Bei unserer Ankunft Abends 5 Uhr bemerkten wir durch das Fernrohr in der Nähe der Mündung des Amanabo ein Fahrzeug; wegen der grossen Entfernung waren nur die Spitzen der Masten sichtbar. Wir hielten es für das erwartete Boot, das nach der Messe Mana musste verlassen haben. Da M. seine Frau mit demselben erwartete, so zündeten wir Abends ein grosses Wachtfeuer an. Es kam aber nichts. Auch Montag Morgens war noch nichts zu sehen, und wir glaubten uns getäuscht zu haben. M. ging an seine Arbeit auf dem Wracke, nachdem wir zuvor verabredet hatten, dass, wenn je das Boot noch käme, ich die Flagge aufziehen wollte.

Gegen Mittag kamen etwa zwölf Indianer vom Nachbardorfe bei mir an und setzten sich wie gewöhnlich auf Stühle und Kisten, ohne ein Wort zu sprechen. Nachdem ich ihre Zungen erst durch einen Schnaps gelöst hatte, fragte mich einer im gleichgültigsten Tone, ob ich schon wisse, dass das Boot von Mana gestern Abend in Folge des Sturms umgeschlagen sey und alle Neger ertrunken wären? Wir waren, so ergänzte er seine Hiobspost, an der andern Seite mit dem Krabbenfang beschäftigt, und sahen das Boot aus dem Amanabo kommen, und ehe es die Mündung der Marowyne erreichte, umschlagen. Ja, ja, sie sind alle ersoffen, wiederholten die Uebrigen, um die Aussage ihres Kameraden zu bekräftigen.

Wie bestürzt ich bei dieser Nachricht war, kann man sich kaum denken; denn die acht Neger, welche gewöhnlich mit dem Boote kamen, waren brave Kerls und Familienväter, und es konnte dazu noch M's. Frau, welche er erwartete, dabei seyn. Ein hartes Stück Arbeit war nun, ihm diese Nachricht mitzutheilen und das Gejammer dieses leidenschaftlichen Mannes anzuhören. Ich zog eiligst die Flagge verkehrt auf, und kurze Zeit darauf kam M. an. Er zeigte sich, wie ich erwartet hatte, ganz trostlos, und wir brachten den Rest des Tages mit Seufzen und Stöhnen zu.

Noch ehe der Tag anbrach, verliess M. mit einigen Indianern den Posten, um nach Mana zurückzukehren und dort die fatale Nachricht bekannt zu machen, nachdem er mich noch dringend gebeten hatte, die Leichen dieser Unglücklichen zu begraben, wenn sie an den Strand getrieben würden. Ich versprach ihm dieses und ging, nachdem ich mein Frühstück getrunken hatte, wozu es mir nicht an Appetit fehlte, denn ein guter Schlaf hatte meine Traurigkeit sehr vermindert, und überdiess war mir die Sache zweifelhaft, mit zwei Indianern den Seestrand entlang. Wir waren wohl anderthalb Stunden fortgegangen, als wir in der Ferne eine Menge Aasgeyer um einen am Strande liegenden, schwarzen Körper versammelt sahen.

Bis jetzt hegte ich noch immer die Hoffnung, die Indianer hätten sich getäuscht; nun aber schien das Unglück sich gewiss ereignet zu haben, und nicht lüstern nach dem traurigen Anblick, schickte ich die Indianer voraus, während ich ihnen langsam folgte. Kaum waren sie bei dem todten Körper angekommen, so erhoben sie ein Freudengeschrei: Tamanoa, Tamanoa! denn wirklich war es die Leiche eines, wenigstens 8' langen Ameisenfressers (Tamanoa) (Myrmecophaga jubata), der beim Schwimmen über den breiten Strom seinen Tod gefunden hatte, und da angeschwemmt worden war. Die Indianer beraubten ihn seiner Krallen, während die Aasgeyer in der Nähe ruhig warteten, bis wir unsere Reise fortsetzten. Wir fanden auf dem weitern Wege ebenfalls nicht die geringste Spur, und kehrten Abends mit einigen geschossenen Vögeln nach Hause zurück.

Des andern Tages kamen die Indianer, welche M. nach Mana gebracht hatten, mit der frohen Nachricht zurück, dass das gesehene Fahrzeug die von Cayenne zurückkehrende Goelette des Klosters gewesen sey, und dass desshalb das Boot gar nicht von Mana abgegangen wäre. M. blieb aber auf Mana.

Nun war ich wieder bei meinen Soldaten und Indianern allein. Die Hauptbeschäftigung war, wie immer, Essen und Trinken, und die grösste Sorge, wie man sich vor den Mosquittos schützen könne. Des Morgens ging einer von uns den Seestrand entlang, um Schildkröteneier zum Frühstück zu holen. Bereits stand der Topf auf dem Feuer, und man bestimmte für den Mann eine Anzahl, die auch den Hungrigsten sättigen konnte. Man ass sie gekocht mit Salz, Citronensaft und spanischem Pfeffer zum Caffee, wozu meine Ziegen die Milch lieferten. Am Mittage paradirten auf der Tafel Fische, oder Schildkrötenfleisch, oder irgend ein Wild, das die Indianer brachten. Schildkrötenpfannenkuchen mit Caffee beschlossen den täglichen Küchenzettel. Ich hatte jedoch immer Leckereien von Mana, und auch noch vom Schiffe war das eine oder andere für magere Zeiten aufbewahrt. Nach der Mittagsmahlzeit legte sich jeder schlafen, um neue Kraft auf den Abend gegen die Anfälle der Mosquittos zu sammeln.

Ausser dieser Plage, die ohne Zweifel die grösste der Tropenländer ist, gibt es noch andere, die ebenfalls viel zu schaffen machen.

Von den Sandflöhen oder Siccas habe ich schon früher gesprochen. Auch hier fanden sie sich in grosser Menge; doch ist Reinlichkeit das beste Mittel gegen sie[ [4].

Eine andere Plage, und eigentlich den Schmerzen nach die grösste, sind die Mosquittenwürmer. Sie sind vermuthlich Larven einer grossen Fliege. Ich hatte deren einmal fünf in meiner Haut. Man erkennt sie an kleinen, rothen Punkten, die sich auf der Haut zeigen, und besonders wenn das Insekt sich bewegt, an entsetzlichen Schmerzen. Allmählig wie das Thier wächst, wird die Geschwulst grösser; es zeigt sich eine kleine Oeffnung, durch welche das Thier Athem holt, das man nur durch starkes Zusammenpressen der Haut heraustreiben kann. Manchmal aber nisten sie sich an Stellen ein, wo man diess nicht thun kann, z. B. auf dem Kopfe, und erreichen dann wohl ¾" Länge und die Dicke einer starken Federspule. Durch stundenlanges Anrauchen mit Tabak bringt man sie ebenfalls heraus. Die Thiere werden am meisten von ihnen geplagt: Kühe, Ziegen, Rehe, Hunde, Tiger u. s. w. haben sie manchmal bei Dutzenden in der Haut sitzen, und junge Vögel, besonders Cassicus, die doch in langen, wohlverschlossenen Nestern sitzen, sterben manchmal an dieser Plage.