„Ja. Aber Deine Schuh!“ das Kind lief herum und suchte, und fand endlich ein Paar kleiner Schuhe; sie kletterte auf den großen Lehnstuhl, öffnete mühsam das Fenster und stellte geschäftig die Schuhe zwischen die beiden Scheiben.

„Was thust Du?“

„Pass’ nur auf, was da morgen Alles drinn sein wird,“ sagte die Rosi mit ahnungsvoller Wichtigkeit.

„Hörst Du!“ lispelte Blanche und zeigte hinauf an die Decke und gab mit dem Köpfchen den Takt, denn verlorne Musiktöne schwebten nieder und zuweilen erschütterte eine jähe Bewegung die Wände, sodaß die Fensterscheiben leicht erklirrten.

„Jetzt muß meine Mama schon tanzen, nicht wahr?“

„Freilich,“ erwiderte die Roserl hinaufhorchend, „und ich schau, ob der Nikolo schon bei uns ist. Weißt, sonst geben mir die Andern nichts, wenn ich nicht dabei bin. Ich bring’ Dir dann gleich den Zwetschkenkrampus! gelt?“

Die Roserl lief davon...

Das einsame Kind legte sein Köpfchen wieder in die Kissen und lauschte... Ueber die helle Zimmerdecke liefen die Schatten von Pferden und Wagen, wenn sie draußen vorbeifuhren, und manchmal flog ein weißer Lichtstreifen, den sie zu haschen suchte, über ihre Kissen und lief die Wände hinan und verschwand oder verschwamm mit dem, der ihm folgte. Das war ein ganz lustiges Spiel, die kleinen Fingerchen waren immer hinterher, und freundliche Gedanken flogen hinauf zu der schönen Mama. Die Musik droben spielte schon viel lauter auf, sodaß die Ampel, die vor dem Bette hing, stoßweise schwankte. Geduldig wartete das Kind auf die Mutter und auf die kleine Freundin mit dem Krampus, diese unbekannte Gestalt drängte sich dem regen Kindersinne immer wieder zu. Blanche kümmerte sich nicht viel darum, als die Französin hereingetänzelt kam, eine Kerze in die Ampel schob und die Tasse Suppe brachte, die nun einmal jeden Abend getrunken werden mußte.

„Die Rosi kommen gleik!“ rief sie tröstend und flatterte wieder davon.

In der „blauen Gans“ hatte aber die Roserl einen harten Strauß zu bestehen; ihre Brüder, eine Schaar wilder Buben, hatten entdeckt, daß hinter dem Nikolaus der Laternanzünder steckte, der lange Mann hatte sich einen Bart und eine Perrücke aus weißer Baumwolle zurecht gemacht, das weiße Brautkleid der Fuchskäthe angezogen, natürlich nur den Rock, darüber hatte er einen rothen Fenstervorhang als Mantel umgethan und eine hohe Bischofsmütze aus Goldpapier war mit Stricknadeln an die Perrücke gesteckt. Dem heiligen Nikolaus ging es noch gut, sie hatten vor seinem Anzug, vor dem Backwerk, den Nüssen und Aepfeln, die er jedes Jahr brachte, und auch vor dem groben Laternanzünder selbst, den sie später auch erkannten, eine gewisse Achtung, aber der Krampus, der arme Knecht Ruprecht, ein harmloser Jüngling mit schwachen Beinen, der mußte das Spiel bezahlen. Der Bedauernswerthe, er war Hausknecht bei der Frau Kathi, hatte einen großen kupfernen Waschkessel auf sein Haupt gestülpt, so daß die rußbedeckte Außenseite des Kessels schwarz anzusehen war, seine dünne Gestalt war durch einen schwarzen Kutscherpelz verhüllt, den er umgekehrt hatte und der nur das rauhe Schaffell zeigte. Diese furchtbare Erscheinung zog eine eiserne Wagenkette rasselnd hinter sich her und schwang drohend einen neuen Ruthenbesen.