Der Roserl ging der Athem aus, sie schaute sich verwirrt im Zimmer um, erwischte mit einem Griff die feine Spitzenüberdecke des Bettleins, die abseits lag, hing sich das blauweiße Gewebe um die Schultern, so daß sie es lang hinter sich herzog, und ging auf den Zehenspitzen die Zimmerreihen hindurch bis an die letzte Thüre. Lachend hatte ihr Blanche nachgesehen.
„So geht Deine Mamaah!“ sagte ernsthaft die Roserl, als sie mit ihrer Schleppe wieder hereinstolzirt kam.
„Ist Deine Mama auch so schön wie meine?“ fragte das Kind.
„Meine...? Uihjeh!...“
Der Roserl schwebte plötzlich das verrunzelte, harte, zahnlose Gesicht der frühgealterten Frau Kathi vor, die groben Röcke, die immer feucht waren vom Gürtel bis zum Saum, weil das Weib doch fort und fort wusch oder Wasser herbeischleppte... Und gar die weißen vollen Arme der Baronin!... Ach ja, weiß von Seifenschaum waren die Arme ihrer Mutter auch, und dunsteten, wenn sie plötzlich aus dem heißen Wasser herausfuhr, aber voll?... Die Vergleiche huschten nur so durch den findigen Kopf, und das junge lachende Gesicht wurde allmählig ernst, aus dem verwundert-spöttelnden Ton wurde ein unbewußt-mitleidsvoller.
„Ich bitt’ Dich. Blanscherl, was denkst,“ sagte die Roserl kleinlaut; „meine Frau Mutter!... Alleweil steht’s beim Waschtrog, und krumm ist’s auch, und lauter graue Haare hat sie, und ein einziges zimmetbraunes Sonntagskleid...“
„Hat sie Dich so lieb wie mich meine schöne Mama?“
„Kriegst Du nie Schopfbeutler?“ fragte die Roserl erwägend.
„Was ist das?“
„Na weißt, das ist so,“ die Kleine fuhr in ihre zerzausten Haare, schüttelte sich selbst ingrimmig den Kopf und gab sich zum Schluß nach rechts und links eine tüchtige Ohrfeige. „So ist’s!“ sagte sie dann erklärend.