„Sie reisen bald?“ fragte der Kranke gespannt.
„Ja, ich trete meine große Gastspielreise an, habe schon von rechts und links Anträge!... La-la-la-lah!... ganz belegt!... Ich reise ohne meine Frau,“ flüsterte Blank vertraulich, „sie könnte wieder eifersüchtig werden, so ein Bürgerkind ist den Ton, der unter uns Künstlern herrscht, nicht gewohnt... Sie bleibt hier.“
„Bei ihrer Familie?“ fragte Gottfried, ohne von seiner Uhrkette, die er durch die Finger zog, aufzublicken.
„Ach Gott verhüte das, sie bleibt da im Hause. Meine Frau verkehrt mit niemand, wie Sie wissen. Um meinetwillen, ihr Mann genügt ihr, ich bin ihre Welt. Ich kann auch diese Familienzusammenhockerei nicht leiden, die Alten brauchen nicht in das Nest der Jungen zu gucken. Sie begreifen?“
„Ich begreife,“ sagte der Kranke und zerrte immer mehr an der Uhrkette.
„Darum wollte ich mit Ihnen reden!... hm-eh!“ Er schwieg, drückte die Wange an seinen Halskragen und sagte dann langsam:
„Meine Frau ist immer unruhig, wenn ich fort bin, sie ist, heißt das, sie war krank, schwer krank. Pure Eifersucht war es am Anfang, dann...“ er beugte sich an das Ohr des Herrn Gottfried und flüsterte: „wurde es Gemüthskrankheit... darum mußte ich vom Theater weg... immer bei ihr sein, brr!... aber es half auch das nichts, ich mußte sie doch in eine Anstalt geben... Sie verstehen?... Darum baute ich hier das Haus, damit sie die ungestörteste Ruhe fand, nicht viel Menschen sieht und damit die Munkelei ein Ende hat... Ich mußte damals einen Revers ausstellen, daß ich sie immer unter guter Aufsicht halte, als ihre Alten darauf drangen, daß ich sie wieder heimnehme... so bin ich ein Irrenwärter geworden und kein Ehemann... Rührt sich die Krankheit wieder, so verpflichtet mich der Revers, daß ich sie gleich wieder in die Anstalt schicke. Sie verstehen?“
„Ja!“ — stöhnte der todtbleiche Mann.
„Als ich letzthin eine Nacht außer Hause war, hatte sie einen kleinen Rückfall,... ich kannte es an ihren Augen.“