„Neue Kinderbewahranstalt — Narrenhaus — lauter Fadaisen — einsperren wieder“, so knurrte sie fort und fort, daß mir der Bissen im Munde schwoll, und kaum hatte ich den letzten verschluckt, schob sie mich schon zur Thüre hinaus...
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In der „blauen Gans“ erzählte die Liese damals kein Wort von den Vorgängen jener Nacht. Ihre Ziehmutter wunderte sich nur, daß sie nimmer drüben schlafen wollte, das Kind hörte jedoch aufmerksam zu, wenn von dem neuen Hause und seinen Bewohnern die Rede war. Es wurde jetzt auch öfter als sonst davon gesprochen, denn seit jener Nacht war der Herr Gottfried viel kränker.
„Der Gottfried ist halt soviel ein schwacher Mensch,“ sagte die alte Spitalwärterin und klopfte auf ihre Tabakdose, „jetzt hab’ ich schon zwei Nächt’ die arme Babett’ abgelöst, sie kann es ja auf die Dauer nicht allein aushalten.“
Je übler aber der Gottfried aussah, desto frischer wurde die Babette, sie bewegte sich gleich einem jungen Mädchen, wenn sie den Kranken herabführte in den Garten. Es war derweilen wieder Frühling geworden, er aber durfte nicht wie ehemals bis in die Nacht hinein im Freien bleiben; auf seine Haushälterin gestützt und mit einem Stock in der anderen Hand, ging er hin und her, immer nur zwei-, dreimal, dann mußte er sich wieder niedersetzen.
„Wenn der die Babett’ nicht hätt’, so hätt’ er schon diesmal in’s Gras beißen müssen, mit dem Skelett wird bald aufgeräumt sein, er hat die gallopirende Lungensucht. Aber eine feste Wärterin, wie unsereins, will er halt doch nicht,“ belferte die alte Therese.
„Weil Sie alleweil hineinreden in ihn, mag er Sie nicht,“ sagte die Liese ehrlich und kam wieder einmal übel weg dabei.
„Hat Dich wer gefragt?“ schrie die alte Wärterin. „Ich hab’ schon ganz andere Leut’ betreut als den. Für den giebt’s nur noch ein Mittel, er soll die Babett’ heirathen, sie ist eine sehr „bescheidene“ Person.“
Damit wollte die Therese sagen, daß die Haushälterin eine besonders „gescheidte“ Person sei, aber das schlichte Wort war ihr zu gering für die vorzüglichen Eigenschaften der alten Jungfer.
„Er soll sie nur heirathen,“ keifte sie weiter und glotzte uns durch ihre große Hornbrille an, „so ein schwacher Mensch — dem kann nur eine gute Pfleg’ noch eine Weil’ Leib und Seel’ zusammenhalten.“