Fig. 54.
Cinchona-Nursery unter Schutzdächern auf Java.
[Schröter phot.]

Einjährige Pflanzen werden aus Samen erzogen, mehrjährige (Mentha) am besten aus Setzlingen (Stecklingen). Der Boden, die Bewässerung, die Beschattung sind für jede Art auszuprobieren. Alle die, welche sich mit Arzneipflanzenkultur beschäftigen wollen, verweise ich auf die unten angegebene Spezialliteratur (besonders auf LÖBE und SCHÖLLER). Die Hauptsache tut aber die eigene Erfahrung.

In starker Progression wachsen die tropischen Arzneipflanzenkulturen, die durch Einführung der landwirtschaftlichen Maschinen neue Impulse empfingen. Von Boden und Klima begünstigt, werfen sie, rationell betrieben, guten Nutzen ab. So haben besonders die Cinchonapflanzungen auf Java und in Vorderindien, die Tee- und Kaffeepflanzungen in Java, die Kulturen der Kautschukbäume (besonders Hevea) in Sumatra, Malacca, Ceylon, Mysore, Travancore, Assam, Birma, Neu-Guinea, Samoa, der Guttaperchabäume auf Java, die Kaffeepflanzungen in Brasilien, die Vanillekulturen auf Bourbon, den Seychellen, Comoren und Madagaskar und auf Tahiti, die Pfefferkulturen im Malaiischen Archipel bedeutende Dimensionen angenommen und auch in den deutschen Kolonien schreitet man kräftig vorwärts und versucht es mit allen möglichen Heil- und Nutzpflanzen (Cacao, Tabak, Kautschuk, Kaffee, Cinchonen), wirksam unterstützt von der heimischen Versuchsstation in Berlin und der Station in Amani (D. O. A.). Diese tropischen Kulturen, bei deren Anlage alle Faktoren (Meereshöhe, Regenmenge, Temperatur) berücksichtigt werden, werden jetzt mit allen modernen Hilfsmitteln betrieben. In der Estate ([Fig. 48]) wohnt der europäische Direktor oder Assistentdirektor und seine Assistenten, in einiger Entfernung liegen die Hütten der unter besonderen Chefs (Mantri besar in Java) stehenden Eingeborenen ([Fig. 12]). Zunächst wird der tropische Urwald ([Taf. VIII]) niedergelegt ([Taf. IX], [Fig. 49][51]), die Bäume entweder verbrannt oder verrotten gelassen oder nutzbar gemacht. Dann stellt man mit eisernen Stöcken Pflanzlöcher her ([Fig. 51] u. [52]). In Keimbeeten (Saatbeeten, [Fig. 55] u. [57]) werden die Samen zum Keimen gebracht, in Nurseries (Pepinièren, [Fig. 59][61]) die jungen Pflänzchen bis zur Höhe einiger Dezimeter gezogen, dann in die sorgfältig drainierte und reingehaltene, wohl auch rationell gedüngte Plantage überpflanzt und auch hier noch dauernd überwacht, wie ich dies in meinen Indischen Heil- und Nutzpflanzen ausführlich geschildert habe. Auch dem Trocknen und (event.) Fermentieren wird die größte Sorgfalt gewidmet. Nicht selten wird dann sogar das Endprodukt einer chemischen Kontrolle unterworfen. So gleicht eine solche Pflanzung einem in jeder Hinsicht wohlorganisierten Staate.

Fig. 55.
Saatbeete für keimende Cinchonasamen auf Java.
[Schröter phot.]

Fig. 56.
Bixa Orellana (in Blüte) als «Windbrecher» am Rande einer Cacaoplantage in Java gepflanzt.
[Tschirch phot.]

Fig. 57.
Gedeckte Keimbeete (Kweekereij) in der Regierungschinaplantage in Tjibouroum (Java).
[Aus Verslag der Gouvernements Kina-Onderneming Java.]