„Ja, ja, gerad vier Wochen war sie mit dem Brauner verheirathet. Sie kam dann fast jede Woche, und dabei wurde sie immer schmaler und weißer, und Thränen hat es da oft gegeben und Seufzer! Du mein Gott! Angst und bang ist mir geworden hier draußen im Vorzimmer, oder wenn sie so verweint an mir vorbeigegangen ist. Und der Herr Doktor war auch recht traurig immer, der hat so viel Mitleid gehabt, er war ein seelenguter Herr!... Aber helfen hat er nimmer können. „Ich habe sie zu spät kennen gelernt!“ hat er mir einmal zur Antwort gegeben, als ich ihn gefragt hab’, ob der schönen lieben Frau denn gar nicht zu helfen wär’. Besonders bang aber ist ihm worden, als die Aussichten auf das Kind da waren, freilich hat er stundenlang der weinenden Frau zugeredet und sie getröstet, aber sie muß selbst gefühlt haben, was ihr bevorsteht, und die Frau Huber, ihre Nachbarin, war auch voll Sorg’ und Unruh.“

Die alte Magd gedachte noch einer Menge Kleinigkeiten, welche mit dem Ereignisse zusammenhingen, am meisten aber kränkte sie sich darüber, daß der „Herr Doktor“ nach Italien, in seine Heimath, zu seiner Schwester gegangen ist, dort unverheirathet weiter gelebt hat und nur alle heilige Zeit einmal ein Lebenszeichen schickte. Seit einem Jahre wußte sie nichts von ihm.

Die Alte ist nun auch schon gestorben. Und der Doktor? Bei wem sollte ich nachfragen? Eine Art Scheu hielt mich ab, die Liese anzugehen, sie fragte ich nie nach ihm.

Am eingehendsten sprach der älteste Sohn der Frau Huber einmal mit mir von der Liese. Er war auf Urlaub daheim, und wir lachten alle viel über den frischen lustigen Mann, der mit schauspielerhaften Geberden seine Reden begleitete; die Geschichte von Liese’s Geburt, die erzählte er mir, die ich so ein halbwüchsiges Mädel war, weniger lustig und auch so zurückhaltend, als ob er sagen wollte: „Alles kannst und darfst Du nicht verstehen...“

Er leitete die Ereignisse wie eine Kindergeschichte ein; als ich später darüber nachdachte, da hörte ich geheime Thränen rieseln und wortlose Klagen wimmern... Vielleicht habe ich mehr gehört und gesehen, als sich in Wirklichkeit zugetragen hat, vielleicht weniger... So will ich denn Alles erzählen, wie ich es hörte, es geschieht damit Keinem ein Unrecht, aber die Liese bekommt alsdann erst das Buch, wenn ich die zweite Geschichte, welche ich jetzt niederschreibe, herausgeschnitten habe...

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„Freilich sind sie schon fortgeflogen!“

„„Aber es regnet ja, was es nur Platz hat.““

„Da werden’s alle rostig auf der Reis’, gelt?“

„„Was? nachher können’s gar nimmer läuten?““