„Reisen? ach ja!“ erwiderte sie verwirrt und tonlos und verbarg ihr Gesicht in den Händen.

Da kam ein Nachtfalter angeflogen, er schwebte um die Lampe, kam der Flamme immer näher und näher, bis er von der Hitze betäubt in die Glasglocke fiel und mit halbversengten Flügeln drinnen herumflatterte. Alle sahen dem Falter aufmerksam nach, Gottfried aber stützte die Ellenbogen auf den Tisch, legte das Kinn auf die gefalteten Hände und stierte auf das sterbende Thier, das sich noch Mühe gab davonzufliegen.

„Er ist zu schwach,“ sagte er leise und ließ die Ellenbogen vom Tische gleiten.

Da nahm Anna den Falter aus der Lampenglocke und hielt ihn mit ihren feinen Finger mitleidsvoll an dem Flügel.

„Kann nimmer fliegen,“ schrie die Babette, „ist schon halb todt; Flügel ausreißen, dann geht es schneller.“

Ihre plumpe Hand griff hinüber und packte das Thier.

Frau Anna zitterte am ganzen Leibe, sie schaute das derbe Weib furchtsam an und klammerte sich unter dem Tisch an den Rock der Liese. Als die Babette darauf den Arm ihres Bräutigams ergriff und ihn über die Treppe schleppte, sagte die Liese weinerlich:

„Wenn der Flügel hätt’, wie der Nachtvogel, sie thät’s ihm auch ausreißen, die Hex’.“

Er hatte aber keine Flügel, er ließ sich am nächsten Morgen in die Kirche zum Altar schleppen und sagte wie Einer, der im Traume spricht: „Ja...“, dann fuhr er mit seiner Frau und dem Ehepaar Blank wieder heim. Als sie durch die Hausthüre gingen, wollte die Frau Gottfried der Frau Anna um den Hals fallen, aber die schaute sie nur groß an, trat zur Seite und ging schnurgerade in ihr Zimmer. Einen Augenblick blieb die Babette verdutzt und schweigend stehen, als aber der Hausherr kam, lief sie ihm entgegen und fiel ihm an die Brust; er hielt sie auch fest, tätschelte sie auf den Rücken und flüsterte ihr etwas in’s Ohr, daß sie hell auflachte...