Fig. 80.
Instrumente, die bei der Gewinnung der Chinarinde benutzt werden. b Sägeartiges Messer, mit dem die Rinde quer und längs eingeschnitten und abgeteilt wird. a Abgerundete Messer zum Ablösen der Rinde.
[Aus Tschirch, Indische Heil- u. Nutzpflanzen.]

Die Einsammlung der fremdländischen Drogen ist noch weniger geregelt als die unserer einheimischen. Unter genauerer Kontrolle stehen auch hier nur die Kulturen. Bei besonders wertvollen Drogen, wie z. B. der Chinarinde, dem Opium, wird auf die Wahl der geeigneten Einsammlungszeit und Einsammlungsart großes Gewicht gelegt. Im allgemeinen geht man aber, besonders in den Bezirken, in denen die Natur in unerschöpflicher Fülle immer von neuem produziert, ziemlich rücksichtslos vor, sowohl was Zeit als Methode betrifft, und da viele fremdländische Drogen nicht aus Kulturen stammen, sondern von den Einheimischen, meist wilden oder halbwilden Völkern, gesammelt werden, so kann es nicht überraschen, daß sowohl in unverantwortlicher Weise dabei vergeudet wird, als auch die Einsammlungsart weder geregelt, noch auf irgend welchen Erwägungen tieferer Art aufgebaut ist. Man sammelt meist, was und wie man es findet, aufs Geratewohl und verarbeitet die Droge auf die roheste Weise. Wieviel z. B. jährlich Kampfer, Aloë, Guttapercha und Kautschuk vergeudet wird, läßt sich gar nicht in Zahlen ausdrücken. Hier ist ein Punkt, wo die Kolonisationsbestrebungen einzusetzen haben.

Beim Einsammeln der Drogen ist wohl darauf zu achten, daß nur derjenige Teil der Pflanze gesammelt wird, der wirksam ist, daß z. B. die meist wertlosen Stiele krautiger Pflanzen entfernt werden. Wird dies vom Sammler selbst verabsäumt, so muß der Drogist oder Apotheker durch Auslesen das Versäumte nachholen. Nur in den Fällen, wo anhängende Organe gute diagnostische Merkmale abgeben, die der Droge selbst abgehen, läßt man sie daran, wie z. B. bei der Rad. Hellebori viridis und nigri die Wurzelblätter, bei der Digitalis das mitgerissene Stück Stengelepidermis u. a. m.

Fig. 81.
Instrumente, die bei der Gewinnung des Ceylonzimt benutzt werden. a Hackmesser zum Kappen der Sprosse. b Rundholz aus Zimtholz, mit dem nach dem Ringeln die Oberfläche gestrichen wird, um den Zusammenhang von Holz und Rinde zu lockern. c Falzbeinartiges Messer zum Ablösen der Rinde. d Messer zum Abschaben des Korkes. e Längenmaß für die Fardelen.
[Aus Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]

Die Ernte selbst wird natürlich in sehr verschiedener Weise besorgt, je nach der Natur des Ernteproduktes.

Die Kräuter werden meist mit der Sichel geschnitten, die Blätter mit der Hand abgelöst. Besondere Sorgfalt wird auf das Ablesen der Blüten verwendet, die einzeln abgelesen und dann in Körben locker übereinander geschichtet werden, da sie sich sonst leicht verfärben oder an Duft verlieren (Rosa, [Fig. 65], Orangenblüten [Fig. 63]). Die Crocusblüten werden in Spanien in toto gepflückt ([Fig. 68]) und die Narben dann erst zu Haus herausgelöst ([Fig. 67]). Bisweilen werden die Blütenknospen, da wertvoller, an Stelle der aufgeblühten Blüten gesammelt (Flos. naphae, Caryophylli).

Bei großen umfangreichen Kulturen, wie z. B. denen der Pfefferminze bei Mitcham (U. S. A.), werden zum Schneiden des Krautes Mähmaschinen benutzt ([Fig. 70]). Vielfach (z. B. bei Artemisia pontica) bedient man sich der Sense.

Das Zuckerrohr wird vor eintretender Blüte ziemlich dicht über dem Boden geschnitten [Fig. 71]), von den Blättern befreit ([Fig. 72] u. [73]) und bis zur Verarbeitung in Schuppen aufgestapelt ([Fig. 75]).