Schon stapfte ein schwerer Schritt durch den Vorgang und polterte durch die Gemächer. Thüren flogen knarrend auf und fielen dröhnend zu, endlich quikte schon die Klinke an der letzten Stubenthür und auch diese wäre lärmend aufgestoßen worden, hätte die besorgte Wärterin sie nicht erfaßt und den vierschrötigen Mann, der pustend eintrat, am Aermel seines Reisepelzes gepackt. Mit dem Kinn nur wies sie über die Schulter nach dem Bette und flüsterte:

„Der Fanny geht es nicht gut, Herr Brauner, seit gestern ist es freilich ein wenig besser und ich glaub’, es wird sich schon machen, — aber die Nerven halt, und die Brust! Ich habe mir gedacht ich schreibe Ihnen, es ist gescheidter, Sie sind da, wenn — aber ich hab’ schon wieder Muth — jetzt geht es ihr besser,“ schloß sie beruhigend.

Der Mann schüttelte ungeduldig beide Arme und reckte den Kopf nur nach der Kranken hin: als er das todtenblasse Gesicht seines Weibes sah, schob er die flüsternde Frau ungeduldig beiseite, hastete zu dem Bette, ergriff den regungslosen blonden Kopf und horchte, indem er sein grobes, unschönes Gesicht nahe an ihre Lippen brachte.

„Fanny! ich bin es, Fanny!“ sagte er gütevoll, „Tag und Nacht bin ich gefahren, um Dich nicht allein zu lassen, gerade jetzt, weil die Frau Huber schrieb, daß schon jetzt...“ er schaute sich verwirrt nach der Pflegerin um und fuhr hastig, wie nachsinnend, mit der umgekehrten Hand über die geröthete Stirne hin und her. Die Wimpern der Kranken zuckten, es war, als ob sie die geschwollenen Lider nicht heben könne.

„Ich danke Dir,“ lispelten ihre weißen Lippen, und der schwerfällige Mann erschrak, daß er zitterte, als sie ihren Mund auf seine behaarte rauhe Hand preßte; doch als er sein Weib nun zärtlich küßte, da rann ein Schauer durch ihren ganzen Leib.

„Wo sind denn meine Kinder, Frau Huber?“ fragte Brauner mit unsicherer Stimme, während er immer auf die unbewegliche Gestalt vor sich niederschaute.

„Kinder kann man nicht überall brauchen an solchen Tagen, droben im Dachboden sind’s eingesperrt, da haben Sie den Schlüssel, auf meinem Boden sind alle beisammen.“

Draußen hatte sich ein Wind erhoben, der leicht an die Scheiben pochte, und der graue Himmel war übersät mit kleinen rosigen Wolken. Wie betäubt stieg der Mann die Treppen hinan, immer ließ er seinen gelbblonden Bart durch die Finger gleiten und murmelte, als ob er seiner eigenen Unruhe nachfragen wollte und sich nicht zurechtfinden könne mit etwas Unsichtbarem, Unfaßbarem, das ihn überall anpackte, für das er keinen Namen hatte:

„Was ist denn geschehen, was geschieht denn in meinem Haus?... Mein armes Weib!“...

Er öffnete die Bodenthür und setzte sich stumm mitten unter die Kinder auf einen bestaubten Balken. Sonderbar war es, und doch fiel es ihm in seinen Sorgen nicht auf, daß seine beiden Mädchen nicht aufjubelten wie sonst, wenn er von einer weiten Handelsfahrt unerwartet heimkam, sie kletterten still auf seine Kniee, schlangen die Aermchen um seinen Hals, schmiegten sich eng an ihn und sagten weinerlich: