Ein «Beduften» (Scenting) scheint beim schwarzen Tee hie und da in der Weise geübt worden zu sein, daß man dem fertigen Produkt wohlriechende Blüten beimengte und diese dann, nachdem sie ihren Duft abgegeben hatten, wieder aussiebte. Als solche Blüten wurden genannt: Aurantieen, Aglaia odorata, Chloranthus inconspicuus, Gardenia florida, Jasminum paniculatum und Sambac, Osmanthus fragrans. Wie TISCHOMIROFF durch Erkundigungen in China erfuhr, wird das «Beduften» des schwarzen Tees nicht oder doch (1893) nicht mehr geübt. Nur in die Kisten, die «Tee zu Geschenken» enthalten, wird auf den Boden bisweilen eine fingerdicke Schicht Aglaiablüten geschüttet. In Szeschuan werden bisweilen, aber nur für den örtlichen Gebrauch, die süßen Zweigspitzen von Viburnum phlebotrichum dem Tee beigemischt.
In Java und Ceylon fand ich (1889) weder Färben noch Beduften in Gebrauch.
Einige Drogen, wie das Curare und der Haschisch gehören schon zu den Präparaten, sind also eigentlich nicht mehr Simplicia, sondern Composita. Doch wird sie wohl jeder zu den Drogen im weiteren Sinne rechnen, trotzdem sie künstliche Gemische sind.
Die Herstellung von gegorenen Getränken aus Pflanzensäften fällt schon aus dem Gebiete der Pharmakognosie heraus. Doch kann man den Palmenwein ([Fig. 189]), den Cognac, den Arac und die Pulque ([Fig. 190]) wohl noch im weiteren Sinne zu den den Pharmakognosten interessierenden Objekten rechnen. Wenn sie auch natürlich keine eigentlichen Drogen sind, so werden sie doch ebenso wie der Wein auch gelegentlich zu Heilzwecken verwendet.
Bei der Pulquebereitung schneidet der Arbeiter die Knospe des Blütenstandes der Agave americana, bevor sich derselbe entwickelt, ab und saugt mit einem eigenartigen Instrument ([Fig. 190]) den zuckerhaltigen Saft an, der dann nach dem Vergären die «Pulque» liefert.
Bei der Palmweingewinnung schneidet man ebenfalls die Blütenstandknospe ab oder macht Einschnitte in den oberen Teil des Stammes ([Fig. 189]), sammelt den austretenden zuckerreichen Saft und läßt ihn vergären.
Fig. 191.
Die Räucherung des Kautschuks mit Palmnüssen (Defumaçao da borracha) im Amazonasgebiet unter Anwendung kleiner «Ruder» zur Herstellung kleiner Kuchen.
[Aus Hubers Arboretum amazonicum.]
Daß man Drogen auch durch eine rationellere Erntebereitung verbessern kann, unterliegt keinem Zweifel, und man sollte gerade diesem Umstande besondere Aufmerksamkeit widmen. Das Standardbeispiel bildet der Hevea-(Para-)Kautschuk, der von in Ceylon, Sumatra und Malacca kultivierten Heveaarten gewonnen, durch rationelles Koagulieren und Strecken der Abscheidung zu Fellen jetzt schon in so vortrefflicher Qualität am Markte ist, daß er im Preise an der Spitze aller Sorten steht und schon höher wie bester brasilianischer Para bezahlt wird.
Die Koagulation der Kautschuk-Milchsäfte ([Fig. 191] u. [192]) ist jetzt schon eingehend studiert.