Glücklich erreichten wir den Strom, dessen Ufer von lothrechten Felsen gebildet werden und sahen dicht bei uns den Jagdneger, der mit den Indianern von der Jagd zurückkam. An Lianen, die von den Bäumen herabhingen, kletterten wir in die Corjaal und erreichten nun in wenigen Minuten den Begräbnissplatz. Der Weg, welcher vom Strom dahin führt, ist von hohen Bäumen überwölbt und mit Mimosen (Sinnpflanzen), die beinahe Mannshöhe erreicht hatten und bei unserem Durchgange die Zweige ehrerbietig neigten, dicht bewachsen. Der Ort selbst liegt auf einer kleinen Anhöhe in der Mitte von Cumu-, Maripa- und Awara-Palmen, wird aber seit vielen Jahren nicht mehr benützt, obgleich es hier so freundlich und still ist, dass man nicht leicht ein passenderes Plätzchen finden könnte.

Nach sechstägigem Aufenthalt auf der Judensavanne ging ich mit dem Negerjungen auf meinen alten Posten Mauritzburg, um auf den ihn umgebenden Savannen eine Art Vogelspinne, die in der Erde lebt und sich dort häufig aufhält, zu holen.

Ich besuchte meine alten Freunde, die Arowacken, von welchen ich, da sie gerade ein Bienennest gefunden hatten, mit Honig tractirt wurde. Der Junge trug eine mit Rum gefüllte Flasche, in welche ich die Spinnen werfen wollte. Kaum war diese vom Familienvater Bakrafassi erspäht, so verlangte er ganz natürlicherweise davon zu trinken. Ich erklärte ihm mit Bedauern, dass ich diese zum Tödten der Spinnen nöthig hätte, worüber er sich höchlich entsetzte. Doch solchen köstlichen Trank zu so profanem Zwecke gebrauchen zu lassen, konnte er nicht übers Herz bringen und meinte, ich könne die Spinnen am Leben lassen und doch in die Flasche thun. Als ich ihm aber bemerkte, dass sie sich auf diese Weise auffressen würden, so rieth er mir an, jede einzeln zu bewahren und verfertigte sogleich zu diesem Zweck aus trockenen Parasalla-(Heliconia-)Blättern kleine nette Häuschen, die mit einem Awarastachel geschlossen werden mussten. Ich überliess ihm nun die Flasche mit der Herzensstärkung und wir gingen dann zusammen auf den Spinnenfang. Diese Thiere halten sich in den Savannen und an Wassergräben auf, haben etwa fusstiefe, runde Höhlen, die in schiefer Richtung nach unten laufen und bis an die Oeffnung umsponnen sind, so dass weder Erde noch sonst etwas hineinfallen kann. In dieser Höhle sitzt das Thier nahe am Eingang und lauert auf die vorüberziehenden Passagiere, als Käfer, Grillen und kleine Eidechsen, welche sie im Sprunge fängt und in ihre Höhle schleppt. Unten in derselben befindet sich immer Wasser, worin vielleicht die Beute erst ertränkt wird. Die Spinne selbst hat ausgespannt etwa 14" im Umkreis, der Thorax ist von der Dicke eines Mannesdaumens und der Leib von der Grösse eines Taubeneies; die acht Füsse und zwei Fangspitzen sind schwarz und haben der Länge nach laufende, weissgelbe Streifen; die rothbraunen Fresszangen sind beinahe ½" lang. (Im April 1841 erhielt ich eine solche Spinne, die mit ausgespannten Füssen die Grösse eines grossen Esstellers hatte und deren Hinterleib so gross wie ein Hühnerei war. Sie war sehr wild und sprang auf mich los.)

Bakrafassi gab mir seinen Sohn Walekuleh zur Begleitung nach der Judensavanne mit und wir traten des andern Morgens unsere Rückreise dahin an.

Nach zehntägigem Aufenthalt verliessen wir die Judensavanne und fuhren in Begleitung des Arowacken und Caraiben den Strom weiter aufwärts. Die beiden Indianer, so ziemlich von gleichem Alter, doch verschiedenen Stammes, waren bald die besten Freunde und da keiner des andern Sprache verstand, so hielten sie ihren Diskurs im Negerenglisch, welches beide gleich schlecht sprachen und uns damit sehr belustigten.

Die Pflanzungen oberhalb der Judensavanne sind klein und gering und liefern keine Produkte. Bloss Zimmerholz und Bretter werden von hier aus zum Verkaufe nach der Stadt gebracht.

Wir fuhren bis zu der dem Gouvernement gehörenden Pflanzung Worsteling Jakobs, wo man früher die zu Fundamenten und Brustwehren nöthigen Steine sprengte. Jetzt war sie der Wohnort zweier Herrnhuter Missionäre, die von da aus Reisen nach den umliegenden Pflanzungen machten, um die Sklaven zu bekehren. Die dieser Secte eigene Einfachheit und Reinlichkeit herrschte hier im Hause, das, umgeben von Palmen und andern tropischen Gewächsen, am Strome lag.

Eine mit Hochwald bedeckte Insel und mehrere Felsenblöcke, an denen sich das Wasser schäumend brach, vollendeten das ländliche Bild. Wir wurden freundlich aufgenommen und bewirthet und fuhren des andern Morgens weiter. Die Meeresfluth hatte hier beim hohen Wasserstande gar keinen Einfluss mehr und je höher wir den Fluss aufwärts fuhren, desto mühsamer wurde das Fahren gegen denselben. Die einst zahlreichen und gut bebauten Niederlassungen sind grösstentheils verfallen und mit Wald bedeckt, nur wenige unansehnliche sahen wir im Laufe des Tages.

Durch Pflanzensammeln längs des blühenden Waldsaumes hatten wir uns so verspätet, dass wir bei Anbruch der Nacht noch ziemlich weit von der Pflanzung Bergendaal, wo wir verweilen wollten, entfernt waren. Es war eine herrliche, kühle Nacht. Hr. H. und ich legten uns, so gut es anging, in der Corjaal nieder, bedeckten das Gesicht, um dem Mondschein nicht ausgesetzt zu seyn und schliefen, bis wir durch das höllische Gebell der Hunde auf Bergendaal geweckt wurden. Es war 11 Uhr und Alles schlief schon auf der Pflanzung. Der Director derselben, ein alter Mulatte, kam auf den Lärmen der Hunde unter erzwungener Freundlichkeit herbei. Im Nu waren unsere Hängematten aufgehängt und bald herrschte die vorige Stille wieder. Ich hatte schon Vieles von dieser Pflanzung erzählen hören und stand desswegen mit Tagesanbruch auf; denn ich war neugierig, sie zu sehen. Dieses Vergnügen musste ich aber noch einige Stunden entbehren, bis der Nebel, der Fluss und Berge einhüllte, sich verzogen hatte.

Die Pflanzung liegt am Fusse einer Hügelkette auf dem linken Ufer des Flusses. Diese Hügelkette zieht sich südwestlich und dicht an ihr erhebt sich am Flusse der sogenannte blaue, etwa 200' hohe Berg. An diesen Berg angebaut befindet sich das schöne und geräumige Wohnhaus in einem Garten von wohlriechenden Sträuchern. Mehrere Seitengebäude ziehen sich zwischen dem Berge und Flusse hin. Das Negerdorf besteht aus netten hölzernen Häusern, die mehrere Strassen bilden und überschattet von Kokosbäumen einen freundlichen Anblick gewähren. Die Arbeiten der Sklaven, deren es etwa dreihundert sind, sind sehr gering, und sie benützen ihre übrige freie Zeit zum Anbau von Erdfrüchten, die sie mit den Ponten, welche Bretter nach der Stadt bringen, zum Verkaufe dorthin senden. Schweine und Federvieh ziehen sie in Menge und verschaffen sich desshalb auf diese Weise manche Annehmlichkeiten, welche die Sklaven anderer Pflanzungen entbehren müssen.