„Vergebung!“ flehte leise der Doktor, während er ihre Hand in der seinen hielt und scheinbar auf seine Taschenuhr sah, er zählte leise und mit bebendem Mund die Pulsschläge, die er nicht mehr fühlte.
„Habe... gebüßt... die einzige... Stunde Glück... in meinem... Leben...“ rang es sich von ihren weißen Lippen, dann schauerte der Körper zusammen in scheuer Zurückhaltung, der Blick rückte mühsam hinüber zu dem kleinen Kinde, die Hände der Frau falteten sich ruckweise über der Hand des Mannes und die vergehende Gestalt hauchte nur noch:
„Carl...“
„Fanny!“ stöhnte der Doktor.
Im dunkelsten Winkel der Stube, die Ellenbogen auf einen Stuhl gestützt, kniete Frau Huber und weinte in ihre Schürze und sprach:
„Herr, vergieb ihr, und lasse sie eingehen in Dein Reich. Amen.“
„Erbarmen!“ ächzte der Doktor mit dem erschütternden Klageruf, den übergroßes Herzeleid ausstößt, wenn es zur übermenschlichen Allgewalt in Vedrängniß und Verzweiflung emporfleht.
Keine Antwort...
„Höre mich!“ bat er in gedämpftem Ton, als wollte er die fliehende Seele festhalten, aber die Frau regte sich nimmer, stumm war ihr Geist hinübergewandelt in jene endlose Stille, in welche kein sehnsüchtiger Ruf der Liebe, kein harter Laut des Hasses dringt...
Er stand noch immer ohne seine Haltung zu verändern aufrecht neben dem Lager. Die eiskalten Hände der Todten lagen schwer auf seiner Hand.