Es blühte und duftete schon im Garten und die Frau Anna konnte wieder unter den Fliederbüschen sitzen mit der Liese. Herr Blank lief freilich ungeduldig vor ihr hin und her und wurde erst gesprächig, wenn die Jungfer Babette den Gottfried brachte und alle Viere beieinander saßen. Die Haushälterin hatte nicht ein graues Haar mehr, sie waren alle braun geworden.
Besonders lieblich war der junge Garten, wenn das Lampenlicht die zart-grünen Sträucher im Umkreise noch heller färbte und die weißen Blüthendolden noch schärfer dufteten als am Tage, da waren dem Kinde die andern Menschen zuviel, es lehnte den Kopf an die Kniee der jungen Frau und beobachtete all’ die Käferchen und Mücken, welche um die Glasglocke schwirrten.
„Warum mag wohl die Jungfer Babett’ heut gar so hergeputzt sein,“ dachte sich die Liese an solch’ einem milden duftgeschwängerten Abend.
Die Haushälterin hatte ein rosenfarbenes Kleid angelegt und sprach viel lauter und mehr, wie an den früheren Abenden, dafür lehnte der Gottfried wie ein Sterbender in seinem Stuhl, und die Frau Anna schaute ängstlich von Einem zum Andern. Als die Weingläser abgeräumt waren, kam das alte Stubenmädchen und brachte eine große, dampfende Schüssel sammt vier Gläsern.
Der Herr Blank stand auf, nahm eine würdevolle Haltung an, drehte den Kopf nach rechts und links, füllte die Gläser, reichte mit einer feierlichen Verbeugung Jedem eines, drückte die Wange an seinen Halskragen, räusperte sich, hob das Punschglas, salutirte damit und sagte, als ob er zu Jungfer Babette redete:
„Eine Braut bringt dem neuen Hause Glück!... Meine Herrschaften thun Sie mir Bescheid, auf daß es einen langen, friedlichen Ehestand gebe. Aennchen, morgen ist die Hochzeit des Herrn Gottfried mit dem Fräulein Babette Schmied, Du bist Brautmutter,“ er lachte, daß es ihn schüttelte, „und ich schon seit langer Zeit Beistand...“
Frau Anna nickte freundlich und reichte ihre schmale Hand über den Tisch dem Gottfried entgegen. Er faßte sie und küßte sachte die feinen Finger.
„Ich wünsche Ihnen von Herzen Glück,“ flüsterte die junge Frau der alten Braut zu und wickelte ihre Hände in das dünne Tuch, das sie um den Hals geschlungen trug und dessen Enden in ihrem Schoß lagen.
„Morgen nach der Hochzeit reise ich ab, Aennchen, Du bist jetzt nicht allein, Herr Gottfried bleibt bei uns, seine Braut hat heute schon in seinem Namen den Miethkontrakt auf vier Jahre abgeschlossen... Ich weiß Dich jetzt in guten Händen... und kann reisen, mein Weibchen, ohne Sorge, nicht wahr?“