Dann ist die Noth vorbei.“

Liebe und Treue!... Vielleicht sucht sie ein solches Wort und kein Mensch sagt es ihr, denn außer in so feinen schönen Liedern höre ich die Leute gar nie diese Worte aussprechen. Vielleicht ist gar irgend wie Einer, der auch aus lauter Lieb’ und Treu’ das Kloster anzünden thäte, in das sie gehen will, und der Eine weiß es nur nicht, wo die Lina und das Kloster ist, und darum kann er ihr das Wort nicht sagen... So grübelte ich vor mich hin, und wer ganz zufällig in das pochende Herz und in das ungeschickte Hirn hineinzublicken vermocht hätte, der hätte vielleicht ein zerfahrenes, ungelenkes Gedicht dort träumen und empfinden sehen.

„Fräulein Caroline!“ rief ich plötzlich mit einem großen Entschluß mitten aus meinen Träumen zu ihr hin.

Ihre fragenden, ernsten Augen senkten sich, sie neigte den Kopf ein wenig zur Seite und starrte mich dann wieder so an, wie sonst immer.

„Fräulein Caroline, ich weiß was!“ rief ich mit gedämpfter Stimme hinüber und winkte ihr mit beiden Händen.

Sie stand auf und lief zu mir herüber.

„Was sagen Sie?“ fragte sie leise.

„Ich hab’ schon gehört, daß Sie ein Wort suchen, alle Leut’ im Hause wissen es auch. Ich mein’, ich weiß das Wort!“

„Du?... Sie?...“ sagte sie leise, und ein schwaches Lächeln bewegte ihre zarten Lippen.

„Lieb’ heißt das Wort! Gelt?“ rief ich fröhlich.