Der Laternanzünder warf sich in die Brust und erklärte eingehend, daß auch aus einem verschuldeten Offizier noch ein sehr ordentlicher Mann werden kann, er habe das öfter erlebt bei der Schwadron seinerzeit, und so hätte auch der Herr Blank vernünftig geredet und gehandelt in dem vorliegenden Fall. Er wurde sehr weitschweifend und schloß seine Rede mit den Worten:

„So mein ich. — Wenn auch der Gottfried ein schwacher Mensch ist, von dem niemand was zu fürchten hat, so gehört sich doch alleweil was sich gehört. Die Babett’ ist eine tüchtige Person; daß sie arm ist, das macht nichts, und wenn sie jünger wär’, so wär’ sie auch dümmer — alsdann soll der Herr Gottfried die Babett’ nur heirathen.“

Manchmal konnte ein denkender Mensch glauben, daß die Beschlüsse, die in der großen Waschküche gefaßt wurden, die Urtheile, welche sie da aussprachen in ihrer Einfältigkeit, gleich Mehlthau in die gesunde klare Luft hinaus schwämmen und sich erdrückend auf Herz und Hirn Jener legten, die in dem Kreise lebten.

„Er soll heirathen!“ war und blieb das Schlagwort, und Alle kümmerten sich plötzlich um den guten Ruf der alten Jungfer und der Frau Anna und thaten, als ob die Babette herübergehörte in die „blaue Gans“, und als ob ihr ein großes Unrecht zugefügt würde, wenn sie der „schwache Mensch“ nicht zur Frau nähme. Die Babette lief den geschlagenen Tag hinüber und herüber und wußte Jedem in der „blauen Gans“ etwas Erfreuliches zu sagen und über ihre eigene Quälerei mit dem Kranken zu klagen.

So gingen Wochen hin und die Koffer des Herrn Blank standen schon, mit Wachstuch bedeckt, in dem Garten, zum Aufladen bereit.

„Wann laßt sie ihn denn endlich reisen, die Seinige, den armen Mann?“ fragte die Spitalwärterin entrüstet.

„Nach der Hochzeit,“ erwiderte die Babette geziert und wurde puterroth.

„Na, alsdann! endlich!“ rief die alte Therese befriedigt und trug die Neuigkeit rasch weiter.