Der Gottfried hob den Kopf langsam immer höher, dann schaute er auf den Sänger mit zornigen Augen nieder und seine dünnen Lippen zogen sich immer wieder schmal über die Zähne. Nach einer Weile sagte er:
„Ei, Herr Blank, das ist ein sonderbarer Scherz.“
Der Hausherr hatte während der Zeit gebückt dagesessen, und erst als die Stimme des Kranken verklungen war, schaute er mit verstohlenen Blicken prüfend in das Gesicht des Mannes, und als er da nur wieder die erschlafften Züge fand, rief er scherzend und übersprudelnd:
„Das ist aber mein Ernst, junger Freund, mein ernstester Ernst. Sehen Sie, Sie sind ein schwacher Mensch, Sie brauchen Pflege, immer Pflege... Und dann, sehen Sie, sind wir schon Alle so zusammengewöhnt da in dem neuen Haus! Mir wäre leid, wenn ich Sie fortziehen lassen müßte... und das müßte ich, denn... hm-eh-heh! nehmen Sie mir das nicht übel... aber die Frau Blank kann doch, wenn der Herr Blank abwesend ist, nicht mit Ihrer Wirthschafterin, der Jungfer Babette, verkehren, oder, na, Sie verstehen mich doch, mit dem jungen Herrn Gottfried allein... Sie begreifen?“
„Ich begreife immer mehr,“ erwiderte der Herr Gottfried heiser und schaute dem lächelnden Mann starr in die Augen.
„Tra-la-la-lah!... ganz rauh. In vierzehn Tagen singe ich in Petersburg an der Oper, ich wollte, Sie könnten mich hören. Also entschließen, entschließen, junger Freund, ich habe mich seinerzeit auch entschließen müssen. Sie verstehen? Jeder muß einmal daran! Leider, leider. Tra-la-la-lah!... Hm-he-eh!... Du Balg, Du wächst auch in die Höhe.“ Der Hausherr kniff die Augen zusammen und schaute die Liese vom Kopf bis zu den Füßen an. „Aber hübsch wird das Unkraut,“ flüsterte er dem Kranken zu und ging trillernd in das Zimmer seiner Frau.
„Jetzt ist mir Alles klar — das unglückselige Weib —“ stöhnte der Herr Gottfried, und dann bekam er einen Hustenanfall, als sollte es ihm die Brust zerreißen.
Wort für Wort erzählte am Abend die Babette das Gespräch der beiden Männer ihrer Freundin, der alten Therese. „Woher sie das nur weiß,“ fragte sich die Liese verwundert. Die Therese erzählte die Geschichte, freilich mit Zusätzen, weiter und alle schwatzten sie nach.
In der „blauen Gans“ fanden Weiber und Männer, daß der Herr Blank ein sehr gescheidter und guter Mensch sei, nur die Frau Weiß wisperte der Laternanzünderin zu:
„Warum hat er die Anna geheirath’, wenn er gewußt hat, daß sie ein bis’l verrückt ist. Ein Lump bleibt ein Lump, und das arme Mädel hat halt viel Geld gehabt.“