Wir lebten auf die gewohnte Weise; der Kommandant sorgte für das Essen, dessen Zubereitung er meisterhaft verstand. Der Doctor und ich machten kleine Ausflüge nach den benachbarten Indianerdörfern, oder gingen auf die Jagd. Eines Morgens kamen zwei Indianer zu mir und erzählten, dass eine schöne Papa- oder Abgottschlange nicht weit vom Posten in einer Awarapalme verschlungen liege, und sich vielleicht lebendig fangen lassen würde.

Ich eilte schnell dahin und fand das wunderschöne Thier, das ruhig in den stachlichten Blättern verschlungen dalag, und seinen Kopf hart an den Stamm angeschmiegt hatte. Ihr Leib von der Dicke eines Mannsleibes, und ihre Länge mochte 10-14' betragen. Ich stand eine Weile unentschlossen da und liebäugelte mit der Schlange, die in träger Ruhe uns ganz gleichgültig begaffte. Da ich auf die Hülfe der Indianer nicht rechnen konnte, so war ich auf meine eigenen Kräfte angewiesen; aber der Wunsch, die schöne Schlange lebend zu bekommen, siegte über meine Bedenklichkeiten.

Ich holte nun vom Posten ein neues, ziemlich starkes Seil, woraus ich eine Schlinge machte. Aus der Schnur eines indianischen Bogens drehte ich eine kleinere und steckte den Kopf der Schlange ganz behutsam darein. Um den Stamm und den Leib befestigte ich die grosse Schlinge, welche mir ein Indianer, jedoch mit grossem Widerwillen hielt. Jetzt zogen wir, und ich fasste sogleich den Kopf, während der Leib sich langsam aus der Schlinge zog und sich mir um den Arm wickelte. Unterdessen lief ich mit der Schlange nach dem etwa 300 Schritte entfernten Posten, wo ein Guide mir das Thier vom Arm und der Hand abwickelte, um welche beide sie sich so fest geschlungen hatte, dass ich grosse Schmerzen empfand.

Ich warf sie nun in eine leere Weinkiste, wo sie einige Zeit betäubt lag. Jetzt erst fing sie an zu zischen und liess sieben Stunden lang einen Ton hören, der vollkommen dem Geräusche des aus einer Dampfmaschine strömenden Dampfes glich.

Ich liess eine passendere Kiste von Cedernholz für sie machen, in welcher man durch ein Gitter das Thier recht gut beobachten konnte, setzte die Kiste nun unter die Gallerie und war glücklich bei dem Gedanken, so wohlfeilen Kaufs in den Besitz eines so schönen Thieres gekommen zu seyn. Wie gross war daher mein Schrecken, als man mich in der ersten Nacht mit der Nachricht weckte, die Schlangenkiste wäre offen, und das Thier entflohen. Ein Soldat, der ohne Zweifel über mein Glück neidisch war, hatte die Kiste aufgemacht. Mein Jammer war gross! Aber ungeachtet alles Suchens mit Lichtern und Laternen in der Savanne und am Strand, fand man keine Spur von ihr. Auch als der Tag anbrach, und Kisten und Fässer weggerollt werden konnten, fand man keine Spur, bis man sie zufällig im Giebel des Hauses entdeckte, wo sie, in den Palmblättern verschlungen, ruhig dalag.

Bald darauf machte ich eine Reise nach Mana, wo ich gegen Mehl Seife und Wein für den Kommandanten eintauschte. Es war diess die letzte, denn am 29. Oktober kam der Schooner mit den Lebensmitteln und einem Korporal, der mich ablösen sollte. Man hatte mich zum Fourier gemacht, und ich musste desshalb in die Garnison zurück.

Schwerer, als von meinem Kommandanten, der mir wiederholt betheuerte, wie leid ihm meine Abreise thue, fiel mir der Abschied von meinen Indianern. Die Meisten derselben hatten sich am Ufer versammelt, und ich bekam noch von den Weibern eine Menge Wasserkrüge als Geschenk.

Bepackt mit meinen sieben Sachen, worunter eine Schlange, ein Kwatta und ein Eichhörnchen, bestieg ich den Schooner und verliess nicht ohne heimliche Thränen die mir so liebe Marowyne. Fest stand mein Vorsatz, nach Ablauf meiner Dienstzeit an ihren Ufern mich festzusetzen, um in reizender Abgeschiedenheit, ganz unabhängig in der freien Natur leben zu können.

Ich habe jetzt, indem ich die Blätter überlese, und manche wahre Bemerkung wegstrich, weil sie Anstoss hätte geben können, meinen Wunsch erreicht, aber nach wie vielen Mühen und Gefahren, Entbehrungen und Missgeschicken!

Siebenter Abschnitt
Ankunft in Paramaribo. Die Komödie »Thalia« und »Polyhymnia.« Vorstellung in letzterer. Huldigung des Königs. Militärische Ansprache. Dreiwöchentlicher Urlaub. Abreise nach dem obern Surinam. Aufenthalt auf der Judensavanne. Beschäftigungen. Abstecher nach Mauritzburg. Spinnenfang. Plantagen Worsteling Jakobs und Bergendaal. Der blaue Berg. Fahrt nach Victoria. Die Saramneen. Buschnegerdorf Tja Tja. Buschnegertanz. Abreise. Pflanzung Moria. Die Buschneger: ihr Ursprung. Frieden und Contracte mit der Regierung. Eintheilung in drei Stämme. Das Grossoberhaupt. Ihre Lebensweise und Gottesdienst. Aberglauben. Krankheiten. Bestrafung der Giftmischer. Handel mit den Weissen und ihresgleichen. Ende meiner Dienstzeit und Abreise nach Europa. Ueberfahrt. Ankunft in Holland.