Die vornehme Freundin schaute dem ganzen Gehaben sehr aufmerksam zu und lachte.
„Du, das ist gar nicht zum Lachen!“ betheuerte die Roserl, „und wenn Du es nicht kennst, dann wird Dich Deine Mamaah schon lieber haben, wie mich meine Frau Mutter.“
„Und wie heißt das?“ Blanche griff mit ihren feinen Händchen in die struppigen Haare der Andern und zog sachte.
„Schopfbeuteln... Na hörst, aber was Du Alles nicht kennst.“
„Meine Mama hat nicht Zeit, mir viel zu sagen, Finette singt mir vor, aber mein Papa hat mir früher viel erzählt, weißt Du...“ den Rest flüsterte sie der Roserl in’s Ohr.
Draußen fuhr Wagen um Wagen an, es wurde geräuschvoll lebendig auf dem Flur und auf den Treppen... Vor dem Gitter sprachen die Kutscher in lärmender Weise miteinander, die Pferde wieherten und stampften die Erde, Wagen rollten wieder davon und manchmal sang eine frische lustige Stimme ein kurzes Lied, dann schwiegen die Andern, eine Weile zuhorchend. Als es dunkel wurde verstummten Alle lange Zeit, später drang nur ein abgedämpftes Gesumme bis in das Stübchen...
Am Gitterthor und im Vorgarten wurden die großen Laternen angezündet und ihr röthliches Licht fiel durch die hohen Spiegelscheiben hinein, das Feuer im Kamin sang und flüsterte geheimnißvoll, hie und da raschelte es an der Decke, als ob ein Mäuslein droben über die Diele huschte. Die beiden Kinder steckten die Köpfe zusammen und lauschten, bald aber wurde es ganz still... kein leichtfertiger Menschenlaut klang herein, ein keuscher Friede trennte die beiden Kinderseelen von der heißen Luft, die sich über ihren Köpfen vorbereitete zum Tanz. Das lispelte eng aneinander gerückt hinüber und herüber in hastigem kindlichem Gewispere, und die dunklen Augen der kleinen Blanche hingen mit sehnsüchtiger Neugierde an den Lippen ihrer Freundin, die so eindringlich von dem Nikolo und dem Krampus zu erzählen wußte, „der gerade heute Abend zu allen braven Kindern kommt“.
„Dort in der Stadt, wo wir immer waren, kam er aber niemals zu uns,“ flüsterte Blanche.
„So?... Na weißt, er hat Dich halt noch nicht kennt’, Du warst noch zu klein, aber wart’, heut wird er schon zu Dir kommen, der Nikolo, und einen Krampus wird er Dir bringen von lauter süßen Zwetschken und Mandeln, die essen wir dann morgen miteinander.“
„Ach! was Du Alles weißt, Roserl!“