Das Oberhaupt bat mich, die Sache ruhen zu lassen, und versprach mir Vergütung des Gestohlenen; die übrigen Indianer nahmen sich gar nichts um die Sache an und der Piaiman kam endlich selbst, mich heulend um Verzeihung bittend; er ging auch geduldig mit mir und wurde zur Strafe eine halbe Stunde unter den Flaggenstock geschlossen, damit war die Sache abgemacht und wir tranken hierauf neue Freundschaft, die auch bis an seinen Tod im April 1844 währte. Meinen Genever bezahlte er mir mit zwei hübschen Pagaalen.
Schon früher hatte ich mit Hrn. M. abgemacht, gelegenheitlich das Leprosenetablissement des französischen Guyana's, welches nur etwa vier Stunden von Mana entfernt ist, zu besuchen. In der Mitte Augusts fuhr ich desshalb nach Mana und fand M. sogleich bereit, das Reischen mit mir zu unternehmen.
Wir verliessen gegen Mittag das Dorf in meinem kleinen Canot in Begleitung zweier Indianer. Eine kleine Viertelstunde von dem Dorfe entfernt fuhren wir am linken Ufer des Amanabo in die Accarouanykreek, an der das Etablissement liegt. Die hohen Ufer dieser Kreek, welche in grossen Krümmungen von Süden kommt, sind mit prächtigem Hochwalde geziert, worin die Neger von Mana grosse Cederstämme zu Brettern sägen.
Ausser der Leproserie ist sie aber nicht bewohnt. Ihr Ursprung scheint in einem grossen Moraste zu seyn, der ein wahres Chaos von Sumpfpflanzen, Palmen, riesenmässigen Arums bildet, und zwischen dem Amanabo und der Marowyne liegt. Wahrscheinlich entspringt in ihm auch die Seekuhkreek, und es liesse sich daher vielleicht mit wenigen Kosten ein Kanal bilden, durch welchen man aus der Marowyne in den Manabo gelangen könnte, ohne den manchmal so schwierigen Weg über die See machen zu müssen.
Ein durch den Wald gebahnter Weg, der eine grosse Krümmung der Kreek abschneidet, brachte uns in kurzer Zeit nach dem Etablissement, während die Indianer mit der Corjaal viel später ankamen.
Das Dorf der Unglücklichen liegt auf einem Hügel von etwa 80' Höhe, an dessen Fusse die Accarouanykreek eine grosse, hufeisenförmige Bucht bildet. Es besteht aus einigen Strassen, die sich winkelrecht durchschneiden, und durch welche Alleen von Mangos nach dem Abhang des Hügels hin sich ziehen. Diese Häuser sind wie die auf Mana gebaut; eine kleine Kapelle, welche durch eine geistliche Schwester bedient wird, steht am Rande des Berges. Man war gerade oben im Baue zweier Häuser begriffen, von welchen eines für den Director, das andere der Nonne bestimmt war. Einstweilen aber logirten beide friedlich zusammen in einem Gebäude unten an der Kreek. Dieses enthielt drei Zimmer, wovon die Eckzimmer vom Director und der Nonne bewohnt, und allein durch das Speisezimmer (Salon) geschieden waren. Beide empfingen uns sehr freundlich, und die Schwester bedauerte nur, dass man uns aus Mangel an Fischen zum Abendessen keine Pimentade (Fischsuppe) vorsetzen könne. Inzwischen war unsere Corjaal angekommen, und M. präsentirte einen Kaiman, den die Indianer geschossen hatten, und der wegen seiner Grösse uns die Fische reichlich ersetzen konnte. Ma soeur verwunderte sich keineswegs über dieses seltsame Wildprät, sondern übergab den Kaiman dem Kochneger, der die besten Stücke davon abschnitt, und den Rest den Indianern zurückgab.
Bald wurde das Souper aufgetischt, und wir assen von dem Kaiman mit dem grössten Appetit. Der Wein, welcher hiebei nicht gespart wurde, machte gesprächig; und die Nonne machte die Honneurs der Tafel auf recht liebenswürdige Weise. Nach dem Essen präsentirte sie auf Anis gesetzten Tafia, den ich jedoch, weil ich nie dergleichen trank, nicht annahm.
Mein Gläschen war übrigens schon eingeschenkt, und die Nonne trank, indem sie sich darüber verwunderte, dass ich als Soldat nicht trinke, das meinige nebst dem ihrigen aus.
Nachts 11 Uhr verliessen wir L'Accarouany, und kamen um 3 Uhr Morgens auf Mana an.
Als ich des Nachmittags auf meinem Posten ankam, traf ich blos zwei Soldaten zu Hause an. Es waren Indianer aus Paramaribo zurückgekehrt, und ihre Ankunft wurde auf dem Dorfe durch eine Trinkparthie gefeiert, bei der sich wahrscheinlich ungeladen auch meine drei Jäger eingefunden hatten. Sie waren dabei nicht so bescheiden, als ich den Abend zuvor auf L'Accarounay, und kamen nicht sehr nüchtern, und mit einem Kruge des stinkenden Lebenswassers auf dem Posten an. Zwei davon fielen glücklicherweise in meine Hände, und mussten Quartier unter dem Flaggenstock nehmen; der dritte aber lief mit dem Kruge in den Awarrawald und drohte, den Verräther, der auf seinem Posten geblieben und pflichtgetreu mir diess erzählt hatte, todtzuschiessen. Der arme Mann, der die Tücke seines Kameraden im betrunkenen Zustand kannte, sprach kein Wort, sondern brachte die Nacht in meinem Hühnerstall zu, wo ihn die oben sitzenden Hühner über und über marmorirten. Des andern Morgens kam der Weggelaufene, welcher des Nachts die unter dem Flaggenstock Sitzenden mit seinem Kruge gelabt hatte, ganz nüchtern zu mir, und bat um Entschuldigung seines Fehltritts, sowie um seinen Schnaps, der ihm von rechtswegen gebühre, da solcher ein probates Mittel gegen jegliche Art von Katzenjammer wäre.