„Was ist’s, Doktor? was ist’s!?“ jubelte Herr Brauner, der mit freudestrahlendem Gesicht hereingestürmt kam.
Der Angeredete ließ die Hände der Entschlafenen sachte niedergleiten, wendete sich um, griff wie blind mit einer zwecklosen Geberde vor sich hin, und sagte dann, während aus dem Schatten um seinen Mund tiefe Furchen wurden, mit einem fratzenhaft-starren höflichen Lächeln:
„Ein Mädchen.“
„Fanny! mein liebes Fannerl!“ kicherte in weichem Ton, überwältigt, hingerissen, Herr Brauner und berührte übermüthig-zärtlich und dennoch schüchtern die Wangen seines Weibes, doch wie von einem Schlage getroffen flogen die Hände zurück, er schaute Wahrheit-, Hilfeheischend auf den Arzt, dann wieder in das stille Gesicht der Todten... warf die Arme in die Luft und fiel nach rückwärts bewußtlos auf die Diele...
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Das Alles geschah an dem Tage, an welchem die Liese geboren wurde.
„Man hat halt kein Glück mit einem Charfreitagkind,“ hat die Frau Huber noch oft gesagt, wenn sie Bruchstücke aus der Geburtstag-Geschichte ihrer Ziehtochter erzählte.