Während der Trockenzeit, wenn der Seewind wehte, waren wir von der grössten Plage, den Mosquittos, ein wenig befreit; dann aber galt es, sich vor den Fledermäusen in Acht zu nehmen. Beinahe jede Nacht wurde der eine oder andere gebissen, und manchmal so stark, als hätte man zur Ader gelassen. Sie wählen meistens die Zehen, nur selten die Finger oder das Gesicht. Die Wunden, welche sie machen, sind zwar klein, heilen aber langsam. Einer meiner Soldaten wurde acht Nächte hintereinander gebissen, und war durch den Blutverlust so geschwächt, dass er beinahe nicht mehr gehen konnte. Ich hatte ihm schon manchmal angerathen, Strümpfe aus alter Leinwand zusammenzuflicken und seine Füsse damit zu bedecken, aber aus Faulheit hatte er es stets unterlassen. Da ich ihm aber mit Arrest unter dem Flaggenstock drohte, wenn er wieder gebissen würde, so nähte er sich solche Strümpfe zusammen, und war von nun an nicht mehr von den Fledermäusen geplagt. Auf Plätzen, die von blutsaugenden Fledermäusen häufig besucht werden, ist es schwierig, Rindvieh, Pferde, Hühner u. s. w. zu halten. Die Thiere magern ab und gehen bald zu Grunde. Ich habe alle Hühner, die nicht im Hühnerhause schliefen, auf diese Weise verloren, während meine Enten und einige zahme Poweesen nie davon gebissen wurden. Es ist übrigens nicht blos eine Art, sondern verschiedene grosse und kleine beissen, sie thun aber diess blos zeitenweise.

Die kleinste, doch gefährlichste Plage waren die Schlangen, die man im Palmdach der Kaserne, in Kisten und Fässern, oder im Hühnerstalle fand. Meist waren es giftige, was um so mehr zu verwundern ist, da man sonst überall vielmehr unschädliche und nur selten eine giftige sieht.

Ich schoss auf dem Posten mit einem Pfeile eine Klapperschlange, die bei einer Länge von 5' armsdick war, 28 Junge im Leib, und eine Klapper mit 12 Ringen hatte.

Die Verbindung mit Mana war seit M's. Abreise nicht mehr so lebhaft; doch kam noch jede Woche ein Boot, um so viel als möglich vom Wrack abzuholen. Die Aebtissin hatte mich ersucht, Kalk, Steine und Ziegel durch die Soldaten ausladen und ans Land bringen zu lassen, wofür jedem per Tag 1 Franc bezahlt wurde. So hatten wir nun wieder vollauf Arbeit, und die Soldaten konnten sich Kleider und Weisszeug kaufen, obgleich sie von ihrem Solde, den der Kommandant für verkaufte Waaren einsteckte, keinen Cent bekamen.

Mit meinen rothen Nachbarn lebte ich in fortdauernder Freundschaft, und wir besuchten einander gegenseitig beinahe alle Tage. Eines Tages kam Thomas, der Piaiman oder Doctor, welcher als ein falscher, streitsüchtiger Mann bekannt war, und schon zwei Weiber ermordet hatte, zu mir. Auch wir bekamen Streit, wobei ich ihn von meinem Rechte dadurch überzeugte, dass ich ihn mit einer Maulschelle beehrte, und zur Thüre hinauswarf. Er ging wider Erwarten geduldig nach Hause, und ich mit drei Soldaten nach dem Wrack, um Ziegelsteine und dergleichen abzuholen.

Als ich Abends zurückkam, fand ich die Thüre meines Magazins aufgebrochen, und statt des Hängeschlosses mit einem alten Lappen zugebunden. Aus einer offenstehenden Kiste waren zwei Flaschen Genever genommen worden. Sogleich hielt ich Untersuchung in der Kaserne, und fand einen der zwei zurückgebliebenen Soldaten betrunken in seiner Hängematte liegen. Ohne weitere Untersuchung liess ich ihn unter den Flaggenstock tragen und schloss ihn in Ermanglung einer Arrestkammer an denselben an. Umsonst betheuerte er, als ihm am Abend die Mosquittos seinen Rausch vertrieben, seine Unschuld, denn ich war zu sehr vom Gegentheil überzeugt.

Am andern Morgen aber kam der Sohn des Oberhauptes zu mir, und erzählte, dass Thomas aus Rache über die ihm angethane Unbill mein Haus aufgebrochen, Genever gestohlen, und mir überdiess noch schreckliche Rache geschworen habe. Er habe sogar gedroht, mich mit Pfeilen todtschiessen zu wollen, wenn ich mich wieder im Dorfe sehen lasse.

Auf diese unerwartete Nachricht hin liess ich sogleich meinen Arrestanten los und vergütete ihm mit einem Schnapse, seine schlaflose Nacht. Ich nahm mir nun vor, die Sache nicht kalt werden zu lassen, sondern den Dieb trotz seiner Drohungen zu arretiren, um in Zukunft meinen Nachbarn Respect vor fremdem Eigenthum einzuflössen.

Um die Sache noch ernster und drohender zu machen, zogen wir, das Erstemal seit sechs Monaten, unsere Uniform an, und ich marschirte, nachdem wir den Bäcker als Besatzung zurückgelassen hatten, mit meinen vier Soldaten dem Dorfe zu. Unserem Anzug fehlte nichts, als Schuhe, sonst war unser Aufzug tadelfrei und rein militärisch. Wie erstaunt waren daher die Indianer ob unserer noch nie gesehenen Pracht, als sie uns durchs Dorf marschiren sahen.

Thomas, der Unrath witterte, griff sogleich nach Pfeil und Bogen und nahm den Abadu zur Hand. Während er von meinen vier Mann in seiner Hütte bewacht wurde, sprach ich mit dem Oberhaupte und drang auf Auslieferung des Diebes, der sich am Eigenthum des Gouvernements vergriffen hatte, und den ich, da eine solche Frevelthat eclatant bestraft werden müsse, nach Paramaribo senden wolle.