Bisweilen werden hierbei eigenartig geformte Messer benutzt ([Fig. 80], [81], [85]). Bei den gerbstoffhaltigen Rinden muß Sorge getragen werden, daß nur eisenfreie, also entweder kupferne oder messingne Messer in Anwendung kommen.
Als Beispiele mögen die Gewinnung der Chinarinde ([Fig. 78]–[80]) der Cascara Sagrada und des Ceylonzimt beschrieben werden.
«Mit einem sägeartigen Messer ([Fig. 80, b]) wird der Stamm der Cinchone in Entfernungen von ½ oder ¼ m erst horizontal und dann auch der Länge nach eingeschnitten ([Fig. 78]), so daß ein rechteckiges, ¼, ⅓ oder die Hälfte des Baumumfanges breites Stück Rinde abgeteilt ist. Dann fährt der Arbeiter oder die Arbeiterin — denn es sind meist Weiber, die das Schälgeschäft besorgen — mit einem stumpfen, breiten und langen und oben abgerundeten dünnen, kupfernen oder messingenen Messer ([Fig. 80, a]) (Eisen wird des Gerbstoffes wegen tunlichst vermieden) zwischen Holz und Rinde und hebt letztere vorsichtig ab. Anfangs rein weiß, färbt sich die Innenfläche der Rinde in 15 Sekunden — wie ich mit der Uhr in der Hand feststellen konnte — schön rotbraun, indem die Chinagerbsäure in Chinarot übergeht, und bald beginnt auch, da die Rindenspannung ausgelöst ist, das Einrollen zu einer Röhre. Das «Schälen» geschieht besonders in der Regenzeit, da sich dann die Rinde am leichtesten loslöst. Ganz anders verfährt man bei den Ästen und Wurzeln. Hier wird die Rinde mit krummen Messern regellos von dem Holze abgeschabt. Man legt unter den zu schälenden Ast einige Pisangblätter oder einen runden Teller, einen Bambutampir, und schabt drauf los, während die Abschabsel auf die Unterlage fallen» (TSCHIRCH, Indische Heil- und Nutzpflanzen).
Die Ernte der Cascara Sagrada-Rinde schildert ZEIG (1905) folgendermaßen: «Die Ernte beginnt gewöhnlich im April oder unmittelbar nach der Regenzeit, weil da die Bäume am saftreichsten sind und die Rinde sich am leichtesten abheben läßt und dauert bis Juli. Man macht um den Stamm ringförmige Einschnitte, immer 2–4 Zoll voneinander entfernt und schält dann die Rinde bis ungefähr einen Fuß über dem Erdboden; dann wird der Baum geschlagen und die Äste in gleicher Weise geschält.»
Fig. 85.
Instrumente, die bei der Gewinnung des Zimt in Südchina benutzt werden. Links das Messer zur Herstellung der Längs- und Quereinschnitte in die Rinde. Rechts das Hornmesser zum Ablösen der Rinde vom Stamm. In der Mitte der Hobel zum Abschälen des Korkes.
[Kew Museum.]
Die Gewinnung des Ceylonzimt ([Fig. 81]–[84]) habe ich (Indische Heil- und Nutzpflanzen) wie folgt geschildert: «An den von den Blättern befreiten ([Fig. 82]) Schößlingen werden an den Grenzen der Internodien zunächst mit einem scharfen Messer Rundschnitte gemacht, gleich als wolle man den Sproß ringeln. Dann fährt der Arbeiter mit einem fingerförmigen, 1–1½ dcm langen, aus Zimtholz gefertigten, runden Holzstücke [Fig. 81, b]) wiederholt über die Oberfläche hin, das Reibholz fest andrückend. Dadurch wird der Zusammenhang der Rinde mit dem Holze in der Cabiumzone etwas gelockert. Hierauf macht der Arbeiter mit einem gewöhnlichen Messer gerade Längsschnitte von Knoten zu Knoten ([Fig. 83]), von Rundschnitt zu Rundschnitt und hebt durch geschicktes Einschieben eines stumpfen, oben abgerundeten, kupfernen, falzbeinartigen Messers ([Fig. 81 c]) die Rinde vom Holze ab. Die Wahl des Kupfers oder Messings ist hier wie bei der China durch das Vorhandensein von Gerbstoffen gerechtfertigt; eiserne Instrumente würden die Rinde schwärzen. Nachdem die Rinde auf diese Weise kunstgerecht und ohne Verletzungen oder Zerreißungen vom Holze abgelöst ist, läßt man sie bis zum anderen Tage frei oder übereinandergepackt welken. Man spricht hierbei wohl auch von einem «Fermentieren», allein ich glaube nicht, daß wirklich eine Gärung eintritt. Am anderen Tage werden nun die Rindenröhren von dem Korke befreit. Dazu dient ein eigentümliches stumpfes Schabemesser, welches von gekrümmt-halbmondförmiger Gestalt ist ([Fig. 81 d]) und über die Rinde in folgender Weise geführt wird. Man legt die gewelkte, daher sehr biegsame Rindenröhre über einen runden, aus Zimtholz gefertigten und geglätteten Stock, dessen Durchmesser größer ist als der des Zimtschößlings, von dem die Rinde genommen wurde. Dadurch wird bewirkt, daß die Rinde nur die obere Krümmung des Stockes bedeckt, nicht sich ringsum legt. Dieser Stock ruht auf einem aus drei Bambu- oder Holzstöckchen gebildeten Dreifuß ([Fig. 84]). Der Arbeiter oder die Arbeiterin stellt nun den Dreifuß so vor sich hin, daß der Stock mit der daraufliegenden Rindenröhre gegen den Körper gerichtet ist, setzt den rechten Fuß, um das Ganze zu stützen, oben auf den Stock und schabt mit dem Halbmondmesser vorsichtig den Kork und die grüne Rinde ab. Auch dies muß sehr sorgfältig gemacht werden, es darf weder zu viel noch zu wenig entfernt werden. Dann läßt man die geschabten Rindenstücke wiederum über Nacht liegen und schiebt sie alsdann zu mehreren (8–10) so in- und aneinander, daß die Enden der einzelnen Röhren aufeinander stoßen und man schließlich ein Röhrenbündel von gewünschter Länge erhält. Diese Länge ist auf jeder Estate fest bestimmt, übrigens nicht überall gleich. Sie wird durch einen Stab markiert, an dessen Ende sich ein Holzklötzchen befindet ([Fig. 81 e]). An diesen Stab werden alle Röhrenbündel gelegt und oben und unten mit einer Schere auf die Länge des Stabes gekürzt. Das hierbei Abfallende wird als geringwertigere Ware in den Handel gebracht oder wandert mit dem Abschabsel (Kork und Mittelrinde), den Ships oder Shavings, in die Distillerien des ätherischen Zimtöles.»
Die beim chinesischen Zimt benutzten Messer sind ähnlich ([Fig. 85]), doch erfolgt das Abschälen des Korkes mit einem hobelartigen Instrument.
Fig. 86.
Schälen der Korkeiche.