Die große Waschküche in der „blauen Gans“ war auch an diesem Tage der Ort, an welchem das Nikolofest gefeiert wurde, es sah aber auch blank und heimlich darin aus. Der Ziegelboden war frisch roth angestrichen, alles Holzgeschirr mit weißem Sand so sauber gerieben, daß es schimmerte, die Waschtröge standen umgestürzt auf dem Boden rund herum an den Wänden und darauf saßen die Väter und Mütter wie in einem Ballsaal. Auf dem großen offenen Heerde brannten dicke Scheite, das machte zugleich warm und licht, denn die Oellampen, die von der Decke niederhingen, waren nicht viel werth. Mitten in der Küche stand ein langer schwerer Tisch, der an Werktagen zum Einseifen der Wäsche gehörte, der war spiegelblank gescheuert, da brannten auch ein Dutzend Unschlittkerzen, die anstatt in Leuchtern in großen ausgeholten weißen Rüben steckten. Um den Tisch trippelten und liefen die Kinder der „blauen Gans“ herum und erwarteten mit fieberhafter Neugierde den Nikolo. Die Einen murmelten die Gebete, die sie hersagen mußten, die Anderen wiederholten halblaut ihre Aufgaben, die Mädeln legten ihre Handarbeiten zurecht, und die kleinsten Kinder zitterten und bebten halb aus Furcht, halb aus Freude. Groß und Klein aber war immer in einer Festtagsstimmung, die frischgetünchte Küche, die umgekehrten Waschtröge und neugewaschenen Werktagskleider brachten das mit sich...

Der Nikolaus trat ein, hinter ihm die unheimliche Krampusgestalt. Im ersten Augenblick wirkten die Beiden so verblüffend, daß die ganze Schaar sich in die Nähe des Heerdes drängte, dorthin, wo das meiste Licht war. Als aber der Schwarze mit der Kette rasselte und hinter seinem Kessel eine unmögliche Sprache gurgelte, da brach ein erschütterndes Geheul los und die Hälfte der Kinder lagen zerknirscht auf den Knieen.

„Du, der Drampus hat ein Loch in Stiefel, bei der drohen Zehen; weißt, wer solche Stiefeln haben thut?“ flüsterte in diesem schauerlichen Augenblick der Xandi seinem älteren Bruder zu.

Der kleine Knirps war der schlaueste Bube im Hause, er gab seiner Schwester, der Roserl, nichts nach an Findigkeit und Uebermuth, bei den meisten Schelmenstreichen war sie die Seele und er der ausführende Leib.

„Ein Loch? — Meiner Seel! — Der Ferdl hat solche Stiefeln, unser Hausknecht, na wart!“ Der Aeltere zischelte die merkwürdige Entdeckung weiter.

„Richtig, und der Frau Mutter ihren Waschkessel hat er auf! ich kenn’ ihn, weil der Henkel einen Sprung hat,“ piepste ein kleines Mädel.

„Und dem Lohnkutscher sein Pelz hat er verdreht an! na wart, wenn uns der prügeln will beim Beten!“

So grollte der Aelteste, und als ob diese Worte das Unheil heraufbeschworen hätten, begann der Nikolaus mit tiefer feierlicher Stimme:

„Franz! Du thust schon lang in die Schul-e geh’n, geh-en,“ verbesserte sich der Heilige, „alsdann mußt Du auch etwas gelernt-et hab-en. Was thust Du könn-en fang-e an?“

„Was thust Du könn-en?“ widerholte der Krampus hinter seinem Waschkessel.