Einige Zeit nachher kam durch die Wanekreek eine Corjaal mit einem Weissen und vier Negern, die vom Forte New-Amsterdam gesandt waren, uns andere Häuser zu bauen.

Des erbärmlichen Zustandes unserer Wohnungen habe ich gleich Anfangs gedacht, und auf die vielen Klagen und Bitten unseres Kommandanten hatte sich endlich der Major des Genie oder Bauwesens erweichen lassen. Der Weisse war ein Kanonier und liess sich Zimmermann nennen, verstand aber so wenig von der Sache, wie drei seiner Untergebenen, während der vierte einmal Handlanger bei einem Häuserbau gewesen seyn mochte und die schwierige Sache leitete.

Man brach nun mein Haus zuerst ab, was eigentlich ein starker Wind hätte thun können, und errichtete aus Brettern eine temporäre Hütte, welche ohne Fussboden 20' lang und 8' breit war, und deren Gipfel ich in der Mitte mit dem Kopfe berühren konnte. Die ganze Baracke hatte kein einziges Fenster und war mit Brettern bedeckt, die mit einer Presailing (getheertem Segeltuche) überhangen waren. Den Tag über herrschte eine Backofenhitze darin, weil ausser der Thüre keine andere Oeffnung angebracht war. Man arbeitete nun auf die gewöhnliche langsame Weise und hieb die nöthigen Balken in der Umgegend. Die Zimmerneger fuhren beinahe jede Nacht in die Mitte des Stromes, um den Mosquittos zu entfliehen und Fische zu angeln. Manchmal brachten sie über 100 Pfund verschiedene Fische, von denen sich besonders einer durch seine Farbe auszeichnete. Er gehört zum Geschlechte der Welse, ist goldgelb, schuppenlos, und manchmal 50-60 Pfund schwer. Aus dem Kopfe kocht man gute Suppen, und die Schwimmblase, die bei grossen wohl ein Pfund und darüber schwer wird, gibt einen vortrefflichen Leim. Wir nennen diesen Fisch Geelbakker, die Franzosen heissen ihn Majoran.

Ein anderer, etwas kleinerer Fisch, ebenfalls ein Wels, ist grau und ungemein fett; er heisst bei den Arowacken Lau Lau, bei den Caraiben Pasisi. Das Geschlecht der Welse ist im Süss- und Salzwasser vorherrschend, und die Anzahl der Schuppenfische, wiewohl an Individuen reicher, ist an Gattungen ärmer.

Anfangs Oktober war mein Haus fertig, kunstreich zusammengeflickt aus den noch brauchbaren alten und einigen neuen Balken, die man in der Umgegend gehauen hatte. Es war kleiner als das frühere, mit Palissaden beschlagen und mit Pinablättern gedeckt. Auch hatte es einen Fussboden, und wurde von mir, nachdem es mit einigen Flaschen Genever eingeweiht war, sogleich bezogen. Man fing nun an der Kaserne an, deren Stützen man nur wegzuziehen brauchte, um sie über den Haufen zu werfen. Die Soldaten zogen indessen in meine Wohnung.

Wenige Tage nach unserem Einzug fühlte ich mich krank. Kolik, Schlaflosigkeit und Mangel an Appetit hielten mich mehrere Tage im Bett gefesselt, und weder meine, noch die von Mana geschickten Arzneien verbesserten meinen Zustand. Meine Krankheit ward auf allen Dörfern bekannt. So lag ich denn hoffnungslos auf meinem Lager, und Sterbegedanken, die mich sonst noch nicht viel beunruhigt halten, erfüllten meine Seele. Da besuchte mich etwa am achten Tage meines Uebelbefindens ein altes caraibisches Weib, und erkundigte sich genau nach allen Umständen meiner Krankheit. Sie versprach mir, am andern Morgen einen Trank zu bringen, der Kopf und Magen wieder ins rechte Geleis bringen sollte.

Der Trank, den sie mir auch wirklich brachte, war ein Decoctum aus einer Rinde, die einen bittern, aromatischen Geschmack hatte, und Aehnlichkeit mit der Samarubo hat. Die Caraiben nennen sie Sibiru; der Baum wächst im höhern Lande.

Kaum hatte ich diesen Trank, den sie mir in einer schmutzigen Calabasse brachte, im Leibe, als meine Leibschmerzen nachliessen und ich in einen, wohl fünf Stunden dauernden, erquickenden Schlaf fiel. Des Abends verschlang ich mit wahrem Heisshunger den köstlichen Blaff, den mein Aufwärter zubereitet hatte. Kurz gesagt, ich war vollkommen genesen und erlangte in wenigen Tagen meine Kräfte wieder.

Dass ich das alte Weib freigebig belohnte, versteht sich von selbst; nie ging sie an meiner Thüre vorüber, ohne dass ich ihr einen Labetrunk aus der Schnapsflasche gereicht hätte.

Anfangs October stellte sich der Kommandant und der Doctor wieder bei mir ein, um die Lebensmittel, welche man alle Tage erwartete, in Empfang zu nehmen.