Fig. 52.
Ausheben der Pflanzlöcher in einer neuangelegten Kautschukplantage in Indien.
[F. O. Koch phot.]
Nur bei einigen der Kulturen im großen Stil (Plantagenkulturen) — Tee, Cacao, Kaffee, China, Riechstoffpflanzen — sind auch Versuche mit Kreuzungen (Hybridenbildung), Pfropfungen u. dergl. gemacht worden und nur bei ihnen hat man auch den Einfluß der Düngung, der Bodenbeschaffenheit, der Beschattung, der Drainage, der Meereshöhe und Regenmenge systematisch studiert. Hier bleibt noch ein großes Feld für weitere wissenschaftliche Arbeit im Dienste der Praxis. Denn nur bei den Cinchonen sind die Versuche bisher nach allen Richtungen hin durchgeführt worden, haben aber hier zu sehr bemerkenswerten Resultaten geführt. So liefert z. B. gerade die Hybride zwischen Cinchona Succirubra und C. officinalis eine sehr wertvolle Rinde.
Besondere in den Kulturen geübte Verfahren sind das «Erneuern der Rinde» bei den Cinchonen, das zur Entstehung der hochwertigen «Renewed barks» führt und das ähnliche Verfahren bei der Korkeiche, wo der sog. «männliche» Kork abgeschält wird und sich aus dem Korkcambium der viel wertvollere «weibliche» Kork entwickelt (s. Einsammlung).
Fig. 53.
Neue Saatbeete einer Kautschukpflanzung in Indien. Im Hintergrunde der Urwald.
[F. O. Koch phot.]
In den alten berühmten Arzneikulturorten Clermont Ferrand (Frankreich), Puglia und Acquila (Italien) und den vielen Orten, die uns aus den Namen der Safransorten des Mittelalters bekannt sind (vgl. [Pharmakodiakosmie]) — noch erinnern einige Ortsnamen (Capo Zaffarano bei Palermo, Zaffarana bei Marsala) daran — sind jetzt die Kulturen von Arzneipflanzen ganz zurückgegangen. Auch die Crocuskultur Frankreichs ist jetzt ganz auf Gâtinais, wo im XVII. Jahrh. mit der Kultur begonnen wurde, beschränkt und von 1143 Hektar (1869) auf 477 (1902) zurückgegangen. Vorwärts gehen die Kulturen eigentlich nur in Amerika, wo das zielbewußte Vorgehen des Agriculture Department einen Fortschritt anbahnt, in Spanien bezüglich des Safran und besonders in Rußland, dessen riesige unbebaute Landflächen billiges Land und dessen arme Bevölkerung billige Arbeitskräfte darbietet, das also für die Arzneipflanzenkultur prädestiniert ist. Schon 1886 habe ich der damals entsandten russischen Studienkommission die Arzneipflanzenkultur warm empfohlen. Auch Ungarn produziert steigende Mengen.
In Deutschland gehen allenthalben die Arzneipflanzenkulturen zurück. Ich wiederhole, was ich schon in meinem Aufsatze: «Der Anbau der Arzneigewächse in Deutschland» 1890 sagte: «Es wird Sache der großen Drogenfirmen sein, die dabei zunächst interessiert sind und allein eine genaue Übersicht über den wirklichen Bedarf, über die Nachfrage haben, auf Erhaltung und Hebung der heimischen Arzneipflanzenkultur durch sachgemäßen, den Kultivateuren erteilten Rat hinzuwirken.»
Gut rentabel wird die Arzneipflanzenkultur in Mitteleuropa nur bei billigen Bodenpreisen und niedrigen Löhnen. Die Mohnkultur (zwecks Opiumgewinnung) und die Safrankultur wurden in Deutschland verlassen, da sie zu viel teure Arbeitskräfte verlangten. Doch ist überall dort, wo Böden frei werden, z. B. in von der Phylloxera verwüsteten Weinbergen (vgl. die Lit.) oder wo der Boden eine Fruchtfolge verlangt durch Anbau von Arzneipflanzen eine Rendite zu erzielen und der Apothekergarten lohnt auch heute noch die darauf verwendete Mühe. Der Anbau von Mohn zur Opiumgewinnung ist meines Erachtens auch in Europa noch heute lohnend, da die Samen als Nebenprodukt gewonnen werden können.