„Mama ist krank, kommst Du darum?“
„Ja, Kinder, die Mutter ist recht krank, thut’s beten, damit sie wieder gesund wird.“
Er lüftete sein dickes grobes Halstuch rasch und legte seinen großen Kopf auf die flachshaarigen Kinderköpfe, so daß seine Augen nicht zu sehen waren.
„Ich habe Alles gethan, was ich konnte, um ihr Freud’ zu machen, und doch war sie nie recht glücklich,“ sagte er insgeheim, „immer so still und so für sich allein... Ich hab’ sie ja nicht zwingen können, daß sie mich nimmt... sie war arm und als Mädel gerade keine von den jüngsten... und eine Waise, ohne Freund und Stütze... Es war ganz anders... Alles anders wie mir, da die Erste geboren worden ist, die Selige hat ihre Freude gehabt, schon bei dem Gedanken an die Zukunft... und ich war ein heller Narr vor Glückseligkeit...“ er drückte das größere Mädchen fest an sich... „und heut’... heut’ ist die Frau in so schwerer Noth, und thut dabei, als ob wir gar nicht recht zusammengehörten!... Nein!... so thut sie nicht, das bild’ ich mir nur ein!... Warum aber bild’ ich mir das ein? Weil, weil... ei da! weil sie halt feiner und vornehmer ist in ihrer ganzen Art, als wie meine Selige war... als ich selber bin... Die große Beamtentochter ist halt doch was anders als das Kleinbürgerkind, die Selige... Ja, ja, das ist’s, wir wissen uns alle zwei noch nicht recht ineinander zu schicken... Nur gesund werden... gesund!... es wird sich schon machen!... Seid nur brav, Mädeln, macht’s der Mutter keinen Verdruß,“ setzte er laut hinzu, „denn Ihr habt’s gar eine gute, brave und feine Mutter.“ Dann grübelte er wieder bei sich weiter:
„Sie ist so eine eigene Person, sie hätt’ mich gewiß nicht geheirathet, wenn sie mich nicht gern genommen hätte...“
Eine trotzige, laute Kinderstimme schrie plötzlich in seine traurigen Gedanken hinein.
„Sie sein gar nicht davongeflogen, sie hängen noch drinnen im Thurm, grad’ wie die Sonn’ untergegangen ist, hab’ ich sie feuerroth herglänzen gesehen!“
Mit verachtungsvoller Ueberzeugung sagte das der älteste Sohn der Frau Huber und deutete auf den Kirchthurm, „die Frau Mutter plauscht allerhand solche Sachen, die gar nicht wahr sind,“ schloß er naserümpfend.
„Wart, Franzi, das sag’ ich der Frau Mutter, daß Du sagst, sie lügt!“ zeterte der Jüngste ritterlich und versteckte sich, da ihm die früher empfangenen Püffe noch vorschwebten, schnell hinter dem breiten Rücken des Herrn Brauner.