Fig. 76.
Einsammlung der Chinarinde in Südamerika.
[Nach Weddell.]
Aber auch viele oberirdische Organe, z. B. die Blätter, erreichen nur zu einer bestimmten Zeit das Maximum ihres Gehaltes an bestimmten Stoffen. Durchaus nicht immer fällt dies Maximum mit der Höhe der Entwicklung des betreffenden Organs zusammen. Manche Blätter sind z. B. an Alkaloiden im jungen Zustande reicher als im ganz alten. Doch kann man auch hier als Regel aufstellen, daß das Maximum des Gehaltes bei Blättern kurz vor der Entleerung liegt, die auch das Blatt notwendig bei der Bildung der Blütenteile erfahren muß. Man kann also ganz allgemein sagen, daß, während für Knollen, Rhizome und Wurzeln die günstigste Einsammlungszeit das zeitige Frühjahr oder der späte Herbst ist, also die Zeit, wo sie noch nicht entleert oder schon wieder gefüllt sind, Blätter im allgemeinen kurz vor dem Blühen der Pflanze zu sammeln sind. Die Dauer der Blütezeit ist meist eine so kurze, daß eine Zeitangabe für die Blüten überflüssig erscheint» (TSCHIRCH in Real-Enzyklopädie d. ges. Pharm.).
Fig. 77.
Pflücken des Tees in Ceylon.
[Nach Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]
Fig. 78.
Ablösen der Chinarinde, Sortieren und Stampfen in der Cinchonenplantage Lembang auf Java. Links fertige Ballen und Kisten.
[Tschirch phot.]
«Digitalisblätter sind vor der Blütezeit ärmer an wirksamen Bestandteilen als nachher, die Blätter des ersten Jahres daher ganz verwerflich. Ebenso zieht man, wenigstens in England, bei Hyoscyamus die Blätter des zweiten Jahres vor. SCHROFF hat (1870) gezeigt, daß Fructus Conii unmittelbar vor der Reife die größte Menge Coniin enthält. Ebenso verdanken wir demselben den Nachweis, daß Tuber Colchici bloß zur Blütezeit der Pflanze kräftig wirkt. Rhizoma Filicis darf nach alten Erfahrungen nur im Spätsommer gesammelt werden. Auch das absolute Alter der betreffenden Teile kommt oft in Betracht. So ist zweijährige oder dreijährige Radix Belladonnae reicher an Atropin als siebenjährige oder noch ältere, was wohl hauptsächlich dadurch bedingt ist, daß dieses Alkaloid vorzüglich der Rinde angehört, welche bei älterer Wurzel weniger in das Gewicht fällt als bei jüngerer; nicht so schwankend ist der Gehalt der Belladonnablätter. Daß manche Früchte und Samen vor der Reife Amylum, später mehr Zucker, Öl und andere Stoffe enthalten, sei gleichfalls erwähnt. Im Safte des Ecballium Elaterium kommt im Juli reichlich Elaterin vor, aber im September fehlt dieser stark drastische Körper darin. Pfeffer, Cubeben, Gewürznelken sind vor der Reife reicher an ätherischem Öle, Chinarinden können bisweilen arm an Chinin sein oder sogar keines enthalten» (FLÜCKIGER-TSCHIRCH, Grundlagen).
Fig. 79.
Ablösen der Zweigrinde in einer jungen Cinchonenpflanzung auf Java.
[Schröter phot.]
In den Kulturen der Arzneipflanzen, besonders in Cölleda, ist auch die Einsammlungszeit genau geregelt. Leider vertragen die narkotischen Kräuter den Anbau nur schwer ohne Beeinträchtigung ihrer arzneilichen Wirksamkeit. Sie entwickeln sich bei guter Pflege zwar üppiger, verlieren aber an Gehalt. Das liegt hauptsächlich daran, daß die Kultur meist eine ungeeignete ist und nicht genügend Rücksicht auf die natürlichen Wachstumsbedingungen der betreffenden Pflanzen genommen wird (s. oben [S. 45]).