„Aber das Heirathen hat sie doch nicht im Ernst probirt; soll mich nehmen,“ rief selbstgefällig der hübscheste und ärgste Lump, den die Vorstadt aufweisen konnte.
„Meinst’, Handschuhmacher, um ihr Geld könnst’ Du schon ein Aug’ zudrücken?“ kicherte ein zahnloser Mund.
„Alle Zwei, meinetwegen. Was wär’s weiter?... Bildsauber ist ja die Prinzessin. Soll gescheidt sein!“
So dachten und sprachen die Nachbarn, aber Keinem fiel es ein, sich das stille schöne Mädchen so genau anzusehen, wie ich es that, sobald sie in die Laube kam. Manchmal, wenn sie ganz allein dort saß, den blonden Kopf vorstreckte und die Hände flach übereinander auf den Knieen lagen, wußte ich nicht, ob sie mit offenen Augen schlafen konnte. Keine Bewegung des üppigen Leibes, kein Zug in ihrem weißen Gesichte verrieth was sie dachte, und über meine Arbeit hinweg schaute ich schier nach jedem Stiche zu ihr hin. Als sie aber eines Tages begann, mich anzublicken, unablässig, erwartungsvoll, aufdringlich, da ärgerte ich mich fast über diese großen, fragenden Augen. Und nun konnte sie stundenlang sitzen und in mein Gesicht starren. Es war mir oft, als müßte ich das abschütteln, grob werden oder davonlaufen. Ich spürte ihren Blick, meine Nadel fing stets an ungleichmäßig durch den Stoff zu fahren, ich bekam Herzklopfen und mußte an allerlei traurige Dinge denken. Warum ich doch am Fenster sitzen blieb? Zuvörderst war die Prinzessin die gehätschelte Nichte der bösen Hausfrau und hatte viel Geld, und zunächst war meine Kammer schmal und dunkel, das Fenster tief und niedrig, so daß ich nur vorne knapp am Fensterbrett Licht genug für meine Arbeit fand.
„Hat die Fräul’n Lina vielleicht eine unglückliche Lieb’ g’habt, oder so was dergleichen?“ fragte die Laternenanzünderin und fuhr mit der Schürze über die Augen.
„Ach was! — die Lina hat gar nie eine Liebschaft g’habt — sagt sie selbst — hat’s auch nicht nöthig — sie ist reich g’nug dazu — sie könnt heirathen wen sie wollt’ — aber sie will halt nicht“ — erwiderte die Tante protzig.
Die Beiden saßen breit in der Laube, hatten große buntbemalte Töpfe vor sich, die bis an den Rand mit starkduftendem Kaffee gefüllt waren, sie tranken schluckweise und schmatzten mit den Lippen.
„Und sie will halt einmal nicht!“ schrie die Hausfrau wiederholt, „und weil’s nicht will, so will’s nicht!“ sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und starrte die Laternenanzünderin herausfordernd an.
„Freilich, sag’ ich auch,“ erwiderte die Frau verbindlich, „aber — der Prinz?“