelte, meine Noth bemerkte. Er rollte ein grosses angeschwemmtes Stück Holz ins Wasser und schwamm mit demselben auf mich zu. Es war die höchste Zeit, denn ich konnte weder vor- noch rückwärts. Ich legte meinen Muschelsack auf das Stück Holz, klammerte mich an dieses an und der Indianer schwamm mit der ganzen Ladung dem Posten zu. So war ich denn wieder um eine Erfahrung reicher. An einem schönen Sonntagsmorgen fuhr ich mit Hrn. M. nach der andern Seite der Marowyne, um auf ein an einer grossen Kreek, die wir die Seekuhkreek nannten, gelegenes Indianerdorf zu kommen. Diese Kreek, bloss eine Stunde von der See entfernt, hat an ihren Ufern hohes, bergiges Land, und soll, wie man mir sagte, in einem grossen Sumpfe ihren Ursprung nehmen.

Das Indianerdorf, etwa eine Viertelstunde von der Mündung der Kreek in die Marowyne gelegen, bestand bloss aus zwei Hütten und lag auf einem etwa 50' hohen Sandhügel, an dessen Fusse eine Quelle ihr reines, süsses Wasser mit dem faulen, trüben Kreekwasser vermischte. Eine ungemein üppige Vegetation ziert die Abhänge des Hügels; Maripa- und Cumu-Palmen mit grossen Heliconien wachsen an den Seiten, während in den feuchten Niederungen grosse Baumfarren und verschiedene Schlingpflanzen ein undurchdringliches Dickicht bilden. Die Ufer der Kreek sind an beiden Seiten mit einer stachlichten Papilionacee, hier Brandi Macca genannt, bewachsen, deren Blätter und junge Zweige sehr gerne von dem Manati gefressen werden. Diese Thiere halten sich desshalb sehr häufig in der Kreek auf, und werden manchmal von den Indianern harpunirt. Das Gesträuch selbst ist so dicht verworren und mit Dornen besetzt, dass beinahe keine Möglichkeit vorhanden ist, sich da durchzuhauen.

Wir fuhren in Begleitung eines Indianers, den wir vom Dorfe mitnahmen, weiter.

Nach einer etwa halbstündigen Fahrt theilte sich die Kreek in mehrere Arme, und weiter aufwärts in eine Menge kleinerer Kreeken, die manchmal kleine Inselchen bildeten, so dass es schwer war, in diesem Labyrinth sich zurecht zu finden.

Die ganze Umgegend hatte hier ein desolates Aeussere und schien sich jedem weitern Vordringen zu widersetzen. Die Seiten der Kreeken waren weit landeinwärts mit der obenerwähnten, stachlichten Papilionacee besetzt, aus denen eine Unzahl ganz mit Stacheln bedeckter Palmen hervorwuchs.

Nach einer etwa dreistündigen Fahrt weigerte sich der Indianer, weiter zu fahren, da, wie er sich ausdrückte, ein böser Geist hier haushalte. Wir kehrten desshalb zurück.

Bei der Mündung der Kreek fanden wir den Strom durch heftigen Wind aufgeregt, und nur unter mühsamem, unausgesetztem Pagaien erreichten wir die andere Seite.