„Gewiß, so oft ich fort kann, mein süßer Liebling,“ und dann flüsterte sie ganz leise, nur hörbar für das Kind, dieweil sie flüchtig hinüberspähte zu Eugen: „Wenn Du gut bist, dann kommt bald Dein Papa zu uns und dann wird Alles... Alles anders werden...“
Das Kind schaute sie mit weit offenen, leuchtenden Augen an und nickte unmerklich.
„Aber Claudine!“ mahnte die langsame gleichgültige Stimme des Onkels, und er zog die Oberlippe so sonderbar in die Zähne, daß sich sogar die Spitzen des röthlichen dünnen Schnurrbartes herabsenkten, und er zischte:
„Adieu, Blanche! Mama muß jetzt endlich fort!“
„Warum?“ fragte die Kleine eigenwillig.
„Weil sie einen Ball giebt, mein Schatz, weil Deine Mama tanzen muß, weil sie so reizend tanzt, wie keine Frau auf Erden!“ seine Blicke hingen aufflammend an dem schönen Weibe; „jetzt weißt Du Alles, petite chate,“ schloß er wieder nachlässig.
Die Baronin legte ihren Arm in seinen und schritt rauschend knisternd hinweg durch die Zimmer. Blanche neigte sich vor und sah ihrer glänzenden Mutter nach, bis sich die Thüre hinter ihr schloß, dann wendete sie das Köpfchen ihrer Spielgenossin zu, die immer noch wie versteinert auf demselben Flecke stand und noch immer nach der Thür starrte.
„Meine Mama ist sehr schön, nicht wahr?“ fragte Blanche.
„Ich glaub’s! wie die Maria-Zeller-Muttergottes hat’s ausgeschaut, wenn sie die echten Perlen um hat und das blauseidne Kleid an hat beim Einzug, wenn sie’s auf der Blumenbahr tragen, wenn sie die goldene Krone aufhat, wenn in der Kirchen die Lichter anzündt sind, wenn...“